Pleite Eisenwerk Schönheide muss nach gut 450 Jahren dicht machen

Das Eisenwerk Schönheide ist Geschichte. Der Traditionsbetrieb ist Pleite und muss schließen. Laut Insolvenzverwalter ist der Chef im Ausland und nicht zu erreichen. 90 Menschen verlieren ihre Arbeit. Die Krise begann 2018.

Blick auf das Werksgelände des Teilezulieferers ES Automobilguss.
Im Erzgebirge geht eine 450-jährige Industriegeschichte zu Ende: Das Eisenwerk in Schönheide ist nicht mehr zu retten. Bildrechte: dpa

Die Eisenwerk Erzgebirge GmbH in Schönheide muss ihren Geschäftsbetrieb endgültig einstellen. Wie Insolvenzverwalter Dirk Herzig mitteilte, hat sich auch der letzte verbliebene Interessent für eine Übernahme des Automobilzulieferers zurückgezogen. Rund 90 Mitarbeiter sind vom bevorstehenden Aus betroffen. Verwalter Dirk Herzig sagte MDR SACHSEN, es seien vor allem die fehlenden Umsätze gewesen, die das Aus besiegelten.

Das Unternehmen hatte in den letzten Jahren zahlreiche, vor allem aber zwei Großkunden verloren, hatte dann zwar versucht, neue Kunden zu gewinnen, allerdings waren die Umsätze nicht ausreichend, um die Kosten im Unternehmen zu decken.

Dirk Herzig Insolvenzverwalter

Er habe daraufhin mit dem Betriebsrat alle notwendigen Schritte eingeleitet - zum Ende des Monats hätte allen Mitarbeitern gekündigt werden müssen. Nun liefen Verhandlungen für einen Sozialplan.

Beschäftigte über Firmen-Aus bestürzt - Chef im Ausland

Mit dem Aus für den Traditionsbetrieb geht eine 450 Jahre währende Industriegeschichte zu Ende. Viele Beschäftigte hätten mit Bestürzung reagiert, hieß es. Der Verwalter betonte, ohne einen Investor sei die Lage allerdings aussichtslos gewesen. Die Situation war schon länger angespannt. "Bis heute konnte ich keinen Kontakt zum Geschäftsführer aufbauen, der sich nach meinen Kenntnissen auch überwiegend im Ausland aufhält“, berichtet Herzig.

Hohe Rückstände bei Stromrechnung und Löhnen

Bereits beim Insolvenzantrag hätten erhebliche Zahlungsrückstände vorgelegen, hieß es. Der Stromlieferant habe wegen hoher Rückstände bei der Bezahlung bereits das Abstellen des Stroms beantragt. Es habe Rückstände bei Löhnen und Gehältern gegeben und wichtiger Versicherungsschutz habe gefehlt.

Die Ursache der wirtschaftlichen Schwierigkeiten reichen nach Verwalterangaben bis ins Jahr 2018 zurück. als das Eisenwerk seinen damaligen Hauptkunden verlor. Im Zuge der Corona-Pandemie im Jahr 2020 verlagerte ein weiterer ausländischer Großkunde seine Aufträge.

Firmenhistorie seit 1566 nachweisbar Die Eisenwerk Erzgebirge 1566 GmbH, vormals ES Automobilguss, ist eine traditionsreiche Gießerei, deren Wurzeln bis ins Jahr 1566 zurückverfolgt werden können. Ihre Kunden kommen aus der Automobilindustrie, der Baubranche, der Agrarwirtschaft und der Industrie (Armaturenbau). (Insolvenzverwaltung Schultze & Braun GmbH & Co. KG)

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 27. September 2021 | 17:30 Uhr

3 Kommentare

manni1 vor 2 Wochen

Leider ist das Eingetreten was schon lange befürchtet wurde. Traditionen
zählen nicht und auch die verbliebenen Arbeitsplätze sind auch für die neu gewählten Vertreter uninteressant .Es geht so weiter ,die Großen fressen die Kleinen . So sieht soziale Marktwirtschaft aus.

Euphemismus vor 2 Wochen

Gibt es auch Hinweise, dass steigende Kosten aufgrund von „Energiewende“
Und anderen Projekten eine Rolle spielten oder berichten die berichterstattenden nicht über Kollateralschäden der von ihnen mit Haltung bejubelten?
Wie viel CO2 wird jetzt eigentlich eingespart?
Ach die Nachfrage wird einfach wo anders befriedigt? Schon sehr peinlich.
Wird mehr werden

Euphemismus vor 2 Wochen

Diese Detaillierte Recherche, beeindruckend. Gab es auch Hinweise darauf, dass die höchsten Strompreise der Welt infolge der „Energiewende“ eine Rolle spielte?
Meiner Meinung nach sollte man auch die berichterstattenden in die Freiheit entlassen. Eventuell fördert das die extrem flache Lernkurve der Schlaraffenländler

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