Saunabesuch Aufguss und Entspannung mit Hindernissen in Aue-Bad Schlema

Nach monatelanger coronabedingter Schließung konnten jetzt Freizeiteinrichtungen wie Skilifte, Bäder und Saunen wieder öffnen. Mario Unger-Reißmann hat zum Start den Badebetrieb in Aue-Bad Schlema getestet.

Aufguss in einer Sauna
Bevor ein Aufguss beginnen kann, zählt der Aufgussmeister im Kurbad durch. Maximal 15 Personen dürfen laut Verordnung in Sachsen derzeit gleichzeitig bei einem Aufguss zusammensitzen (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Das Skifahren auf den sonnigen Pisten von Fichtelberg und Klinovec war einmalig. Die beiden höchsten Berge des Erzgebirges lagen bei meiner Ausfahrt über den Wolken. Mehr als 30 Kilometer Abfahrt hat meine Smartwatch gemessen. Jetzt sehnen sich meine brennenden Oberschenkel dringend nach Entspannung.

Auf einem Berg liegt viel Schnee. Man sieht auf Höhe des Berges die Wolkendecke und darüber strahlend blauen Himmel und Sonne, die den Schnee hell bescheint. Ein paar Skilangläufer stehen am Berg und blicken auf die Wolken.
Nach dem anstrengenden, aber wunderschönen Tag auf Skiern will ich mich in der Sauna erholen. Bildrechte: Mario Unger-Reißmann

Einlass nur mit 2G+

Als Schneeberger ist es für mich nur ein Katzensprung bis zum Gesundheitsbad "Actinon" in Aue-Bad Schlema. Die Bade- und Saunalandschaft war unter den ersten in Sachsen, die nach Inkrafttreten der aktuellen Corona-Schutzverordnung wieder geöffnet hatten. Zum Mondscheintarif, der ab 19:30 Uhr gilt, werden die letzten zweieinhalb Stunden bis zur Schließung zu einem günstigeren Preis als tagsüber angeboten.

Das Angebot ist beliebt: Etwa 30 Menschen stehen vor und im Foyer Schlange, in dem es auch eine Teststation für jene gibt, die noch nicht geboostert sind. Einlass gibt es nur mit 2G+.

Kontaktformulare auf Papier, unzureichende Kontrollen

Die Wartezeit überbrücke ich mit dem Ausfüllen des Kontaktformulars – immer noch herkömmlich mit Zettel und Stift, obwohl es mehrere Apps gibt, mit denen ich einfach einen QR-Code einscannen könnte. Aber viele ältere Leute mögen wohl das Digitale nicht so, meint Geschäftsführerin Kathrin Bösecke-Spapens, die ich zwei Tage später zum Interview treffe.

Eingangsbereich eines Freizeitbades mit wartenden Badegästen
An der Kasse werden auch die Impfzertifikate kontrolliert. Bildrechte: MDR/Mario Unger-Reißmann

Von ihr möchte ich vor allem wissen, warum ich beim Einchecken meinen Personalausweis nicht vorzeigen musste. Weder die Adresse auf dem Kontaktformular haben die Frauen am Eingang überprüft, noch ob ich wirklich derjenige bin, der im Impfzertifikat steht, das ich im Handy gespeichert habe.

Der QR-Code wurde auch nicht, wie vorgeschrieben, mit der CovPassCheck-App gescannt. Die Mitarbeiterin wollte nur etwas runter scrollen und sehen, dass ich drei mal geimpft bin und damit 2G+ erfülle. Diese lasche Kontrolle sei eine "absolute Ausnahme"gewesen, beteuert die Geschäftsführerin der Kurgesellschaft Schlema.

Die Mitarbeiter sind angewiesen, sich immer den Personalausweis und das Impfzertifikat zeigen zu lassen.

Kathrin Bösecke-Spapens Geschäftsführerin der Kurgesellschaft Schlema mbH

Die vielen Besucher zu Beginn des Mondscheintarifs hätten zu einer stressigen Situation geführt. Die Pressesprecherin der Stadt Aue-Bad-Schlema, Jana Hecker, hätte bei ihrem Besuch am Tag vorher ihren Ausweis zeigen müssen, versichert diese mir am Telefon.

Strenge Regeln beim gemeinsamen Schwitzen

In der Saunalandschaft angekommen, plausche ich noch kurz mit der Chefin. "Gesundes Neues noch und hoffentlich ein Jahr, in dem Corona endlich mal abebbt", sage ich zu Sylvia. Sie antwortet: "Wie lang werden wir diesmal geöffnet haben? 14 Tage? Naja, wir machen das Beste daraus."

Das machen ihr Team und sie tatsächlich. In der Aufguss-Sauna dürfen derzeit maximal 15 Personen gleichzeitig schwitzen. Fünf Minuten vor 20 Uhr sind schon mehr Plätze belegt. Zwar zählt der Aufgussmeister erst die zwölf Paar Badeschuhe vor der Tür, stellt dann aber fest, dass 18 Frauen und Männer in der Sauna sitzen. Die drei, die zuletzt kamen, müssen die Sauna wieder verlassen. Vorerst - denn sie brauchen nicht wie sonst üblich, bis 21 Uhr warten.

Extra Aufgüsse wegen Personenbeschränkungen

Wegen der begrenzten Kapazität wird eine Viertelstunde später das zweite Mal Sandelholz aufgegossen. Meist sind aktuell extra drei Angestellte gleichzeitig in der Saunalandschaft da, damit jeder Besucher mindestens einmal in den Genuss eines Aufgusses kommt. Ich gehöre zu den elf Gästen, die sich in der zweiten Runde kräftig einheizen lassen.

Wir plaudern erst, dann sprechen wir über Sinn und Unsinn von Begrenzungen in der Sauna. Ein junger Mann sagt: "Die Regierung verspielt ihr Vertrauen auch bei den Geimpften, wenn sie Einrichtungen wie Fitnessstudios oder Bäder und Saunen schließt, obwohl es im Herbst noch anders versprochen war."

Luftaufnahme von einem Freizeitbad mit Baustelle und Kran, dahinter an einem Hang Häuser
Aus der Luft sieht man zwei Baukräne und die Bauarbeiten auf dem Bad-Gelände. Bildrechte: MDR/Mario Unger-Reißmann

Millioneninvestition trotz langer Schließzeit

Insgesamt 361 Tage hatte das Gesundheitsbad während der Corona-Pandemie geschlossen, also fast ein Jahr. Das bedeutet einen Umsatzverlust in Millionenhöhe. Trotzdem hat die Kurgesellschaft Schlema an Umbau und Modernisierung festgehalten.

Mit mehr als 15 Millionen Euro Fördermitteln wird bis 2026 ein neues Außenschwimmbecken gebaut. Die Saunalandschaft bekommt ein neues Ruhehaus mit Blick auf den Kurpark. Zudem entsteht eine Solewelt. Als Entschädigung dafür, dass während der Öffnungszeiten Baumaßnahmen stattfinden, bekommen Besucher am Ausgang eine Stempelkarte und den 11. Eintritt umsonst.

Quelle: MDR (mur, tfr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 20. Januar 2022 | 13:30 Uhr

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