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Vor vielen Rathäusern im Erzgebirge wurden am vergangenen Wochenende und am Montag aus Protest gegen die Schulschließungen Kinderschuhe abgelegt. Bildrechte: Große Kreisstadt Aue - Bad Schlema

Falsch adressiert

Bürgermeister aus dem Erzgebirge senden Elternprotest nach Dresden

Stand: 22. März 2021, 20:21 Uhr

Nach dem sogenannten Stiefel-Protest gegen die Schließung von Schulen in mehreren Landkreisen erhält die Landesregierung in diesen Tagen Post. Nachdem am Wochenende viele Eltern in mehreren Städten des Erzgebirgeskreises Kinderschuhe als Protest gegen die verfügten Schulschließungen vor Rathaustüren platziert hatten, reagierten die Stadtoberhäupter am Montag. Die Bürgermeister mehrerer Städte haben verabredet, einige der Schuhe in Kartons zu packen und zusammen mit Bildern der Aktion als Ausdruck des Protests an die Landesregierung nach Dresden zu schicken. An der Aktion beteiligen sich unter anderem die Städte Aue-Bad Schlema, Limbach-Oberfrohna und Annaberg-Buchholz.

Der Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz, Rolf Schmidt unterstützt die Forderungen teilweise: "Ich habe für meine Person entschieden, dass ich das auf jeden Fall unterstütze. Andere Forderungen würde ich nicht unterstützen." Er sei zum Beispiel nicht der Meinung, das Testen allgemein zu verhindern. "Wir haben uns darauf verständigt, dass wir Päckchen mit den Schuhen packen und die nach Dresden schicken. Und das mit den Forderungen, die auf Plakaten, auf Zetteln an der Tür hingen oder am Haus standen werden wir das auch tun."

Annabergs Oberbürgermeister Rolf Schmidt unterstützt die Forderungen der Eltern teilweise. Bildrechte: MDR/Christine Reißing

Falsche Adresse: Viele Bürgermeister stehen hinter den Eltern

Der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Jesko Vogel, schrieb auf Facebook, dass er vollstes Verständnis für den Unmut der Eltern wegen der Schließung der Schulen und Kindertagesstätten habe. Gleichzeitig bat er darum, von "bösartigen Anrufen" bei der Stadtverwaltung abzusehen. "Die Schuhe und Plakate werden jetzt von Mitarbeitern der Verwaltung eingepackt und heute Abend oder spätestens morgen nach Dresden gebracht."

Der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Jesko Vogel, schickt die Schuhe der Protestaktion an die Landesregierung weiter. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unterstützung aus anderen Landkreisen

Die Stadt Zwickau will den Unmut der Eltern ebenfalls der Landesregierung vortragen. Dies solle bei einer geplanten Videokonferenz geschehen, hieß es. Der Oberbürgermeister von Delitzsch, Manfred Wilde, verglich in einem offenen Brief an Ministerpräsident Michael Kretschmer die Situation mit der von 1989 in der DDR. "Wir sind an einem Punkt angekommen, wo der soziale und gesellschaftliche Zusammenhalt nicht nur gefährdet ist, sondern an einem Scheideweg steht", schrieb er. "Politische Entscheidungen werden unzureichend und widersprüchlich abgestimmt kommuniziert". Er forderte in seinem Schreiben einen Runden Tisch, um eine breite gesellschaftliche Beteiligung für das weitere Vorgehen zu erreichen.

Ministerpräsident Kretschmer: Verständnis, aber keine Zusagen

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer zeigte in einer Facebook-Nachricht Verständnis für den Protest der Familien. "Kinder leiden besonders unter dem Corona-Alltag", schrieb er. Ziel in Sachsen sei es, Schulen und Kindergärten offen zu halten. "Dafür brauchen wir ein sicheres Fundament. Das fehlt gerade."

Steigende Corona-Infektionszahlen würden die Krankenhäuser in den nächsten Wochen an die Leistungsgrenze bringen. "Wir klären mit der nächsten Corona-Schutzverordnung den Weg für die kommenden Wochen." Der liege im regelmäßigen Testen, schrieb Kretschmer weiter. Am Dienstag will das sächsische Kabinett das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie bekannt geben.

der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer verwies auf die nächste Corona-Schutzverordnung. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/dpa/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.03.2021 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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