Kritik an Kretschmer Sächsische Gastronomen und Hoteliers wollen Ostern öffnen und fordern Teststrategie

Leere Tische und Stühle in einem Biergarten am Elbufer
Geht es nach der Dehoga, sollen Ostern wieder Gäste in sächsischen Biergärten bewirtet werden. Bildrechte: dpa

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga will den Beweis antreten, dass Gaststätten und Beherbungsbetriebe keine Infektionsquellen in der Corona-Pandemie darstellen. Dazu soll in einem sogenannten Branchenfeldversuch die Wirksamkeit von Testmaßnahmen für Mitarbeiter und Gäste verfolgt werden, teilte der Verband mit. "Geprüft werden soll unter anderem die Kombination von Coronatests und digitalen Gästeerfassungen bis zur Meldung und Verarbeitung der Daten im Gesundheitsamt." Somit könnten belastbare Fakten und Erfahrungen für die Branchen gesammelt werden, hieß es. Bei einem positiven Verlauf dieses Feldversuches könne dies "eine Basis für weitere Lockerungen bei Einhaltung der erprobten Testmaßnahmen und Hygienekonzepte sein, um wieder ein Stück Normalität zurückzubringen", ist die Dehoga überzeugt. Mit den den versuchen "sollen wertvolle Erkenntnisse erworben und Infizierungen nahezu ausgeschlossen werden".

Als Vorbild könnten die sogenannten Testcenter-Modellregionen Augustusburg und Oberwiesenthal dienen. Dort seien ähnliche Tests in regionalem Rahmen in Vorbereitung - in Oberwiesenthal auf Initiative von Hoteliers, in Augustusburg wolle Bürgermeister Dirk Neubauer den Gastronomen und dem lokalen Handel helfen und mit Teststrategie möglichst früher öffnen lassen, hieß es. Öffnungen zu Ostern seien sachsenweit realistisch.

Dehoga kritisiert Ministerpräsident für dessen "Oster-Absage"

Corona Schnelltest für jedermann
Mit Schnelltests sollen Restaurantbesuche bald wieder möglich werden. Bildrechte: imago images/MedienServiceMüller

Die Dehoga hatte sich empört an Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gewandt, nachdem der CDU-Politiker am vergangenen Wochenende in einem Zeitungsinterview angekündigt hatte, dass Reisen zu Ostern Deutschland wohl nicht möglich seien und Gaststätten und Hotels wohl geschlossen bleiben werden. Axel Klein von der Dehoga Sachsen sagte, solche Aussagen seien spekulativ und kontraproduktiv. Es drücke auf die sowieso schon schlechte Stimmung der Unternehmer und Mitarbeiter der Branche und schrecke Gäste ab.

Das Infektionsschutzgesetz lasse zudem nur Aussagen und Anordnungen für jeweils vier Wochen zu. Bis Ostern waren es aber zum Zeitpunkt von Kretschmers Aussage noch sieben Wochen. Musste sich der CDU-Politiker in der Vergangenheit wiederholt vorwerfen lassen, zu spät gehandelt zu haben, wird er nun für seine frühzeitig mahnenden Worte mit Blick aufs Osterfest vom Hotel- und Gaststättengewerbe kritisiert. Man teile die Einschätzung Kretschmers nicht, so die Kritik.

Kretschmer trifft Dehoga-Spitze

Am Donnerstag hat sich Sachsens Regierungschef mit der Dehoga-Spitze und Unternehmern der Branche getroffen. Laut Dehoga ging es um die noch ausstehende Auszahlung der zugesagten Novemberhilfen, die Öffnungsstrategie für das Gastgewerbe, die Verbesserung der Kommunikation und Information zwischen Politik und Verband sowie die Erhöhung der Chancen durch digitale Nachverfolgung, flächendeckende Schnelltests und eine angemessene Impfstrategie.

Die sinkenden Inzidenzen und der Wunsch der Unternehmer, deren Mitarbeiter und Gäste nach einer Öffnung unter Einhaltung von Regeln, sind eine positive Energie, die es zu nutzen gilt. So glauben wir, dass es wichtig war, auch im Vorfeld der nächsten Kabinettssitzung nicht nur Kritik zu üben, sondern Lösungen aufzuzeigen.

Axel Hüpkes Präsident des Dehoga-Landesverbandes Sachsen

Lage für gut die Hälfte der Unternehmen dramatisch

In der offenen Schublade einer Kasse liegt etwas Kleingeld, die Fächer für die Geldscheine sind leer.
In den Kneipen, Bars, Restaurants, Hotels und Pensionen sind seit Monaten die Kassen leer. 60 Prozent der Unternehmen sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Bildrechte: imago images/Fotostand

Man habe dem Regierungschef die dramatische Lage der Branche nochmals dargelegt und an konkreten Beispielen verdeutlicht. Wie Klein auf Anfrage sagte, schätzen laut Umfrage 60 Prozent der Gastronomen und Hotelier ihre wirtschaftliche Situation aktuell als extistenzgefährdend ein. 30 Prozent der Betriebe verweisen den Angaben zufolge darauf, noch nicht die volle Summe der beantragten Novemberhilfe erhalten zu haben.

Der Ministerpräsident habe seine Unterstützung ausdrücklich zugesagt und ein Gespräch zwischen Dehoga und Sächsischer Aufbaubank in der kommenden Woche vermittelt. Laut Dehoga würde eine zügige Auszahlung der Hilfen vielen Unternehmen zunächst Luft verschaffen.

Der Branchenverband formuliert weiter das Ziel, Ostern wieder Gaststätten und Hotels in Sachsen zu öffnen. Klein will die Branche auch bei Lockerungen unterhalb der 50er-Inzidenz "ins Gespräch bringen". Mit Schnelltests und Hygienekonzepten seien Hotels und Restaurants dann sicher. Wichtig sei die Verfügbarkeit günstiger Schnelltests, so Klein. Unter Regie einer Dresdner PR-Agentin hat die Gastronomie schon seit vergangenem Jahr in vielen Städten Deutschlands mit leeren Stühlen auf die schwierige Lage der Branche hingewiesen.

Quelle: MDR/lam

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Dichtes Schneetreiben sorgte in der Nacht zu Donnerstag erneut für starke Verwehungen rund um den Fichtelberg. Im Frühlingsmonat April liegen auf Sachsens höchstem Berg mehr als 80 Zentimeter Schnee.

08.04.2021 | 10:20 Uhr

Do 08.04.2021 10:03Uhr 00:31 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/video-507366.html

Rechte: Promovie/Oliver Kaufmann

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