Infektionsgeschehen Erzgebirgs-Kommunen mit 7-Tage-Inzidenzen von mehr als 1.000

Der Erzgebirgslandkreis gehört weiterhin mit zur traurigen Spitze bei den Neuinfektionszahlen in Deutschland. Die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis liegt laut Angaben des Landkreises bei 549,9 - nach Berechnungen von MDR SACHSEN auf Grundlage der Meldungen des zuständigen Gesundheitsamtes mit Stand 16.12. sogar bei 629 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Das sind Durchschnittswerte. In einigen Kommunen ist die Inzidenz größer als 1.000, wie aktuelle Zahlen aus dem Sozialministerium zeigen.

Frank Vogel (CDU), Landrat des sächsischen Erzgebirgskreises
Frank Vogel, Landrat des Erzgebirgskreises, will auch weiterhin keine Infektionszahlen der einzelnen Kommunen veröffentlichen. Bildrechte: MDR

Spitzenreiter im Erzgebirgskreis sind Stollberg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner von 1.204, Breitenbrunn mit einer Inzidenz von 1.076 und Lauter-Bernsbach mit einer Inzidenz von 985. In diesen Daten seien allerdings auch Nachläufer von mehreren Tagen dabei, so das Ministerium.

Landrat: Kommunaldaten "nur für den Dienstgebrauch"

Schon lange fordern Bürger, Presse und Verantwortliche den Landkreis dazu auf, die aktuellen Corona-Infektionszahlen auch auf die einzelnen Kommunen heruntergebrochen zu veröffentlichen. Der Erzgebirgskreis ist der einzige Landkreis in Sachsen, der diese Daten nicht zur Verfügung stellt. Am Wochenende wurden die Zahlen erstmals in der "Freien Presse" veröffentlicht. "Ich war sehr überrascht, die Zahlen in der Zeitung zu lesen", sagte Landrat Frank Vogel am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Laut ihm werden die Daten seit dem 3. Dezember unter "hohem Aufwand händisch" erhoben und seien "nur für den Dienstgebrauch" bestimmt.

56 Kommunen mit einem Inzidenzwert höher als 250

"Viele Bürger haben immer wieder nach den Zahlen gefragt, damit sie wissen, wie sich sich in ihren Kommunen verhalten müssen", sagte Vogel. "Ich bin sehr gespannt, wie sich die Fallzahlen jetzt entwickeln." Der Landkreis wolle die Daten der Infektionen in den Kommunen aber weiterhin nicht veröffentlichen. Nur drei Kommunen lägen unter einem Inzidenzwert von 250, 56 Kommunen darüber. Es sei ein diffuses Infektionsgeschehen im gesamten Landkreis. Sozialamtsleiter Frank Reißmann sprach sogar von einer hohen Durchseuchung im Erzgebirge. Die Neuinfektionszahlen haben sich in den vergangenen sechs Wochen mehr als verdoppelt. Zum Beispiel war erst kürzlich bei 3.000 durch den Landkreis veranlassten Tests die Positivrate bei 50 Prozent.

Insgesamt findet der Landrat die Forderungen an ihn und die Verwaltung zu hoch. "Wir können als Verwaltung schreiben, was wir wollen, es muss aber gelebt werden", sagte er. Vogel appellierte an die Bevölkerung, die bestehenden Regeln einzuhalten. Es gebe kaum Möglichkeiten, diese noch zu verschärfen. "Es ist die Aufgabe der Ortspolizeibehörden, die Einhaltung der Regeln auch zu kontrollieren", so Vogel.

Keine Massentests im Erzgebirgskreis geplant

Massentests im Erzgebirgskreis zur Eindämmung des Infektionsgeschehens lehnt der Landrat ab. Sie seien nicht aussagekräftig und nicht praktikabel. "Ein Testteam schafft in einer Stunde vielleicht 100 Tests", so Vogel. "Man bräuchte Voranmeldungen, um große Warteschlangen zu vermeiden." Die zur Verfügung stehenden Schnelltests wolle der Landkreis lieber in Pflegeheimen für Besucher einsetzen.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.12.2020 | 19:00 Uhr

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