Corona-Pandemie Erzgebirgs-Landrat vorzeitig geimpft - Sachsen prüft rechtliche Schritte

Impfung
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Nach der vorzeitigen Impfung des Landrates des Erzgebirgskreises, Frank Vogel (CDU), will Sachsen rechtliche Konsequenzen prüfen. Das kündigte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstag nach der Kabinettssitzung in Dresden an. In Zukunft müsse noch exakter gearbeitet werden, um solche Irritationen zu vermeiden. Es wurde eine Stellungnahme des DRK angefordert, um die Vorgänge zu überprüfen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Vogel bereits eine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten hatte. "Ich habe einen Anruf aus dem Impfzentrum bekommen, dass die Möglichkeit einer Impfung bestände", sagte Vogel am Mittwoch. Nach reiflichem Überlegen habe er das Angebot angenommen.

Versionen von DRK und Landrat gleichen sich an

"Unser aktueller Kenntnisstand ist der, dass tatsächlich ein Anruf aus dem Impfzentrum an den Landrat kam", sagte Kai Kranich, Pressesprecher des DRK Sachsen. Das Angebot der Restimpfdose galt aber nicht ihm, sondern seinen Familienangehörigen, die der Prioritätsgruppe eins angehören. "Der Landrat hat dieses Angebot angenommen und seine Angehörigen dann auch am nächsten Tag zum Impftermin begleitet", so Kranich. Vor Ort sei dann eine weitere Impfdose übrig geblieben und der Landrat habe sich bereit erklärt, diese selbst zu nehmen. "Bevor wir Impfdosen wegschmeißen und der Landrat sich bereit erklärt, sollten wir auch impfen wo es geht", sagte Kranich. Noch am gestrigen Mittwoch erwähnte Vogel weder seine Eltern noch nähere Umstände.

Vogel präzisiert Aussagen von Mittwoch

Am Donnerstagnachmittag äußerte sich Landrat Vogel nochmals zu seiner Impfung: "Aus dem Impfzentrum erhielt ich die Anfrage, ob ich meine nichtmobilen Eltern zur in der Pflegeinrichtung Sosa stattfindenden Verimpfung begleite", so Vogel. "Beim Vor-Orttermin wurde ich dann darauf angesprochen, dass auch eine Verimpfung meiner Person möglich sei." Er habe unter Abwägung seiner beruflichen Tätigkeit, der daraus resultierenden Kontakthäufigkeit und einer chronischen Erkrankung die Impfung angenommen.

Das, was man mir vorwerfen kann, ist, dass ich 'Ja' gesagt habe. Das war ein Fehler, für den ich mich entschuldige.

Köpping: Priorisierung gilt auch für Rest-Impfdosen

Impfdosen sollten auf keinen Fall weggeworfen werden, so Köpping. Aber auch für restliche Dosen gelte eine Priorisierung. Angefragt würden dann in der Regel Krankenhäuser, nahe gelegene Arztpraxen oder Rettungsdienste. In Einzelfällen könne es auch zu Abweichungen bei der Priorisierung kommen, um Impfstoffe nicht wegwerfen zu müssen. Pro Impfzentrum gehe es täglich um eine Menge von höchstens sechs Impfdosen.

Restimpfdosen bleiben regelmäßig übrig

Restimpfdosen werden laut Kranich immer direkt am gleichen Tag verimpft. Dazu gebe es eine Liste von Personen der Priorität eins, die kontaktiert werden, wie zum Beispiel Arztpraxen. Aus der Praxis heraus habe sich ergeben, dass es besser sei, diese Personen schon einen Tag vor einer möglichen Impfung anzurufen. "Wir sagen den Personen, es kann sein, dass eine Impfdose übrig ist, wir wissen es aber nicht sicher", so Kranich. "Wenn sie am nächsten Tag dahin kommen, besteht aber die Möglichkeit einer Impfung." Insgesamt solle in Zukunft noch mehr darauf geachtet werden, dass auch Restimpfstoffe nur an die Prioritätsgruppe eins gehen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kennt laut eigener Aussage keine Details zur Impfung des erzgebirgischen Landrates. "Es ist offensichtlich vor Ort entschieden worden und es ist ein sehr komplexes Thema", sagte er am Donnerstag. Nach seinem Eindruck gehe der Landrat sehr selbstkritisch mit der Situation um.

Quelle: MDR/al/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.02.2021 | 19:00 Uhr

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