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Der Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel, gerät unter Druck. Nachdem bekannt wurde, dass der CDU-Politiker bereits geimpft wurde, obwohl er nicht zur ersten Prioritätskategorie gehört, fordern Vertreter unterschiedlicher Parteien eine lückenlose Aufklärung. Bildrechte: MDR

Corona-Pandemie

Ohne Priorität geimpft: Erzgebirgs-Landrat Vogel unter Druck

Stand: 10. Februar 2021, 18:25 Uhr

Der Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel, hat bereits eine Erstimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Warum Vogel die Impfung erhielt, obwohl er nicht zur ersten Prioritätsgruppe im Impfplan gehört, ist noch unklar. Er habe die Impfung bereits Mitte Januar erhalten, so Vogel.

Landrat verstößt gegen Impfplan-Reihenfolge

"Ich habe einen Anruf aus dem Impfzentrum bekommen, dass die Möglichkeit einer Impfung bestände", sagte Vogel. Nach reiflichem Überlegen habe er das Angebot angenommen. Geimpft wurde er dann durch ein mobiles Impfteam. "Mit der Erkenntnis von heute hätte ich sicher gesagt: 'Das ist falsch.' Aber es ist so geschehen und dazu stehe ich auch." Grund für einen Rücktritt sieht Vogel nicht. Offenbar hat Vogel damit in Kauf genommen, gegen die Reihenfolge des Impfplans des Bundesgesundheitsministeriums zu verstoßen. Der wurde am 18.12.2020 vorgestellt.

Ich bin nicht proaktiv rangegangen und habe gesagt: 'Ich möchte geimpft werden.' Was man mir vorwerfen kann, ist, dass ich 'Ja' gesagt habe.

Frank Vogel | Landrat des Erzgebirgskreises

DRK widerspricht Aussagen des Landrats

Das DRK betreibt in Sachsen die Impfzentren und organisiert die Abläufe. Kai Kranich, Pressesprecher des DRK Sachsen, widerspricht der Darstellung des Landrats.

Wir haben dem Landrat keine Impfung angeboten.

Kai Kranich | Pressesprecher DRK Sachsen im Gespräch mit MDR SACHSEN

"Wir können nach unserem bisherigen Kenntnisstand die Aussage des Landrats nicht bestätigen." Wie es zu der Impfung kam, entziehe sich seiner Kenntnis. Restimpfdosen werden laut Kranich immer direkt am gleichen Tag verimpft. Dazu gebe es eine Liste von Personen der Priorität eins, die kontaktiert werden, wie zum Beispiel Arztpraxen. Politiker stehen nicht auf dieser Liste. "Wir werden den Vorgang weiter untersuchen und mit allen Beteiligten sprechen, um es aufzuklären", sagte Kranich.

Politiker fordern Aufklärung

Diese lückenlose Aufklärung fordern auch Vertreter unterschiedlicher Parteien, darunter die Vorsitzende der SPD Erzgebirge, Simone Lang und die Kreisvorsitzende der FDP Erzgebirge, Ulrike Harzer. "Der Landrat wird sich der offenen Kritik stellen müssen", so Lang.

Ich bin gespannt, wie er sein Handeln denen erklärt, die beispielsweise in Alten- und Pflegeeinrichtungen sehnlichst auf ihre Impfung warten.

Simone Lang | SPD Erzgebirge

Auch Frank Richter, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, hat sich zu dem Vorgang geäußert. "Ich bin enttäuscht und erschüttert. Dass sich der Landrat des Erzgebirgskreises Frank Vogel vorfristig gegen Corona impfen ließ, bevor er an der Reihe war, ist unanständig", so Richter.

Es schadet seinem Ansehen und bringt unsere Demokratie in Verruf.

Frank Richter | Kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.02.2021 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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