Corona-Aerosole im Klassenzimmer Luftreiniger in Schulen - Hat sich das Modellprojekt im Erzgebirgskreis bewährt?

Der Erzgebirgskreis hat seit Anfang des Jahres zahlreiche Schulen mit Luftreinigern ausgestattet. MDR SACHSEN-Nutzerin Claudia K. wollte wissen, ob sich das Modell im Kampf gegen die Corona-Pandemie bewährt hat. Wir haben beim Erzgebirgskreis und einem Professor für Simulation energetischer und technischer Systeme nachgefragt.

Die Schulen in Aue-Bad Schlema werden in dieser Woche mit mobilen Luftreinigern ausgestattet. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, erhalten vorwiegend alle Auer Grundschulen und die Oberschule die Geräte. Die Bad Schlemaer Schiller-Schule mit Grund- und privater Oberschule erhält vorerst keine, da diese Schule über eine zentrale Belüftungsanlage verfügt. Die Stadtverwaltung erhofft sich von den Luftreinigern bessere Lernbedingungen und ein geringeres Infektionsrisiko.

Der Erzgebirgskreis hatte für Schulen in eigener Trägerschaft bereits in den letzten Monaten jeweils zwei bis drei mobile Luftreinigungsgeräte für fast alle Gymnasien, Berufliche Schulzentren und vier Förderschulen angeschafft. Insgesamt seien es 66 Geräte. Für das Gymnasium Olbernhau wurden aufgrund der Lärmbelästigungen in Klassenräumen an einer vielbefahrenen Straße, die das Lüften erschweren, 18 Geräte zur Verfügung gestellt, so der Erzgebirgskreis. Insgesamt hat der Erzgebirgskreis dafür rund 250.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Umweltbundesamt empfiehlt weiter Fensterlüftung

Weitere Anschaffungen sind von Seiten des Erzgebirgskreises aber nicht geplant. Grund dafür sei laut Angaben des Erzgebirgskreises eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes: "Mobile Luftreinigungsgeräte versprechen, virushaltige Partikel in Innenräumen zu reduzieren", heißt es dort. "Ob die Minderungen ausreichen, eine Infektionsgefahr in dicht belegten Klassenräumen abzuwenden, ist nach jetzigem Wissensstand unsicher." Da die Geräte weder CO2 noch Wasserdampf aus der Raumluft entfernen, empfiehlt das Umweltbundesamt weiter die Fensterlüftung als prioritäre Maßnahme.

Grundlage für die Anschaffung der Luftreiniger waren für den Erzgebirgskreis laut eigenen Angaben Studien und Herstellerangaben mit Zertifikaten. "Es werden alle Partikel, Bakterien und Viren größer als 0,1 Mikrometer herausgefiltert", verspricht Andreas Görg von der Herstellerfirma Benchalist, die Luftreiniger an den Erzgebirgskreis geliefert hat. Dadurch sinke die Infektionsgefahr auf ein Minimum. "Uns ist noch kein Fall bekannt geworden, wo eine Corona-Ansteckung in einem Raum, wo unsere Geräte platziert sind, stattgefunden hat", so Görg. Allerdings empfiehlt auch er zusätzliches Lüften. "Die Geräte filtern nur heraus, aber produzieren keinen Sauerstoff", sagt Görg. "Im Prinzip wird genauso gelüftet wie vor der Pandemie."

Simulationsmodell der HTWK Leipzig zum Infektionsrisiko in Innenräumen

Lüften ist auch für Stephan Schönfelder, Professor für Simulation energetischer und technischer Systeme an der HTWK Leipzig, unerlässlich. Er hat mit einer Arbeitsgruppe ein neues Simulationsmodell zur konkreten Virusbelastung pro Person entwickelt. "Unsere Simulation bezieht sich auf einen Seminarraum, der 80 Quadratmeter groß ist sowie 15 Schüler plus einen Lehrer innerhalb des Raums", sagt er. Die Simulation zeige, was passiert, wenn der Lehrende infiziert ist. "Wenn nicht gelüftet wird, ist nach 30 Minuten die erste Person gefährdet, sich zu infizieren", so Schönfelder. Nach 90 Minuten seien alle Personen im Raum gefährdet.

Luftfilter sind in dieser Simulation noch nicht eingerechnet. "Aus strömungstechnischer Sicht ist die Frage: Wo stelle ich den Luftfilter am besten hin?", erklärt Schönfelder. Auch wenn das Gerät perfekt funktioniere, könne sich eine ungünstige Position im Raum negativ auswirken. "Die prinzipielle Empfehlung ist, das Gerät in der Mitte des Raums zu positionieren", sagt Schönfelder. Dinge wie Bestuhlung oder auch die Geräuschentwicklung können aber dafür sorgen, dass das Gerät einen anderen Standort braucht. Dieser müsse konkret für einzelne Räume bestimmt werden.

Wir müssen die Luftfilter so einsetzen, dass sie ihren maximalen Nutzen entfalten.

Stephan Schönfelder Professor für Simulation energetischer und technischer Systeme an der HTWK Leipzig

Insgesamt braucht es laut Schönfelder eine Kombination von verschiedenen Maßnahmen. "Luftreiniger können dabei ein gutes Puzzleteil sein", sagt er. Auch CO2-Ampeln sieht er als gute Hilfestellung, um regelmäßiges Lüften zu gewährleisten. "Die Maßnahmen funktionieren für einen maximalen Infektionsschutz nur in der Summe und nie allein", so Schönfelder.

Positive Rückmeldungen aus Schulen im Erzgebirgskreis

Die Rückmeldungen von den Schulleitungen, an deren Schulen Luftreiniger eingesetzt werden, an den Erzgebirgskreis waren bisher durchweg positiv. "Die Meldungen bezogen sich hauptsächlich darauf, dass die Geräuschbelästigung durch den Betrieb dieser Geräte gering ist und der Unterricht nicht beeinträchtigt wird", so der Erzgebirgskreis. Eine Wirksamkeit in Hinblick auf den Infektionsschutz könne von den Schulen nicht eingeschätzt werden. Auch dem Erzgebirgskreis liegen nach eigenen Angaben dazu keine Informationen vor.

Der Hersteller Benchalist gibt an, die Rückmeldungen der jeweiligen Einrichtungen intensiv zu verfolgen. "Aufgrund der bisherigen Schulschließungen war ein Monitoring noch nicht möglich", so Andreas Görg. "Das wird sich aber demnächst ändern und wir werden entsprechend an die Einrichtungen herantreten."

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.04.2021 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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