Corona-Lockerungen Oberwiesenthal startet "Covid-Ex"-Modellprojekt - lohnt das noch?

Von ursprünglich 70 Unternehmen sind bei dem Modellprojekt "Covid-Ex" in Oberwiesenthal zum Start nur noch eine Handvoll geblieben. Trotz allem wollen die Macher die monatelange harte Arbeit nicht aufgeben. Wie groß ist der Aufwand für die Gastronomen und lohnt es sich überhaupt, angesichts sinkender Fallzahlen?

Vor einem Corona-Schnelltestzenrtum stehen zahlreiche Menschen. Es handelt sich dabei um Personal aus dem Testzentrum sowie mehrere Gastronomen, die sich an einem Corona-Modellprojekt in Oberwiesenthal beteiligen.
Dieser "harte Kern" der Gastronomen und Unternehmer aus Oberwiesenthal hält am Modellprojekt "Covid-Ex" fest. Zum Projekt gehört auch ein eigenes Corona-Testzentrum. Bildrechte: MDR/Ronny Küttner

Das Modellprojekt "Covid-Ex" in Oberwiesenthal ist nach monatelangen Vorbereitungen und Planungen am Dienstag gestartet. Von den ursprünglich 70 teilnehmenden Unternehmen sind allerdings nur noch eine Handvoll übriggeblieben. "Die Rieseneuphorie ist natürlich nicht mehr da", sagt Erik Schulze, Vereinsvorsitzender von "Covid-Ex".

Grund für die Absprünge seien Lockerungen in der neuen Corona-Schutzverordnung, die ursprünglich im Modellprojekt abgedeckt waren. So dürfen im Erzgebirgskreis bereits Außengastronomie und Ferienwohnungen wieder öffnen. Innengastronomie und Hotels kommen über das Modellprojekt dazu. Trotzdem sind viele große Hotels nicht mehr im Projekt dabei.

Zwei Männer mit Masken vor dem Gesicht und Smartphones in der Hand stehen vor einer Holzhütte. Es sind Philipp Heinrich (rechts, Inhaber der Gaststätte Prijut 12) und Erik Schulze( links, Vorsitzender des Vereins "Covid-Ex").
Der Vereinsvorsitzende von "Covid-Ex", Erik Schulze (rechts), und der Gastronom Philipp Heinrich von der Gaststätte Prijut 12. Bildrechte: MDR/Ronny Küttner

Vorlaufzeit für große Hotels zu kurz

"Das liegt daran, dass die großen Häuser zehn bis 14 Tage Vorlauf für die Öffnung brauchen", sagt Schulze. Dafür sei der Startschuss für das Modellprojekt zu kurzfristig gefallen. Außerdem sollen zum 14. Juni in einer neuen Corona-Schutzverordnung Öffnungsperspektiven für den Tourismus definiert werden. "Deswegen bereiten sich jetzt viele auf diesen Termin vor", so Schulze.

Ein Hotel mit Türmchen, vor dem Fahnen wehen, steht an einem Platz mit Postmeilensäule.
Einige Hotels in Oberwiesenthal öffnen nicht im Rahmen des Modellprojektes, sondern mit der neuen Corona-Schutzverordnung am 14. Juni. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Trotzdem ist das Modellprojekt gestartet. Die sechs Monate harte Arbeit an dem Projekt habe man nicht wegwerfen wollen. "Und die App-Technik nutzen auch alle Unternehmen in Oberwiesenthal, die bisher an dem Projekt beteiligt waren", so Schulze. Bei einem Besuch im Testzentrum in Oberwiesenthal wird das negative Testergebnis automatisch als eine Art digitale Eintrittskarte für die Oberwiesenthaler Unternehmen in der App hinterlegt. Diese gilt 24 Stunden lang für alle Angebote.

Unternehmer sind enger zusammengerückt

Während in der Außengastronomie und in den Ferienwohnungen Geimpfte und Genesene ohne Test einkehren dürfen, ist der negative Corona-Test im Modellprojekt Pflicht. "Das Projekt ist mit diesen Auflagen genehmigt worden und das können wir natürlich nicht mehr ändern", sagt Schulze. Auch die wissenschaftliche Begleitung sei weiterhin ein Teil des Projekts, auch wenn es zu Überschneidungen mit den anderen Öffnungen und dem wieder stattfinden Grenzverkehr kommen könne.

Insgesamt zieht Erik Schulze schon jetzt ein positives Fazit der gemeinsamen Anstrengungen. "Durch die Arbeit am Modellprojekt sind wir Unternehmer am Fichtelberg enger zusammengerückt", sagt er. "Daraus können auch zukünftige gemeinsame Aktionen entstehen."

Das sagt das sächsische Tourismusministerium: Die Modellprojekte sind beziehungsweise waren wichtig, um beispielsweise Erkenntnisse zu gewinnen, ob auch in Zeiten sehr hoher Inzidenzen unter bestimmten Voraussetzungen Öffnungen von bisher geschlossenen Einrichtungen möglich scheinen, ohne das Infektionsgeschehen in die Höhe zu treiben. Die Ergebnisse fließen fortlaufend in die Überarbeitung der Corona-Schutzverordnung ein.

Andererseits müssen die Modellprojekte auch immer wieder an die neuen Vorgaben der Corona-Schutzverordnung angepasst werden. Daher haben sich auch die Schwerpunkte verändert, zunächst von Hotels und Gastronomie zu nunmehr verstärkt Veranstaltungen.

Insgesamt sind bisher 21 Anträge eingegangen. Die Fachkommission erteilte ihr Einvernehmen (teilweise mit Auflagen) für die Modellprojekte Oberwiesenthal, Augustusburg, jeweils zwei Projekte in Dresden und Leipzig und jeweils eins in Freiberg und Stollberg. Die endgültige Genehmigung erteilen der Landkreis oder die Kreisfreie Stadt.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 31. Mai 2021 | 16:30 Uhr

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