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Bis zu 1.000 Menschen zogen durch Aue. Bildrechte: MDR/Niko Mutschmann

Versammlungsauflagen missachtet

Corona-Protestzug durch Aue trotz Polizeiverbot

Stand: 21. März 2021, 15:16 Uhr

In Aue-Bad Schlema haben am Sonnabend bis zu 1.000 Menschen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Sachsen und Deutschland protestiert. Wie die Polizei mitteilte, hatten sich am späten Nachmittag im Bereich des Marktplatzes von Aue rund 850 Menschen zu einer Versammlung eingefunden, die nur für 350 Teilnehmer angemeldet worden war. Aufgerufen hatte die Gruppe "Freie Sachsen", eine Partei unter dem Vorsitz des Rechtsextremisten Martin Kohlmann.

Kein Abstand, keine Masken

Die Versammlungsteilnehmer widersetzten sich den Polizeianordnungen. Es blieb aber fast durchweg friedlich. Bildrechte: MDR/Niko Mutschmann

Nach Polizeiangaben hielten die Menschen trotz mehrfacher Aufforderung die Abstandsregeln nicht ein und trugen größtenteils weiter keinen Mund-Nasen-Schutz. Deshalb lösten die Beamten die Versammlung wenige Minuten nach dem Beginn auf. Die Teilnehmer seien dennoch vor Ort geblieben und schließlich gemeinsam durch die Innenstadt gezogen. Dabei schlossen sich den Angaben zufolge weitere Menschen an. Später sei ein Teil der Menge trotz Ansagen der Einsatzkräfte erneut durch die Stadt gelaufen. Erst nach gut zwei Stunden hätten die Menschen den nicht genehmigten Aufzug beendet und sich allmählich in der Innenstadt zerstreut, so die Polizei, die mit 165 Beamten vor Ort war.

Polizei ermittelt gegen Teilnehmer

Dem abschließenden Lagebericht zufolge wurden gegen den Leiter der ursprünglichen Versammlung und einen 19-Jährigen wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und die Sächsische Corona-Schutzverordnung Ermittlungen eingeleitet. Ermittelt wird demnach auch gegen einen 15-Jährigen und eine noch unbekannte Person, die Polizisten tätlich angegriffen haben sollen. Die Behörde kündigte zudem an, Videoaufnahmen des Geschehens in Aue auszuwerten, um weitere Personen zu identifizieren und gegen sie ermitteln zu können.

Politische Reaktionen

Mehrere Politiker übten Kritik an dem Polizeieinsatz in Aue-Bad Schlema. Der Innenexperte der Grünen im Sächsischen Landtag, Valentin Lippmann, äußerte im MDR SACHSENSPIEGEL sein Unverständnis darüber, dass die Versammlung zwar aufgelöst, die Auflösung aber nicht durchgesetzt wurde. Damit sei die Anordnung reine Makulatur.

SPD-Innenausschuss-Mitglied Albrecht Pallas bemängelte, dass offenbar zu wenig Einsatzkräfte vor Ort waren, um die Lage in den Griff zu bekommen. Die müsse von vornherein davon ausgehen, dass bei solchen Querdenkenversammlungen gefährliche Handlungen schnell unterbunden werden müssten - und sich personell entsprechend aufstellen.

Kritik ganz anderer Art übte Stefan Hartung, NPD-Stadtrat in Aue-Bad Schlema, der bei der Versammlung aufgetreten war. Er bezeichnete die gut hüfthohe Absperrung um den Versammlungsort als Käfig und fühlte sich "eingezäunt mit Gittern". Die Absperrung war aufgestellt worden, um die zulässige Teilnehmerzahl einzuhalten und zu kontrollieren. Das hielt einige Leute jedoch nicht davon ab, einfach darüberzuklettern.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.03.2021 | 07:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 21.03.2021 | 19:00 Uhr

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