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Auch vor dem Rathaus in Aue-Bad Schlema haben Eltern am Sonnabend Kinderschuhe abgestellt, um gegen die Schulschließungen zu protestieren. Bildrechte: Große Kreisstadt Aue - Bad Schlema

Schulschließungen

Bürgermeister aus dem Erzgebirge wollen Elternprotest nach Dresden tragen

von MDR SACHSEN

Stand: 21. März 2021, 17:26 Uhr

Nach Protestaktionen gegen die Schulschließungen in vielen erzgebirgischen Städten wollen die Bürgermeister die Proteste nun nach Dresden tragen. Am Montag wollen sich die Bürgermeister der erzgebirgischen Städte abstimmen, wann und in welcher Form sie die Schuhe und Botschaften zum Kultusministerium bringen, sagte Ingo Seifert, Bürgermeister von Schneeberg, MDR SACHSEN.

André Heinrich, Oberbürgermeister von Marienberg, hatte bereits am Sonnabend einen Zettel an die Rathaustür gehängt, auf dem er seine Unterstützung der Proteste ausdrückte. Darin heißt es unter anderem: "Liebe Eltern und Familien, euer Oberbürgermeister unterstützt diese Aktion ausdrücklich!" Zum anderen kündigte er an, "die abgestellten Schuhe und Meinungsäußerungen in der nächste Woche nach Dresden zur Staatsregierung zu senden". Nun soll es Seifert zufolge eine gemeinschaftliche Aktion aller Bürgermeister aus der Region werden.

Seifert: Bürger wütend und erschöpft

Ingo Seifert, Bürgermeister von Schneeberg, steht hinter den protestierenden Eltern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ingo Seifert steht hinter den protestierenden Eltern. "Ich finde, man hätte die Schulen bis zu den Osterferien offen lassen können", sagt er. "Um sich dann in den Ferien neu aufzustellen und ein Konzept zu entwickeln." Er könne den Unmut sehr gut verstehen. "Die Schulen waren gut vorbereitet", so Seifert. "Und durch das Wechselmodell haben es jetzt einige Schüler gar nicht in die Schule geschafft." Die Bürger und Bürgerinnen seien wütend und erschöpft.

"Durch die Kita-Schließungen stehen viele auch vor einem Betreuungsproblem", so Seifert. "Baumärkte und Friseure bleiben ja zum Beispiel offen, stehen aber nicht auf der Liste der systemrelevanten Berufe."

Kommunen hatten gegen Schulschließungen plädiert

Der Oberbürgermeister von Aue-Bad Schlema, Heinrich Kohl, kann den Unmut ebenfalls verstehen. "Ja, es ist ermüdend und das ständige Rein in die Kartoffeln und Raus aus den Kartoffeln hinterlässt bei den Kindergärtner/innen und Hortnern/innen sehr gemischte Gefühle", schreibt er in einer Pressemitteilung. Gleichzeitig betont er aber auch, dass die Kommunen die falschen Ansprechpartner seien.

"Die Stadt Aue-Bad Schlema und auch die anderen Kommunen des Städtebundes Silberberg und des Erzgebirgskreises haben am Mittwoch mit dem Ministerpräsidenten in einer ernsthaften, direkten Gesprächsrunde für ein Offenbleiben der Schulen und Kitas bis zum Beginn der Osterferien mehrheitlich plädiert", so Kohl. Die Entscheidungen träfe aber der Freistaat.

Eltern protestieren sachsenweit gegen Schulschließungen

In vielen Städten und Dörfern im Erzgebirge haben Eltern am Sonnabend Schuhe vor die Rathaustüren gestellt. Bildrechte: NonStopNews
Sie wollen damit ihren Unmut über die Schulschließungen kundtun. Bildrechte: NonStopNews
In Thalheim kamen eine Menge Schuhe zusammen. Bildrechte: NonStopNews
Genauso wie vor der Grundschule in Wermsdorf. Bildrechte: Michael Gehring
Neben Schuhen wurden auch viele Botschaften vor die Rathäuser gelegt, wie hier in Schneeberg. Bildrechte: Niko Mutschmann
Viele Eltern beklagen, dass die Kinder durch die aktuellen Maßnahmen traumatisiert würden. Bildrechte: Niko Mutschmann
Einigen Handschriften nach zu urteilen, haben teilweise auch Kinder Botschaften verfasst. Bildrechte: Niko Mutschmann
In Aue forderten Eltern und Kinder einen freien Zugang zu Schulen, Kitas und Horten für alle. Bildrechte: Niko Mutschmann
Auch vor dem Rathaus in Wilkau-Haßlau wurden Schuhe und Botschaften aufgestellt Bildrechte: Mario Unger
Auch die Treppenstufen zum Rathaus stehen voll mit Schuhen. Bildrechte: Mario Unger
Auch am Sonntag haben Eltern gegen die Schulschließungen protestiert. So wie hier in Meißen. Bildrechte: Tino Plunert
Vor dem Rathaus sind auch hier eine Vielzahl an Schuhen und Botschaften abgestellt worden. Bildrechte: Tino Plunert
Bis zu 100 Eltern versammelten sich auf dem Markt in Meißen. Nach Reporterangaben sind weder Mindestabstände eingehalten noch Mund-Nasen-Schutze getragen worden. Bildrechte: Tino Plunert

Sachsenweit fordern Eltern Öffnung der Schulen

Am Sonnabend hatten Eltern Kinderschuhe mit Botschaften vor die Rathäuser gestellt, unter anderem auch in Schneeberg, Thalheim, Aue-Bad Schlema und in Marienberg. Die Botschaften lauten zum Beispiel "Gemeinsam gegen einsam", "Alle Kinder sind systemrelevant" und "Kinder brauchen Kinder". Auch in anderen Landkreisen beteiligten sich Eltern an der Aktion, so zum Beispiel in Zwickau, Großenhain, Coswig und Meißen.

Ich stelle mich voll und ganz auf die Seite der Eltern, die Schul- und Kita-Öffnungen fordern. Wir haben in Coswig kaum Betroffenheit in den Schulen und Kitas, sodass ich bei regelmäßiger Testung für eine Öffnung plädiert habe.

Thomas Schubert | Oberbürgermeister von Coswig

Der Aufruf, Schuhe vor die Rathäuser zu stellen, war vorab in den sozialen Medien geteilt worden. Wer ursprünglich hinter dieser Idee steht, ist nicht bekannt. Die zuständigen Polizeidirektionen gaben auf Nachfrage an, dass keinerlei Auffälligkeiten oder Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung im Zuge der Protestaktionen bekannt seien.

Lehrerverband fordert mehr Gesundheitsschutz und Planungssicherheit

Während die Eltern für eine Öffnung der Schulen protestieren, fordert der Sächsische Lehrerverband mehr Sicherheit an den Schulen. Er erklärte in einem Brief, die Schulen würden geöffnet, ohne die Mindestvoraussetzungen dafür zu schaffen. Der Lehrerverband fordert unter anderem auch eine bessere Planungssicherheit. Dabei geht es vor allem um eine Vorlaufzeit für Schulen zur Umsetzung beschlossener Maßnahmen.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSENSPIEGEL | 20.03.2021 | 19:00 Uhr

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