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Erzgebirgische Kunsthandwerker fordern Hilfe von der Politik

Stand: 02. Januar 2021, 09:00 Uhr

Abgesagte Weihnachtsmärkte und ausbleibende Touristen machen den Kunsthandwerkern im Erzgebirge zu schaffen. Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und der Fachhandel schwächelt. Dennoch hat bislang kein Spielzeugmacher aufgegeben.

Abgesagte Weihnachtsmärkte und ausbleibende Touristen machen auch den Männelmachern im Erzgebirge zu schaffen. Sie fordern Hilfe von der Politik. Bildrechte: imago images/biky

Nach einem komplett ausgefallenen Ostergeschäft 2020 und Umsatzeinbußen im Weihnachtsgeschäft in den vergangenen Monaten fordert der Verband erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeugmacher mehr Hilfe von der Politik. Geschäftsführer Frederic Günther sagte MDR SACHSEN, die Handwerksbetriebe müssten insbesondere von der sogenannten November- und Dezemberhilfe profitieren. Das sei bisher nicht der Fall, da die Fachgeschäfte und die Läden der Handwerker theoretisch öffnen durften. In der Praxis seien jedoch durch Reiseverbote die Kunden ausgeblieben. Ein verstärkter Onlinehandel habe die Umsatzeinbußen nicht ausgleichen können. Bei staatlichen Soforthilfen falle die Branche derzeit dennoch weitestgehend durchs Raster.

Viele Handwerker hätten gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Verbandschef Günther, der selbst aus einem Spielzeugmacherbetrieb in Seiffen stammt, befürchtet nun, dass sich Fachkräfte nach anderen Jobs umsehen und der Branche verloren gehen könnten. Rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt die Branche nach Verbandsangaben.

Fachhandel leidet besonders unter Schließung

Verbandschef Frederic Günther ist in einem Handwerksbetrieb in Seiffen aufgewachsen und hat jahrelang selbst auf Weihnachtsmärkten in Dresden und Zürich erzgebirgische Volkskunst verkauft. Bildrechte: Lars Müller

Mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz generieren die Männelmacher und der Fachhandel mit erzgebirgischer Volkskunst im Jahresdurchschnitt, sagt Günther. Allein rund 200 Verkaufsbuden auf sächsischen Weihnachtsmärkten kämen üblicherweise auf etwa sechs Millionen Euro Umsatz. Ein Großteil davon ist in diesem Jahr wegen abgesagter Weihnachtsmärkte weggebrochen. Lediglich wenige Buden, etwa in Chemnitz, Freiberg und Leipzig, hätten erzgebirgische Volkskunst anbieten dürfen.

Sorgen bereitet Frederic Günther der Fachhandel für Volkskunst. Geschäfte in Metropolen wie Berlin, München oder Frankfurt am Main meldeten Umsatzrückgänge von bis zu 70 Prozent. Dort kauften überwiegend ausländische Touristen Nussknacker, Bergmänner und Engel aus dem Erzgebirge, hieß es. Der Branchenriese Käthe Wohlfahrt aus Franken, der sehr viel Erzgebirgskunst weltweit vertrieben hat, musste Insolvenz in Eigenverantwortung anmelden, so Günther.

Bislang gibt kein Männelmacher auf

Zwei gute Nachrichten hat der Verbandschef aber auch: Nach seiner Kenntnis hat bisher kein erzgebirgischer Spielzeugmacher oder Kunsthandwerker wegen der Corona-Pandemie aufgegeben. Und auch die wichtigsten Auslandsmärkte USA und Japan seien im Corona-Jahr nicht weggebrochen.

Wie hoch aber die Verluste der Branche ausfallen, ließe sich frühestens Ende Januar beziffern, sagte Günther. Er geht davon aus, dass sich die Pandemie zumindest auch noch auf das Ostergeschäft 2021 auswirken wird. Einen Preisverfall echter Handwerkskunst aus dem Erzgebirge erwartet Frederic Günther aber nicht: "Das wäre der total verkehrte Weg."

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.12.2020 | 15:00 Uhr in den Nachrichten

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