Tagung in Annaberg-Buchholz Gästeführer wollen im Kulturland Sachsen mehr Beachtung

Corona hat nicht nur dafür gesorgt, dass weniger Gäste nach Annaberg-Buchholz kommen konnten. Auch der 5. Sächsische Gästeführertag musste verschoben werden. Am Sonntag wurde das Treffen nachgeholt.

Ein Stadtführer in historischem Kostüm steht mit einer Gästegruppe neben einem Adam-Ries-Denkmal.
Ein Muss für Besucher der Bergstadt: Adam Ries und das zugehörige Museum, zumal, wenn es vom Rechenmeister persönlich präsentiert wird. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Mit einjähriger Corona-bedingter Verspätung hat am Sonntag der 5. Sächsische Gästeführertag begonnen. Bei der zweitägigen Veranstaltung, zu der etwa 60 Gäste aus ganz Sachsen kommen, zeigt sich die ganze Schwierigkeit der Tourismusbranche, sagt Kristin Baden-Walther, die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Stadt- und Gästeführer Annaberg-Buchholz. Sie sei durch Corona aus dem Tritt gekommen. "Auch wir hier haben seit anderthalb Jahren keine Möglichkeit zum Austausch gehabt. Die Gästeführer wollen sich treffen, müssen sich austauschen und wollen sich auch weiterbilden." Das sei ein ganz wichtiges Qualitätskriterium des Berufsstandes.

Wenn Gästeführer Gästeführer führen

Gleich zum Beginn des zweitägigen Treffens führte Adam Ries, der mit bürgerlichem Namen Klaus-Peter Herschel heißt, eine Gruppe von Gästeführerinnen zu den schönsten und wichtigsten Ecken von Annaberg. Der Weg führte sie zum Barbara-Uthmann-Brunnen, zum Standort der ehemaligen Münze, zur Bergkirche St. Marien, natürlich zum Adam-Ries-Museum und zur St. Annenkirche. Ein kleiner Überblick, denn Annaberg hat noch viele weitere wichtige Sehenswürdigkeiten, sagt Ries. Als langjähriger Gästeführer konnte Ries seinen Gästen, die aus Meißen, Chemnitz und Dresden in die Bergstadt gekommen waren, unterhaltsam einen kleinen Einblick in die mehr als 500-Jährige Geschichte der Stadt geben. Er erzählte "unter Fachleuten" auch ein paar Anekdoten und historische Verwechslungen. So sei schon erzählt worden, dass Barbara Uthmann, der zweiten bedeutenden Tochter der Stadt, Kinder von Adam Ries gehabt habe. Das sei aber historisch keinesfalls belegt, lacht Ries. Er habe über sein Interesse an Geschichte zu der "Berufung" als Gästeführer gefunden. "Man muss natürlich die historischen Fakten, die Personen, die Gebäude, eigentlich die ganze Stadt mit Leben füllen. Dann haben die Gäste etwas von meiner Arbeit."

Entweder man hat das Virus, oder man hat es nicht. Ich habe es einfach.

Klaus-Peter Herschel Gästeführer in Annberg-Buchholz

In einer Gruppe Menschen lacht ein Stadtführer in historischem Kostüm. Dahinter in der Ferne der Turm der St. Annenkirche Annaberg-Buchholz.
Mehr als nur historische Fakten: Auch Anekdoten gehören zu einer lebendigen Stadtführung, wie sie Adam Ries anbietet. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Gäste erfahren Neues auch für die eigene Arbeit

Nach zwei Stunden ist die Stadtführung vorbei. Seine Gäste, die schon unterwegs viel mitgeschrieben und nachgefragt haben, sind zufrieden. Auch Walfriede Hartmann, Gästeführerin aus Meißen: "Ich habe mich köstlich und kompetent unterhalten gefühlt." Außerdem habe das Silber des Erzgebirges ja auch die Residenzen der Wettiner finanziert. "Wie heißt es doch: 'Alles kommt vom Berge her...'. Das ist auch für Meißen interessant." Auch Christina Günther aus Chemnitz, für die eine solche Führung "beinahe ein Heimspiel" ist, zeigt sich zufrieden. "Ich bin auch Gästeführerin auf Schloss Augustusburg und als Reiseleiterin auf Touren durch das Erzgebirge unterwegs. Da kannte ich zwar schon viele Fakten, andere waren mir neu." Der Austausch in Annaberg-Buchholz bedeute auch, dass man sein Wissen wieder auffrischen könne, sagt Günther.

Christina Günther, eine Frau mit Brille und nach hinten gebundenen langen Haaren.
Gästeführerin Christina Günther ist zufrieden mit dem Erfahrungsaustausch in Annaberg-Buchholz. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Nicht alles eitel Sonnenschein bei den Gästeführern

Am Nachmittag standen beim Sächsischen Gästeführertag Vorträge und Diskussionen auf dem Programm. Ein Thema, dass viele Tagungsteilnehmer betrifft, ist die wirtschaftlich unsichere Situation der Branche, sagt Kristin Baden-Walther. "Die Gästeführer, die freiberuflich tätig sind, Reisebegleitung anbieten oder in Städten und Museen als Honorarkräfte tätig sind, hatten genau solche Einbrüche bei ihrem Einkommen wie die anderen touristischen Leistungsträger." In Sachsen gebe es keinen Dachverband und keine Körperschaft, die bei den Dachverbänden für die Gästeführer sprechen könne. "Das muss jetzt endlich auf die Tagesordnung."

Wir brauchen Fürsprecher für diesen Berufsstand, der für Sachsen als Kulturland sehr sehr wichtig ist. Wir müssen uns dazu positionieren, wie wir das erreichen können.

Kristin Baden-Walther IG Stadt- und Gästeführer Annaberg-Buchholz

Auf dem Markt von Annaberg-Buchholz steht ein Stadtführer in historischem Kostüm mit Gästen vor einem Brunnen mit lebensgoßer Brunnenfigur.
Gästeführer haben in Sachsen zur Zeit keine Interessenvertretung, die sich für ihre Belange stark macht. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten aus dem Regionalstudio Chemnitz | 01. November 2021 | 05:30 Uhr

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