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Handschuhmacher Rico Wappler aus dem Erzgebirge fertigt mit Leidenschaft Lederhandschuhe für jedermann. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

HandwerkstraditionWie ein Handschuhmacher aus Hundshübel Heizhandschuhe fertigt

04. Februar 2024, 16:54 Uhr

Immer wenn der Winter knackig kalt ist, hat Handschuhmacher Rico Wappler in Hundshübel im Erzgebirge alle Hände voll zu tun. Er fertigt Lederhandschuhe für Modebewusste, Arbeitshandschuhe und auch orthopädische Handschuhe für Behinderte. Zum Beispiel auch wenn man durch Krankheit oder Unfall Finger verloren hat oder auch bei Durchblutungsstörungen.

Die Werkstatt riecht nach Leder. Eine Nähmaschine rattert. Handschuhmacher Rico Wappler bereitet gerade schwarzes weiches Leder zum Weiterverarbeiten vor. Über seiner großen Werkbank hängen Handschablonen aus Pappe. Überall türmt sich Leder in verschiedenen Farben: "Hier habe ich ein Stück Ziegenleder. Es muss noch über eine Kante gezogen werden, damit das in der Länge jetzt richtig fest ist", erklärt Wappler. In der Breite gebe das Leder nämlich noch unheimlich nach. "Wenn man eine Faust macht, verändert sich ja immer der Handumfang. Da braucht man eben beim Handschuh ein sehr weiches, dehnbares Leder", so Wappler.

Das gelte für alle Arten von Handschuhen: vom schicken Winteraccessoire, über Arbeitshandschuhe bis hin zu wärmenden Handschuhen für Menschen mit und ohne Behinderung.

Maßanfertigung für Unfallhände

Gerade schneidet Rico Wappler Teile für einen Kunden aus Mecklenburg-Vorpommern zu. Ihm fehlen an der linken Hand gleich mehrere Finger. Immer wieder dreht Wappler ein schwarzes 3D-Druckmodell dieser Unfallhand vor seinen Augen hin und her. Er müsse ein Gefühl bekommen, wo er am besten anfängt. Deshalb stehe der 3D-Druck der Hand immer mit auf der Werkbank. "Ich nehme dann einige Maße ab und mache diesen Handschuhrohling vom Zuschnitt her fertig", erklärt Wappler. Er legt immer wieder verschiedene Handschuhteile aus dem schwarzen Ziegenleder übereinander. Ein kleines, dehnbares Lederstück für den späteren Daumen und ein Großes für die restliche Hand.

Die Näherinnen fügen nach dem Anzeichnen und schneiden alle Handschuhteile zusammen und nähen zuerst die Daumennaht und formen so aus dem Lederstück. Dann folgt der Zeigefinger, der bei diesem Kunden auch schon verletzt ist, bis hin zum kleinen Finger. Ring- und Mittelfinger seien ebenfalls leider komplett weg. "Danach wird dann dieser Handschuh fertig genäht."

Neben der Bestellung dieses Stammkunden aus dem Norden kämen mittlerweile Anfragen aus ganz Deutschland, Österreich und auch der Schweiz ins Erzgebirge. Ausgemessen werden die Hände immer bei den Kunden im Sanitätshaus. Anhand dieser Daten stellt Rico Wappler dann das wärmende Kleidungsstück her. Pro Jahr sind es rund 1.400 Handschuhe für Behinderte, weitere rund 400 für modebewusste Handschuhträger.

Mit einem 3-D-Druckmodell werden die Handschuhe perfekt auf die Kundenhände zugeschnitten. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Heizender Handschuh gegen Eisfinger

Auch Menschen mit dem Raynaud-Syndrom lassen sich bei Wappler Handschuhe fertigen. Das Raynaud Syndrom - auch Weißfingerkrankheit genannt - ist für Betroffene besonders schmerzvoll. Die Finger werden schon bei Temperaturen um die fünf Grad eiskalt, weiß und sehr stoßempfindlich. Abhilfe schaffen nur Handschuhe mit integrierter Heizung, weiß Handwerker Rico Wappler.

Mehr als zwei Jahre lang hat er getüftelt, bis sein beheizbarer Handschuh auch warm und bequem war. Auf einer Art Stoffband sind Miniatur-Heizspiralen eingenäht. Die sieben Näherinnen seines Unternehmens basteln diese Bänder kunstvoll in den Handschuhe hinein. Ganz unscheinbar am Handgelenk ist ein kleiner Schalter und eine Batterie für die Heizung befestigt. Ein kleiner Druck auf den Taster und die Finger werden warm. Die Wärme kann der Durchblutungsstörung beim Raynaud Syndrom entgegenwirken.

In der Werkstatt des Handschuhmachers ist die Leidenschaft für das traditionelle Handwerk spürbar. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Leidenschaft für traditionelles Kunsthandwerk

Rico Wappler lernte seine Handwerkskunst von 2004 bis 2005 beim Traditionshandschuhmacher Frank Zahor in Johanngeorgenstadt. Damals war er der letzte seiner Zunft in der Region. 2006 machte sich Wappler in Hundshübel selbstständig. Er wollte das "wundervolle Handwerk hier nicht aussterben lassen". Und: Wappler wollte sich privat auch umorientieren: vom Elektroinstallateur, der ständig auf Montage war, zum Handschuhmacher. Den heute 50 Jahre alten Umsteiger faszinierten das Handwerk und das Arbeiten mit Leder.

 

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MDR (kk)