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Die tschechische Holzkünstlerin Jitka Kusova bei der Arbeit. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel.

HolzkunstMotorsägen im Stadtgarten von Aue-Bad Schlema

29. Mai 2024, 12:57 Uhr

Schon zum 21. Mal treffen sich Holzkünstler in Aue-Bad Schlema zum Holzbildhauer-Symposium. Eine Woche lang arbeiten sechs Künstler zusammen, fachsimpeln und tauschen Erfahrungen aus. Und weil das Ganze unter freiem Himmel stattfindet, hat jeder die Möglichkeit, den Künstlern zuzuschauen.

Hier, wo sonst Vögel zwitschern und Wasser plätschert, kreischen seit Anfang der Woche die Kettensägen. Im Auer Stadtgarten treffen sich nun schon zum 21. Mal Kettensägenkünstler zum Holzbildhauersymposium. "Wir sind in diesem Jahr sechs Künstler. Vier aus Deutschland und zwei aus Tschechien", sagt Tobias Michael.

Tobias ist ein alter Hase. Der 71-Jährige aus Lauter im Erzgebirge ist schon seit einigen Jahren beim Holzbildhauersymposium dabei. Eigentlich hat er mal Elektriker gelernt, aber seit mehr als 30 Jahren hat er sich der Holzbildhauerei verschrieben.

Die Riesenklammer von Tobias Michael wird eine Bank. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel.

Er arbeitet gern mit der Motorsäge, aber nicht nur: "Ich mach auch ganz kleine filigrane Sachen. Nur Räuchermänneln oder Pyramiden reizen mich nicht", lacht er. In diesem Jahr arbeitet er an einer Bank. Die soll mal auf dem Weg zur Landesgartenschau 2026 in Aue-Bad Schlema aufgestellt werden. Die Bank ist eine riesige Wäsche-Klammer. "Die ist was für uns Erzgebirger, wir klammern uns doch immer an unsere Heimat. Aber auch für Ehepaare ist sie geeignet. Die sollen ja auch aneinander klammern“, witzelt Tobias.

Ich mach auch ganz kleine filigrane Sachen. Nur Räuchermänneln oder Pyramiden reizen mich nicht.

Tobias Michael | Holzgestalter aus Lauter

Roman Krelina aus Chomutov arbeitet an einer Bank mit zwei Eulen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel.

Eiche ist hart aber Stein ist härter

Wenige Meter neben Tobias geht Jitka Kusova gegen einen mächtigen Eichenstamm mit der Kettensäge vor. Für die kleine Frau aus Tschechien ist das nichts Besonderes. "Ich bin Bildhauerin und Malerin. Und Eichenholz ist ja immer noch weicher als Stein, den ich meist bearbeite." Aus dem Eichenholz soll bis zum Freitag, dem Finale des Symposiums, die Plastik "Mensch - Natur - Lebenskreislauf" entstehen.

Jitka Kusova sägt einen Eichenstamm zurecht. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel.

Jitka, die auf der böhmischen Seite des Erzgebirges lebt, ist schon weit rumgekommen. "Ich war schon bei Holzbildhauer-Festivals in der Schweiz, Frankreich, Italien, Bulgarien oder der Ukraine. Hier in Aue gefällt mir die freundschaftliche Atmosphäre." Dass sie die einzige Frau ist, stört sie nicht. "Mann oder Frau, das ist egal. Hier geht es um die künstlerische Zusammenarbeit, um Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Spaß an der Arbeit."

Das ist das Modell für Jitkas Holzskulptur. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel.

Viel Interesse bei Besuchern

Das Openair-Symposium im Stadtpark zieht auch viele Neugierige an, wie zwei Freundinen, die sich extra vom benachbarten Schwarzenberg auf den Weg gemacht haben. "Wir wollten mal sehen, wie es voran geht", sagt die eine und die andere ergänzt: "Es ist schon verrückt, wie exakt man mit so einer Kettensäge arbeiten kann."

Auch der dreijährige Arne macht große Augen. Gabriele Anger hat ihren Enkel geschnappt und sie sind mal rüber in den Stadtpark. "Ich weiß, dass das jedes Jahr hier stattfindet und bin jedesmal wieder fasziniert, was alles so entsteht."

Auch Gabriele Anger und ihr Enkel Arne haben den Künstlern einen Besuch abgestattet. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel.

Arne ist zwar in Sachen Kunst nicht so bewandert wie seine Oma, aber die riesige Wäscheklammer hat es ihm angetan. Sie und fünf weitere Kunstwerke aus Holz werden am Freitag präsentiert und dann feierlich der Stadt übergeben. Bei der Landesgartenschau in zwei Jahren in Aue-Bad Schlema werden sie dann das Ausstellungsgelände schmücken.

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MDR (mwa)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 28. Mai 2024 | 13:30 Uhr