24-Stunden-Pflege Intensivpflege-WG in Ehrenfriedersdorf eröffnet

Wenn Menschen akut oder lebensbedrohlich erkranken, stellt dieser Umstand besondere Voraussetzungen an ihre Versorgung. Die Betroffenen müssen oft rund um die Uhr gepflegt werden und brauchen spezielle professionelle Betreuung. In Ehrenfriedersdorf gibt es nun eine der ersten Intensivpflege-Wohngemeinschaften im Erzgebirge, die diese Betreuung bietet.

Intensivpflege-WG Ehrenfriedersdorf
Anett Meyer und René Küttner sind die Vermieter der ersten Intensivpflege-WG in Ehrenfriedersdorf. Bildrechte: MDR/Anett Linke

In Ehrenfriedersdorf ist eine der ersten Intensivpflege-Wohngemeinschaften im Erzgebirge eröffnet worden. Die WG bietet Platz für sechs Personen ab 18 Jahren, die intensive Pflege rund um die Uhr brauchen - etwa nach einem Schlaganfall oder bei fortgeschrittener multipler Sklerose. Vermietet wird die WG von Anett Meyer und René Küttner. Die beiden betreiben bereits eine vollstationäre Pflegeeinrichtung und einen ambulanten Pflegedienst in Schönfeld.

"Eigentlich ist es wie jede andere WG auch", sagt Küttner. "Jeder hat sein eigenes Zimmer, jeder hat seinen eigenen Schlüssel." Zusätzlich gibt es eine Küche, einen Aufenthaltsraum und eine Art Wohnzimmer mit Fernseher. Die Möbel für ihre eigenen Zimmer müssen die Mieter selbst mitbringen. Über die Erstbelegung der Zimmer entscheiden Küttner und Meyer. "Wir versuchen die Mieter aufeinander abzustimmen, was Alter und Krankheitsbilder angeht", so Küttner. Wenn später ein Zimmer frei wird, hat der WG-Rat ein Mitspracherecht bei der Neuvermietung.

Intensivpflege-WG Ehrenfriedersdorf
Die Möbel für die WG-Zimmer bringen die Bewohner selbst mit. Als Beispiel steht ein Pflegebett in einem der Zimmer. Jedes verfügt über ein Waschbecken, das große Bad wird geteilt. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Auch die Auswahl des Pflegedienstes treffen die Bewohner selbst. "Es wäre natürlich gut, wenn es nicht sechs verschiedene Pflegedienste sind", so Meyer. Das würde die Abstimmungen erleichtern, die die 24-Stunden-Pflege erfordern. Voraussetzung für einen Platz in der WG ist der sogenannte Intensivpflegestatus. Das bedeutet, dass 24 Stunden am Tag eine intensive fachliche Betreuung erforderlich ist. Das kann zum Beispiel die Gabe von Sauerstoff oder das Absaugen zum Freihalten der Atemwege sein. Die Bewohner können auch noch mobil sein.

Wenn die häusliche Pflege an ihre Grenzen stößt

Viele, die ein entsprechendes Krankheitsbild haben, würden aktuell zu Hause gepflegt, sagt Meyer. "Aber einige Dinge gehen zu Hause nicht so gut, oft auch aufgrund von baulichen Gegebenheiten", sagt sie. Sie erzählt von einer Patientin mit ALS, die von ihrer Tochter gepflegt wird. "Aber das Haus hat eine verwinkelte Treppe, bei der kein Treppenlift eingebaut werden kann", so Meyer. Und auch das Bad könne nicht entsprechend umgebaut werden. "Die Tochter geht an ihre Kapazitätsgrenze." In der WG gibt es ein großes Gemeinschaftsbad und in jedem Zimmer ein Waschbecken. Zusätzlich gibt es mehrere Toiletten. Auch ein großer Fahrstuhl ist vorhanden. Die Pflege zu Hause habe laut Meyer Vor- und Nachteile. Die WG solle eine Alternative zwischen häuslicher und vollstationärer Pflege bieten.

Intensivpflege-WG Ehrenfriedersdorf
Im Wohnzimmer können sich die Bewohner gemeinsam aufhalten. Außerdem gibt es einen Gemeinschaftsraum mit einem großen Tisch und eine Küche. Bildrechte: MDR/Anett Linke

In der WG sei ein individueller Tagesablauf möglich. "Es gibt keinen Tagesplan wie bei der vollstationären Pflege", sagt Küttner. Jeder Bewohner entscheide selbst, wann er aufsteht und wie er seinen Tag gestaltet. Außerdem können die Angehörigen zu jeder Zeit zu Besuch kommen. Finanziert wird die Pflege, wie die häusliche Pflege auch, über die Kranken- und Pflegekassen. Zusätzlich gibt es einen Mietanteil. "Aber Miete zahlen die Patienten in ihrer jetzigen Wohnung auch", so Küttner.

Erhaltung der Lebensqualität

Angesichts des medizinischen Fortschritts sieht Meyer zunehmend Bedarf für die Pflege in der Wohngemeinschaft. "Den Trend merkt man schon, dass die Klienten maximal medizinisch versorgt werden", sagt sie. "Früher ist man eher verstorben an einem schweren Schlaganfall oder Herzinfarkt. Jetzt hat man Dank der medizinischen Versorgung noch ein Stück Leben vor sich." Mit der WG würden sie die Erhaltung einer gewissen Lebensqualität anbieten.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 05. Mai 2021 | 09:30 Uhr

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