Preisschock In Aue müssen sich manche Mieter warm anziehen

Steigende Gas- und Strompreise erhitzen zur Zeit die Gemüter. In Aue hat es in verschiedenen Häusern Aushänge mit der Mitteilung gegeben, dass die Gaspreise seit Sommer letzten Jahres um ein Vielfaches gestiegen seien.

Auf einem Aushang in einem Hausflur weisen die Stadtwerke Aue auf Preiserhöhungen von bis zu 400 Prozent hin.
Mit diesem Aushang werden Mieter im Wohngebiet Zeller Berg vor extrem steigenden Nebenkosten gewarnt. Bildrechte: MDR/Monika Di Carlo

Der Aushang in einigen Häusern der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Aue hat es in sich. Darin haben die Stadtwerke Aue mitgeteilt, dass die Gaspreise seit Sommer letzten Jahres um ein Vielfaches gestiegen seien. Daher werden die Mieterinnen und Mieter aufgefordert, in diesem Winter auf besonders effizientes Heizen zu achten. Sonst drohe eine hohe Nachzahlung der Betriebskosten. Bei den Anwohnern sorgt der Aushang für große Empörung. "Also ich bin glücklich, dass wir von den Herrschaften darauf hingewiesen werden. Das ist eine Frechheit. Wir haben noch ein ganz kleines bisschen Gehirn drin, wir achten selbst darauf", sagt eine Anwohnerin der Bergmannstraße im Wohngebiet Zeller Berg. Sie würde seit Jahren sparsam heizen und alles genau notieren. Noch schlimmer sei aber die Mitteilung, dass sich die Kosten für die Heizung wahrscheinlich verdrei- oder vervierfachen werden, sagt eine weitere Hausbewohnerin.

Um Gottes Willen, dann können wir das nicht mehr bezahlen. Oder wir müssen frieren. Von unserer Rente geht das nicht mehr.

Eine betroffene Mieterin

Fernwärmerohre in Dresden
Die betroffenen Mieter in Aue-Bad Schlema müssen sich warm anziehen. Oder sie müssen mit hohen Nebenkosten-Nachzahlungen rechnen. (Symbolbild) Bildrechte: Fotothek DREWAG – Stadtwerke Dresden GmbH

Erklärungsversuche der Vermieter

Verzweifelte Anrufe von Mietenden hat auch schon Katrin Forner von der Aue Wohnungsbaugesellschaft erhalten. Die Wohnungsbauchefin ist selbst über die Ankündigung der Erhöhung geschockt gewesen. "In unserem Bestand betrifft das 1.600 Wohnungen, das ist wahnsinnig viel. Natürlich müssen wir als Unternehmen damit eine riesige Vorauszahlung leisten, die so nicht ohne weiteres tragbar ist." Das stelle auch die Wohnungsbaugesellschaft vor eine ganz schwierige Situation.

Zweifel beim sächsischen Wohnungsverband

Die Aushänge sind nur in den Häusern der Auer Wohnungsbaugesellschaft zu finden, die mit Fernwärme beheizt werden. Die Wärme dafür wird in einem mit Gas betriebenen Blockheizkraftwerk der Stadtwerke bereitgestellt. Rainer Seifert, Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen, sieht bei dieser Heizungsart sogar einen finanziellen Vorteil. Die Energieversorger könnten im Voraus planen, wie viel Wärme benötigt werde und sich vorausschauend mit genügend Gas eindecken. Bevor die Preise seit Sommer 2021 explodiert seien, habe der Einkaufspreis pro Kilowattstunde seit Jahren zwischen 1,5 und 3 Cent gelegen. "Wenn ich für jetzt Gas einkaufe, dann ist es im Moment am teuersten. Wenn ich jetzt Gas für 2024 oder 2025 einkaufe, dann bin ich wieder bei 3 Cent." Es hänge extrem von der Einkaufsstrategie ab der einzelnen Energielieferanten ab, welche Preise sie am Gasmarkt zahlen müssten, sagt Seifert. Generell sei es bisher für die Versorger vorteilhafter gewesen, Energie langfristiger einzukaufen.

Ein Mann dreht in einer Wohnung am Thermostat einer Heizung.
Reiner Seifert, Chef des sächsischen Wohnungsverbandes, sieht keine Lösung darin, nur die Mieter zum Sparen aufzufordern. Bildrechte: dpa

Das ist im Jahr 2022 nicht die beste Aufforderung, den Menschen zu sagen: 'Leute friert, damit es nicht ganz so teuer wird'. Man muss nach Lösungen suchen.

Rainer Seifert Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen

Stadtwerke Aue verteidigen ihre Einkaufspolitik

Auf Nachfrage teilten die Stadtwerke Aue MDR Sachsen mit, dass ich die Beschaffungspreise für Fernwärmekunden an einer sogenannten Preisgleitklausel und damit näher am Marktpreis orientieren würden. "Dies wirkt sich sowohl bei Erhöhungen, als auch bei Kostensenkungen relativ schnell beim Kunden aus", heißt es weiter. "Zur Firmenpolitik der Stadtwerke Aue-Bad Schlema gehört es, den Kunden niedrige Preise weiterzugeben. Dies rächt sich jetzt insofern, dass die Kosten für Fernwärme viele Jahre nur unwesentlich höher lagen, als der lange Zeit sehr niedrige Preis von Erdgas." Fernwärmekunden der Stadtwerke Aue hatten demzufolge lange Zeit günstige Preise, die den Angaben zufolge sogar günstiger waren als für andere Fernwärmekunden.

Im Preismodell der Stadtwerke werden Preissprünge an den Kunden sehr schnell weitergegeben, aber dafür Senkungen ebenso.

Stadtwerke Aue

Oberbürgermeister von Aue-Bad Schlema will vermitteln

Der Oberbürgermeister von Aue-Bad Schlema, Heinrich Kohl, sagte MDR SACHSEN, dass bereits nach Lösungen gesucht werde, um die Preissteigerung abzufangen. Ich würde ein bisschen 'Teilentwarnung' aussenden. Die Preise sinken." Zudem sei die Stadt bemüht, aktiv in den Marktmechanismus einzugreifen. "Es wird ein neuer Vertrag ausgehandelt, der eine gewisse Stabilität beinhaltet. Letztendlich wird es natürlich nicht am Gaspreis vorbeigehen." Die Wohnungsunternehmen erhielten eine neue Vereinbarung über die Vorauszahlung. "Wir müssen jetzt die Abschläge erhöhen, damit die Leute nicht vor tausenden Euro Nachzahlung stehen." Ziel sei es, bei dem Aufschlag zwischen 75 bis 80 Prozent zu bleiben.

Der Bürgermeister von Aue-Bad Schlema, Heinrich Kohl, sitzt an einem Schreibtisch.
Der Bürgermeister von Aue-Bad Schlema, Heinrich Kohl, sucht mit den Beteiligten nach einer Lösung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (tfr/mdc/mv)

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