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Der 62 Jahre alte Rolf Schmidt bleibt weitere sieben Jahre Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz. Bildrechte: dpa

KommunalwahlRolf Schmidt bleibt Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz

von MDR SACHSEN

Stand: 20. März 2022, 18:59 Uhr

Über 16.000 Bürgerinnen und Bürger in Annaberg-Buchholz waren am Sonntag zur Oberbürgermeisterwahl aufgerufen. Dass es wenig spannend wird, war schon vorher klar. Denn es gab keinen Gegenkandidaten zum bisherigen Oberbürgermeister Rolf Schmidt. Das spiegelt sich auch in der Wahlbeteiligung wider.

Rolf Schmidt bleibt Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz. Nach Angaben der Stadtverwaltung stimmten knapp 4.000 der 16.000 Wahlbrechtigten für den Amtsinhaber. Er kommt damit auf 98 Prozent der Stimmen. Allerdings wirkt sich offenbar die nicht vorhandene Auswahl an Bewerbenden auf die Wahlbeteiligung aus. Denn die lag bei gerade mal 26,3 Prozent.

In Annaberg-Buchholz leben 22.000 Menschen. Bildrechte: dpa

Warum es keine Gegenkandidaten gab, ist schwer zu sagen. Entweder ist der Job nicht sehr gefragt, oder die Aussichten, den bisherigen Amtsinhaber zu schlagen, bewerteten potenzielle Kandidatinnen und Kanditaten als äußerst gering. Schmidt trat für die Freie Wählergemeinschaft "Wir für unsere Stadt/Liste Sport" an. Doch auch bei nur einem Kandidaten hatte man den Eindruck, dass es so etwas wie Wahlkampf gibt. In der Stadt hingen Wahlplakate und Schmidt warb auf Facebook mit Videoclips für seine Wiederwahl.

Quereinsteiger aus der Wirtschaft

Der heute 62-Jährige zog 2015 das erste Mal ins Rathaus ein. Für Aufsehen sorgte damals eine Morddrohung vor dem zweiten entscheidenden Wahlgang. Schmidt bekam in einem Brief die Aufforderung, seine Kandidatur zurückzuziehen. Dem Schreiben war eine scharfe Patrone beigefügt worden. Die Ermittlungen zu dem oder den Tätern blieb erfolglos.

Rolf Schmidt tritt zum zweiten Mal an und hat gute Chancen, wieder Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz zu werden. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Der Quereinsteiger aus der Wirtschaft formulierte die Förderung der heimischen Betriebe und den Stopp der Abwanderung als seine Hauptziele. Und dabei kann Schmidt nach sieben Jahren auf eine durchaus erfolgreiche Bilanz verweisen. Der Bevölkerungsschwund konnte schon gestoppt werden. Die Stadt erschloss ein neues Gewerbegebiet und holte den Smart-Rail-Connectivity-Campus, einen Forschungsstandort für den Bahnverkehr der Zukunft, nach Annaberg-Buchholz. Mit der Referendariatsausbildung für Lehrer und einer Fachhochschule für soziale Berufe will die 22.000-Einwohner-Stadt wieder junge Leute ins Erzgebirge locken.

Flüchtlingskrise und Corona-Pandemie in erster Amtszeit

Aber auch bei der Stadtentwicklung ging und geht es voran. Die Annaberger Einkaufsmeile wurde neu gestaltet und das sogenannte Münzviertel großflächig saniert. Schmidt versprach von Anfang an mehr Bürgernähe. Deshalb richtete er die Bürgersprechstunde "Sprich mit Schmidt" ein und stellte sich bei Livestreams aus dem Rathaus den Fragen der Bürger.

Dabei begann die erste Amtszeit von Schmidt gleich mit einer riesigen Herausforderung. Die Flüchtlingskrise und später die Corona-Pandemie stellte die gesamte Stadtverwaltung vor bisher nicht gekannte Schwierigkeiten. Trotzdem konnten in dieser Zeit Projekte wie das internationale Märchenfilmfestival "Fabulix" aus der Taufe gehoben werden. Auch damit sollen Menschen in die Erzgebirgsregion gelockt werden. Dem dient auch das geplante Welterbezentrum, das die Aktivitäten der Welterberegion Erzgebirge/Krušnohoří bündeln soll.

Alles andere als konfliktscheu

2017 war Rolf Schmidt einer der Initiatoren eines Positionspapiers, in welchem Bürgermeister aus Sachsen eine bessere Finanzausstattung der Kommunen forderten. Bildrechte: dpa

Ziemlich schnell wurde deutlich, dass Schmidt kein pflegeleichter Amtsträger ist. So scheute er nicht den Konflikt mit der Landespolitik. Schmidt war 2017 einer der Initiatoren eines Positionspapiers, in dem von der Landesregierung eine bessere Finanzausstattung der Kommunen gefordert wurde. Und auch bei der Corona-Politik sparte er nicht mit Kritik. Erst im Februar gehörte er zu den Unterzeichnern eines offenen Briefs, der eine bürgerfreundlichere Politik einfordert.

MDR (mwa, dk)

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