Urlaub zu Hause Ein Tag in Kanada - Rundwanderung durchs Schwarzwassertal

Wandern, radeln, campen, schwimmen, klettern - was Freizeitaktivitäten betrifft, da hat Sachsen einiges zu bieten. Deshalb wollen wir Ihnen während der Sommerferien ein paar Freizeit- und Ausflugstipps vorstellen - jeden Tag mit einer Reportage von einem anderen Ort. Urlaub zu Hause im Selbsttest.

Urlaub zu Hause Outdoor Schwarzwassertal Erzgebirge
Bildrechte: MDR/Kathrin König

Endlich sonnabends frei und die Sonne scheint nicht zu heiß. Mein Freund und ich entschließen uns spontan ins Erzgebirge zum Wandern zu fahren. Er schlägt die Schwarze Pockau vor. Nie gehört? Ich auch nicht. Also los, das Navi will den Wanderparkplatz zuerst nicht finden, aber mit der Ortsangabe Marienberg klappt es. Von Olbernhau verengt sich die Straße immer mehr, links sehen wir schon die Pockau über Steine und Äste ins Tal springen. Der Wanderparkplatz ist kostenlos, aber schon voll besetzt. Typisch Stadtmenschen: Wir hätten statt um 10 Uhr doch vor 8 Uhr starten sollen. Jetzt nach 11:30 Uhr finden wir 200 Meter vom Parkplatz entfernt noch eine Lücke an einem Parkplatz am Feriendorf Lama-Ranch.

Ein Fluss mit etwas dunkel gefärbten wasser fließt ine inem Tal entlang.
Je nach Lichteinfall leuchtet das Wasser der Schwarzen Pockau (tschechisch: Černá) mal rostbraun, mal schwarz. Aber warum? Bildrechte: Kathrin König

Cola-Wasser in Kanada?

Dort weht eine Kanada-Flagge zur Begrüßung. Und wir fühlen uns auch, als hätten wir das Elbtal verlassen, um direkt in Kanada anzukommen. Ein gut ausgebauter, befestigter Wanderweg führt an der Schwarzen Pockau entlang. Das Tal wird Schwarzwassertal genannt. Tatsächlich sieht das Wasser aus wie Schwarzbier oder schäumende Cola. Wir rätseln, warum es so gefärbt ist. Nach einigen hundert Metern bekommen wir Antworten auf einer Infotafel.

Natur erleben Wildbach und Wanderromantik im oberen Erzgebirge

Ein Fluss mit etwas dunkel gefärbten Wasser fließt ine inem Tal entlang.
Die Schwarze Pockau ist ein linker Nebenfluss der Flöha. Sie ist einer der wenigen unverbauten Wildbäche und kommt auf eine Länge von 33 Kilometern. Bildrechte: Kathrin König
Ein Fluss mit etwas dunkel gefärbten Wasser fließt ine inem Tal entlang.
Die Schwarze Pockau ist ein linker Nebenfluss der Flöha. Sie ist einer der wenigen unverbauten Wildbäche und kommt auf eine Länge von 33 Kilometern. Bildrechte: Kathrin König
Eine Felswand ragt steil aus einem Tal empor. Sie trägt den Namen Nonnenfelsen und ist im Schwarzwassertal im Erzgebirge zu finden.
Was für eine Wanderkulisse entlang der Schwarzen Pockau. Steil ragt der Nonnenfelsen auf. Bildrechte: Kathrin König
Kletterin im Schwarzwassertal im erzgebirge am Nonnenfelsen. Archivaufnahme von 1994
Den Nonnenfelsen im Schwarzwassertal sollten nur geübte Klettersportlerinnen und -sportler bezwingen. Bildrechte: dpa
ABM-Kräfte mit Bäumen
1993 haben ABM-Kräfte junge Fichten, Lärchen, Buchen und Tannen ins Schwarzwassertal bei Pobershau gepflanzt. Sie haben damals auch Wege und Brücken mit gebaut. Die Bäume sind mittlerweile stattlich herangewachsen. Bildrechte: dpa
Ein Graben zieht sich neben einem Weg entlang. Das Wasser des Grabens leuchtet braun und grün. Es sit der sogenannte Grüne Graben im Erzgebirge bei Kühnhaide.
Neben dem Bergbau-Relikt "Grüner Graben" verläuft ein Wanderweg. Er ist stellenweise gut ausgebaut, an manchen Stellen geht es aber auch steil zu und man muss über größere Steine kraxeln. Bildrechte: Kathrin König
Neben einem Graben, in dem Wasser bergab fließt, stehen Miniaturhäuschen an Felsen und eine kleine Wassermühle.
Entlang des Grünen Grabens finden sich immer wieder kleine Wassermühlen. An einer Stelle wurde sogar ein Miniaturdorf mit Kirche, Häuslein und Mini-Wassermühle an den Felsen gebaut. Bildrechte: Kathrin König
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Weiter geht es durchs Tal, vorbei an bizarren Felsen. Auf dem Nonnenfelsen klettert eine Sportlerin in 20 Metern Höhe. Unten sprudelt, rauscht und gurgelt der Wildbach so laut, dass wir uns beim Reden kaum hören können. Unterwegs laden neu aufgestellte Sitzbänke und Rastplätze zum Picknick ein. Wir sind zwar noch keine drei Kilometer weit gekommen, aber es ist Mittagszeit, Rast muss sein!

Nach einer Weile weitet sich das Tal und wir blicken auf Wiesen mit Wildblumen in den schönsten Sommerfarben. Gerne wüsste ich, was ich hier sehe, aber Infotafeln gibt es an der Stelle nicht. Schade. Kilometer später erfahre ich doch noch, dass wir durch ein Moorgebiet gelaufen sind. Die aus den Mooren fließenden Wasser färben die Pockau so dunkel, daher auch der Name: Schwarzwassertal.

Eine weite Wiese öffnet sich entlang eines Baches, man blickt auf Gras, Moorhänge und Bäume in der Ferne. Die Fläche gehört zum Naturschutzgebiet Schwarzwassertal bei Pobershau im Erzgebirge,
Blick auf Moorwiesen kurz vor der tschechischen Grenze bei Kühnhaide. Bildrechte: Kathrin König

Bergbauspuren auf Schritt und Tritt

Nach etwa 4,5 Kilometern kommen wir über die "Steinerne Brücke" und biegen rechts zum "Grünen Graben" ab. Das ist ein Relikt aus der Bergbauzeit des 17. Jahrhunderts. Damals wurde der rund 8,2 Kilometer lange Graben in Rekordzeit von etwas mehr als einem Jahr gebaut und kostete nach heutigem Wert 400.000 Euro. Das ist uns egal, weil wir auf dem etwas holprig-buckligen Wanderweg etwas aufpassen müssen, aber nur Augen für das haben, was in Fließrichtung des Grabens zu sehen ist. Darin flirren kleine Forellen umher, es summt und leuchtet geheimnisvoll an den Wasserrändern. Mehrere Male verschwindet der Graben in Felsungetümen, um wenig später wieder aufzutauchen. Ich staune laut: "Dass es so etwas Tolles mitten im Erzgebirge gibt!"

Man sieht eine steinerne Aussichtsplattform auf einem Felsen. Dahinter liegt ein bewaldetes Tal 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mo 02.08.2021 14:46Uhr 01:41 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/video-541366.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Katzenstein über dem Talgrund

Auf dem schmalen Weg kommen uns zwei Mütter mit Kindern und Buggys entgegen. Ich würde den Weg damit nicht entlang kraxeln. Aber die Frauen in Sport-Scheck-Vollausrüstung stapfen den Steig entschlossen hinauf. Wir biegen zum "Katzenstein" rechts ab und genießen die Aussicht auf mehr als 700 Meter Höhe und 90 Meter über dem Talgrund der Schwarzen Pockau. Warum der Basteiausblick in der Sächsischen Schweiz immer wieder als Sachsens schönster Balkon bezeichnet wird, erscheint mir auf dem Katzenstein rätselhaft. Doch um so schöner für alle Erzgebirgswanderer. Hält sich der Besucheransturm in Grenzen.

Von einem felsigen Plateau blickt man in ein grünes Tal auf Nadelbäume, Felsen und Gebüsch. Es ist der Ausblick vom 700 Meter hohen Katzenstein im Erzgebirge.
Blick vom Katzenstein bei Pobershau. Der höchste Punkt des Felsens liegt bei 706 Metern über NN und etwa 90 Meter über dem Talgrund. Bildrechte: Kathrin König

Von dort nehmen wir den Weintraubenweg nach rechts als Rückweg zum Wanderparkplatz. Man kann aber auch den Arnoldweg gehen und kommt wenig später auf dem Parkplatz an. Bevor wir ins Auto steigen, blicke ich nochmals am Feriendorf vorbei. Und tatsächlich: Jetzt sitzt dort ein Lama in der Sonne auf der Wiese und mümmelt vor sich hin. Die Kanada-Fahne im Hintergrund weht zum Abschied. Ich staune immer noch: "Dass es so etwas Tolles mitten im Erzgebirge gibt!"

Ein Lama sitzt auf einer Wiese und kaut vor sich hin.
Ein Lama sitzt auf einer Wiese neben dem Urlauberdorf Lama-Ranch. Bildrechte: Kathrin König

Fazit

Das Naturschutzgebiet und wildromantische Schwarzwassertal ist eine echte Überraschung und Rarität. Die Rundwanderung (man kann auch Strecken unterwegs abkürzen) lohnt sich auch an heißen Sommertagen, weil es viel Wald, Wasser und Schatten gibt. Der Freistaat Sachsen bemüht sich um den Erhalt der Wanderwege und des "Grünen Grabens".

Anreise

  • mit dem Auto bis zum Wanderparkplatz am “Hinteren Grund”, 09496 Marienberg
  • mit dem Zug von Chemnitz nach Marienberg, dann weiter mit dem Bus Richtung Pobershau bzw. Kühnhaide, Halt: Schwarzwasser, Auskunft über den Verkehrsverbund Mittelsachsen.

Geeignet für

  • Wanderer, Familien auch mit kleineren Kindern
  • naturinteressierte Menschen mit Blick für Wildromantik, Abenteuer und/oder Interesse für Bergbautraditionen

Daran sollte man denken

  • wetterfeste Kleidung
  • trittfestes Schuhwerk
  • je nach Witterung Sonnenschutz
  • Picknickspeisen für unterwegs, was man innerhalb von 3 bis 5 Stunden verbraucht
  • Mülltüte, um seinen eigenen Müll wieder mitzunehmen.

Tipp

  • Für Kinder gibt es kleinere und große Steine zum Klettern. An verschiedenen Stellen können sie das Ufer der Schwarzen Pockau betreten und am Wasser spielen (Wechselsocken einpacken). Vorsicht: Die Fließgeschwindigkeit des naturbelassenen Flusses ist nicht zu unterschätzen!
  • Kletterfelsen finden sich auch unterwegs (Nonnenfelsen, Teufelsmauer). Die sind nur für geübte Kletterer geeignet.

Wenn man schon mal da ist

  • ... kann man die Augen offen halten und an den Wegrändern Heidelbeeren, später im Sommer auch Brombeeren naschen.
  • ... in eine der Gaststätten im nahen Olbernhau einkehren, zum Beispiel auch in die Saigerhütte.
  • ... sollte man unbedingt auch Marienberg besuchen, die Bergbau-Stadt, die im Mittelalter am Reißbrett entstanden ist.

Bloß nicht

  • ... immer häufiger strampeln Radfahrer und Mountainbiker den Rundweg entlang. Zu Fuß hat man mehr Ruhe und kann die Einzigartigkeit besser genießen.
  • ...sich wie die Axt im Erzgebirgswald benehmen, seinen Müll fallen lassen oder mit lauter Musik oder Geschrei umher zu laufen, stört alle im Naturschutzgebiet.

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