Ausschreitungen Polizisten bei Demonstration in Zwönitz besprüht und gebissen

Auseinandersetzungen Demo Zwönitz
Nach Angaben der Polizei sind bei der nicht angemeldeten Demonstration in Zwönitz am Montag acht Beamte verletzt worden. Bildrechte: Daniel Unger

Bei einer Versammlung von Corona-Gegnern sind in Zwönitz acht Polizisten verletzt worden. Wie die Polizeidirektion Chemnitz mitteilte, hatten sich am Montagabend etwa 200 Demonstrantinnen und Demonstranten zu der nicht angemeldeten Demonstration in der Erzgebirgsstadt getroffen. Dabei sei es auch zu Angriffen auf Polizisten gekommen. Eine Sprecherin der Polizei sagte, dass die Beamtinnen und Beamten aus einer siebenköpfigen Menschengruppe heraus mit Pfefferspray besprüht worden seien. Daraufhin habe auch die Polizei Pfefferspray gegen die Demonstrierenden eingesetzt. Eine 57-Jährige soll außerdem einen Beamten gebissen haben. Sie muss sich wegen tätlichen Angriffs und Widerstandes verantworten. Die Polizisten vor Ort berichteten, dass zahlreiche Umstehende die Stimmung mit verbalen Drohungen gegen die Beamten angeheizt hätten. Die Polizei spricht von sieben leicht verletzten Polizisten und Polizistinnen. Die Gewalttäter waren demnach zwischen 30 und 57 Jahre alt.

Laut Angaben der Polizei wurde über soziale Medien zu der unangemeldeten Versammlung aufgerufen. Der Großteil der Menschen trug demnach keinen Mund-Nase-Schutz. Die Einhaltung der Abstände bezeichnete die Polizeisprecherin als "unzureichend". Auch als die Beamten die Identität von Demonstrationsteilnehmern feststellen wollte, sei es teilweise zu Widerstand gekommen.

Wöller und Köpping verurteilen Angriffe auf Polizisten

Der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) hat die Angriffe scharf verurteilt. Die Corona-Pandemie sei für alle eine schwierige Situation, die sich durch Gewaltaktionen nicht schneller bewältigen ließe, sagte er. "Wenn Versammlungen unangemeldet stattfinden oder die Teilnehmenden Abstands- und Hygieneregeln nicht einhalten, hat die Polizei keine andere Option, als angemessen und verhältnismäßig dagegen vorzugehen."

Roland Wöller (CDU), Innenminister von Sachsen
Der sächsiche Innenminister Roland Wöller (CDU) verteidigte das Vorgehen der Polizei als verhältnismäßig angesichts der Situation in Zwönitz. Bildrechte: dpa

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) zeigte sich fassungslos. Proteste seien zwar im Rahmen der geltenden Corona-Regeln möglich. Für jede Form von Übergriffen habe sie kein Verständnis. "Angriffe auf andere Menschen, ob auf Bürger, Polizisten oder Pressevertreter sind verachtenswert.

Stadtrat Zwönitz forderte Ende des Einkesselns friedlicher Bürger

Bereits am vergangenen Montag war es bei einer Demonstration gegen die Coronabeschränkungen in Zwönitz zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmenden und der Polizei gekommen. Die Beamten hatten zuvor etwa 100 Demonstrantinnen und Demonstranten eingekesselt. Daraufhin berief der Zwönitzer Bürgermeister Wolfgang Triebert eine Sondersitzung des Stadtrates ein. Fraktionsübergreifend wurde dort das "sofortige Ende des Einkesselns friedlicher Bürger" gefordert. Die Stadträte drängten in einer Erklärung darauf, die Coronaregeln für Demonstrationen zu lockern, um Versammlungen mit mehr als zehn Personen zu ermöglichen. Gleichzeitig hatten die Stadträte dazu aufgerufen, bei den Protesten friedlich zu bleiben.

Wocheninzidenz auf 100.000 Einwohner in Zwönitz dreistellig

Die Wocheninzidenz in Zwönitz liegt nach Angaben des sächsischen Sozialministeriums zur Zeit bei 444 auf 100.000 Einwohner. In den vergangenen sieben Tagen sind in der Stadt mit 11.927 Einwohnern 53 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Polizisten bei einer Demonstration
Bei der nicht angemeldeten Demonstration am 3. Mai in Zwönitz hatte die Polizei etwa 100 Personen eingekesselt. Bildrechte: André März

Nach Angaben der Polizei gab es am Montagabend auch in anderen sächsischen Städten Protestaktionen, unter anderem auch in Hainichen, Döbeln, Roßwein und Freiberg. Im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz registrierten die Beamten demnach 23 Aktionen im Zusammenhang mit Corona-Protesten. Insgesamt waren den Angaben zufolge etwa 2.000 Menschen an den Demonstrationen beteiligt. Rund 350 Polizisten waren im Einsatz.

Quelle: MDR/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 11. Mai 2021 | 09:30 Uhr

148 Kommentare

Nelke vor 5 Wochen

In welchen Situationen halten Sie den Einsatz einer Hundertschaft für erforderlich ? Wenn 50 Bürger friedlich ihre Meinung kundtun ? Eine Versammlung unter freiem Himmel muß als solche nicht genehmigt werden. Im Übrigen halten Verfassungsschutz und Co. den linken und den rechten Teil des Zügels fest in der Hand. Zum Glück kam es noch nie vor, daß eine V-MannFrau als Provokateur auftrat. Ist es nicht erstaunlich, wie stark der schwache Staat auftreten kann, wenn er denn will ?

Janes vor 5 Wochen

@Mathias Grim: Das Kennzeichnet die Logik ihrer Beiträge-immer die Tatsachen verdrehen.

Wenn sie mit den Hooligans im Stadion sitzen um FUSSBALL zu schauen, dann sind sie ein friedlicher Fan. Wenn sie mit diesen Hooligans aber gemeinsam zu Felde ziehen, dass gehören sie zu der unfriedlichen Truppe.

Janes vor 5 Wochen

@Mathias Grim: Woher haben sie denn diesen Fakt? Das könnte nämlich daran liegen, dass das nicht stimmt. Und Demenz rafft normalerweise die Menschen nicht so flott dahin wie ein Herzinfarkt.

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