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Der talabwertige Fahrstreifen der B 174 am Hohndorfer Berg in Richtung Zschopau ist seit Monaten gesperrt. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

StraßenschädenB174 bei Marienberg bleibt wegen Schäden und Lärm ewiges Ärgernis

von MDR SACHSEN

Stand: 14. Mai 2022, 12:15 Uhr

Es ist ein ewiges Ärgernis, das immer wieder Bürger auf die Barrikaden bringt: kaputte Straßen und Verkehrslärm. Jahrelang tut sich an Holperpisten nichts, Planungen für lang ersehnte Ortsumfahrungen werden auf die lange Bank geschoben. Im Marienberger Raum ist es eine wichtige, hoch frequentierte Transitstrecke, deren Fahrbahnen teilweise seit Monaten gesperrt sind oder die Höchstgeschwindigkeit begrenzt ist – Anwohner und Pendler sind genervt. Abhilfe kommt nun zumindest für Teilbereiche. Den Bürgerinitiativen reicht das nicht.

Schwere 40-Tonner rattern über die B174 bei Marienberg. Die Bundestraße ist eine wichtige und stark ausgelastete Transitstrecke zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik. Sie ist aber auch bedeutender Zubringer für den Raum Marienberg und Olbernhau zu den Autobahnen A4 und A72. Dabei ist die B174 teilweise in so schlechtem Zustand, dass nicht nur Fahrbahnbereiche gesperrt, sondern auch die Höchstgeschwindigkeit stellenweise begrenzt werden musste.

Sobald man über die Grenze nach Tschechien fährt, sind die Straßen wieder in Ordnung.

Lars Helbig | Unternehmer aus Olbernhau

Nadelöhr zwischen Zschopau und Hohndorf

Für Lars Helbig ist der Zustand der B174 schon lange ein Problem. Der Unternehmer aus Olbernhau ist Gründer des Clubs Tschechisch-Deutsche Partnerschaft und nutzt deshalb häufig die Strecke nach Tschechien: "Ich verbringe die Hälfte meines Lebens und meiner unternehmerischen Tätigkeit in Tschechien.

Lars Helbig, Unternehmer aus Olbernhau. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Sobald man die Grenze ins Nachbarland überquert, sind die Straßen in Ordnung." Gerade der Abschnitt der B174 zwischen Zschopau und Hohndorf (Hohndorfer Berg) sei ein Nadelöhr. Dort sei eine Fahrbahn seit Monaten gesperrt, die Fahrgeschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde reduziert und dennoch sei nie ein Bauarbeiter zu sehen, so Helbig.

Fahrbahnerneuerungen für dieses Jahr geplant

Wie aus dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zu erfahren ist, sind Fahrbahnerneuerungen für mehrere Teilbereiche der B174 in diesem Jahr vorgesehen. Dies betreffe die Abschnitte vom Abzweig S225 (Lauterbacher Straße) und B171 bis zur B101 (Heinzebank), die derzeit gesperrte talwertige Fahrbahnseite des Hohndorfer Berges sowie die Rampe der Anschlussstelle der B171/B174.

Die B 174 soll im Juni im Bereich Heinzebank (Foto) und Abzweig Lauta saniert werden. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Im Bereich Hohndorfer Berg habe sich laut Lasuv das Problem ergeben, dass eine Erneuerung nur "mit Heißasphalt und Fugenverguss" möglich sei, die erforderlichen Mischwerke jedoch in der Wintersaison geschlossen hätten – deswegen die lange Sperrung. Weitere Problemstellen seien dem Lasuv bekannt, etwa die Abschnitte B174 zwischen Heinzebank und Hohndorf. Hier sollen Instandsetzungen erfolgen bis eine vollständige Fahrbahnerneuerung möglich ist.

Tausende Lkw und Pkw rattern durch die Orte

Doch nicht nur der schlechte Straßenzustand bewege die Bürger vor Ort, sagt Helbig. So würden die Anwohner der Orte Hohndorf, Großolbersdorf und Reitzenhain schon seit Jahrzehnten für Ortsumfahrungen der B174 kämpfen. Zudem fehlten ausreichende Rast- und Sanitärbereiche. Helbig verweist auf die Bedeutung der Bundestraße: "Wir denken nach Norden in Richtung Chemnitz und Dresden. Wir brauchen diese Anbindung, die für Arbeitnehmer und Firmen wichtig ist."

Der Rastplatz zwischen Großolbersdorf und Heinzebank wirkt wild-nostalgisch. Öffentliche Toiletten fehlen hier. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Bürgerinitiative Reitzenhain fordert Durchfahrverbot in der Nacht

Schon seit 2006 engagiert sich die Bürgerinitiative Reitzenhain für eine Umfahrung der Ortschaft direkt an der Tschechisch-Deutschen Grenze. Doch geschehen ist seitdem nicht viel. Durch eine Messanlage des Landes Sachsen würden hier an einem normalen Wochentag 5.500 Pkw und 1.500 Lkw gezählt, schildert Matthias Grahnert, Leiter des Initiative. Die Bürgerinitiative hätte an zwei Dritteln eines Tages über 60 Dezibel gemessen, so Grahnert weiter.

Matthias Grahnert, Leiter der Bürgerinitiative Reitzenhain. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Und der Schwerlastverkehr soll bis 2030 nochmals um über 50 Prozent steigen: "Deswegen fordern wir ein absolutes Überhol- und ein nächtliches Durchfahrverbot im Ort." Eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 22 bis 6 Uhr auf 30 Kilometer pro Stunde sowie der Bau eines beidseitigen Blitzers auf der Ortsdurchfahrt im Oktober dieses Jahres konnte bereits erreicht werden.

Lärmmessungen seitens des Lasuv hätten nicht stattgefunden. Die Behörde verweist darauf, dass die Ermittlung von Lärmbelastungen auf längerfristigen, empirischen Untersuchungen beruhen. Bei Messungen würde hingegen nur eine kurzfristige Situation vor Ort erfasst, die erheblichen Schwankungen unterliege.

Wann ist Lärm eine Gefahr für die Gesundheit?Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist eine generelle Regelung zum Lärmschutz und somit der Immissionsgrenzwerte festgelegt. Es wird auf der Webseite der Behörde darauf hingewiesen, dass ein Mittelungspegel von tagsüber 65 Dezibel und 55 Dezibel in der Nacht nicht überschritten werden sollte, um die Gesundheit nicht zu gefährden. 

Die Bundesstraße 174 ist für die Aufnahme des Schwerverkehrs baulich und in der Streckenführung geeignet.

Franz Grossmann | Sprecher im Landesamt für Straßenbau und Verkehr

Lasuv sieht keine gesteigerte Gefahrenlage

Laut Lasuv entscheidet über Durchfahrt- und Überholverbote die örtliche Verkehrsbehörde – in diesem Fall die Stadt Marienberg. Laut Straßenverkehrsordnung (StVO) dürften Beschränkungen des fließenden Verkehrs, wie Durchfahr- oder Überholverbote nur angeordnet werden, wenn vor Ort eine erheblich gesteigerte Gefahrenlage besteht.

Das sei im Fall der B174 nicht der Fall, so Franz Grossmann, Sprecher im Lasuv: "Die Bundesstraße 174 ist für die Aufnahme des Schwerverkehrs baulich und in der Streckenführung geeignet." Ein nächtliches Durchfahrverbot für Lkw würde einerseits der Widmung einer Bundesstraße als Verkehrsnetz für den weiträumigen Verkehr widersprechen. Außerdem stünden keine geeigneten Umleitungsstrecken zur Verfügung. Eine Umleitung über die A17 werde wegen der zu langen Umfahrungsstrecke ausgeschlossen.

Blitzer statt Überholverbot in Reitzenhain

Für ein Lkw-Überholverbot seien die Voraussetzungen in Reitzenhain ebenfalls nicht gegeben, da ein solches laut StVO "nur auf Straßen mit erheblichem und schnellem Fahrverkehr angeordnet werden", womit Autobahnen und Straßen außerorts gemeint seien, so Grossmann.

Beidseitige Blitzer sollen in Reitzenhain nun helfen. Bildrechte: Colourbox

Die Verkehrsbehörde habe zudem in Reitzenhain eine Verkehrskontrolle durchgeführt, wobei nur gelegentliche Überholvorgänge registriert worden seien und somit keine besondere Gefährlichkeit vorliege.

Das eigentliche Problem werde vielmehr bei der örtlich gefahrenen Geschwindigkeit gesehen, wofür der beidseitige Blitzer nun Abhilfe schaffen soll.

Planungen für Ortsumfahrungen laufen

Auch Ortsumfahrungen sollen kommen. Sie sind laut Lasuv für Großolbersdorf/Hohndorf und Reitzenhain weiterhin vorgesehen und in den Bundesverkehrswegeplan 2030 in den "Vordringlichen Bedarf" eingeordnet worden.

In Reitzenhain gilt nachts Tempo 30, zur Ruhe kommen die Anwohner dort wegen des Verkehrs trotzdem nachts nicht. Bildrechte: MDR/Philipp Brendel

Die Vorplanung für die Vorzugstrasse der Ortsumgehung Großolbersdorf/Hohndorf sei bereits abgeschlossen und vom Bund genehmigt. Aufgrund des frühen Planungsstands könne jedoch noch kein Termin für einen Baubeginn genannt werden, so das Lasuv. Die Kosten würden auf 34 Millionen geschätzt.

Auch für eine Ortsumfahrung von Reitzenhain könne wegen des frühen Stands der Planungen kein möglicher Baubeginn angegeben werden, eine Vorplanung seitens des Bundes sei jedoch bestätigt. Die Kosten würden aktuell mit vier Millionen Euro angegeben.

Eine unendliche Geschichte: Bürgerinitiativen suchen Hilfe bei Bundesverkehrsminister

Die Bürgerinitiativen der Region wollen weiter für ein Nachtfahrverbot für Lkw kämpfen und werden deshalb gemeinschaftlich das Bundesverkehrsministerium um Hilfe bitten, so Jürgen Mädler von der Bürgerinititive Lärmschutz. Zuvor hatten sie einen Brief an die Sächsische Staatsregierung geschickt. Darin forderten sie neben einem Nachtfahrverbot für Lkw die Schließung des Grenzüberganges Reizenhain. Dies wurde aber abgelehnt.

MDR (kpb)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Nachrichten | 07. Mai 2022 | 18:30 Uhr

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