Wetterausblick und Folgen Marienberg-Kühnhaide knackt Kälterekord - Sachsen im Dauerfrost

Ein Thermometer steckt in einem eisigen Würfel und zeigt die Kälte von minus 25,7 Grad an. Dieser Wert wurde in de rNacht zum 10.2.2021 in Morgenröte-Rautenkranz gemessen.
Bildrechte: MDR/Panthermedia

Wetterausblick bis Donnerstag

Bis zur Tagesmitte des Mittwochs gab es laut Metorologen immer wieder leichtere Schneefälle vom Vogtland übers Erzgebirge bis in die Oberlausitz hinein. "Allerdings keine Angst, die ganz großen Neuschneemengen sind nicht in Sicht", sagte Jörg Schröder vom MDR-Wetterstudio. Über dem Großraum Leipzig, dem nördlichen Sachsen bis an die Elbe heran, scheint am Mittwoch immer wieder auch Sonne. Die Temperaturen verharren im zweistelligen Minusgradbereich, erklärte Jörg Schröder.

Auch in der Nacht zum Donnerstag strenger Frost, meist zwischen minus 13 und minus 20 Grad.

Deutscher Wetterdienst Ausblick auf die Nacht zu Freitag

Am Donnerstag müssen die Sachsen auf Sonne verzichten, gebietsweise gibt es wieder leichten Schneefall, kündigte der Deutsche Wetterdienst (DWD) an. Im Tiefland könnte demnach ein Zentimeter Neuschnee fallen, im Bergland und dem Erzgebirgsvorland bis zu fünf Zentimeter. "Wärmer" als minus 7 bis minus 4 Grad Celsius soll es nicht werden. Im Bergland werden morgen tagsüber um minus 10 Grad erwartet. In der Nacht zu Freitag könnten die Temperaturen auf bis minus 20 Grad Celsius fallen.

Rückblick: Eiskalte Frostnacht in Sachsen

Die Nacht von Dienstag zu Mittwoch war knackig kalt. In vielen Orten in Sachsen sank die Temperatur unter minus 20 Grad.

  • Am kältesten war es im Marienberg-Kühnhaide, wo der Spitzenwert von minus 25,7 Grad Celsius gemessen wurde, berichtet das MDR-Wetterstudio.
  • Auf dem zweiten Platz liegt Dippoldiswalde mit minus 23,9 Grad, dicht gefolgt von Oderwitz mit minus 23,1 Grad.
  • In Crimmitschau maßen Anwohner nachts kurz nach 1 Uhr minus 22 Grad.
  • In Hainichen sank das Quecksilber auf minus 21,9 Grad.
  • Sachsens Kältekammer Morgenröthe-Rautenkranz schaffte es mit minus 21,8 Grad noch gerade so in die Top 6 der kältesten Nächte in Sachsen.

Verschneites Kampffflugzeug in Morgenröthe Rautenkranz
Morgenröthe-Rautenkranz ist nicht nur der Geburtsort des ersten Deutschen im All, Sigmund Jähn, der Ortsteil der Gemeinde Muldenhammer ist auch ein Kältepol in Sachsen. Die Wetterstation im Ort belegt das seit rund 20 Jahren, sagt Konrad Stahl, langjähriger Bürgermeister und Chef des Heimatvereins. Eisige Temperaturen seien für den vogtländischen Ort zum Markenzeichen geworden. Das aktuelle Wetter mit Schnee und Frost beunruhigt die Bewohner deshalb kaum. Bildrechte: MDR SACHSEN/Bernd Schädlich

Es ist aber nicht das erste Mal, dass sich der Frost so durchsetzt. Am 18. Januar wurde in Marienberg-Kühnhaide schon einmal ein Wert unter minus 20 Grad gemessen - exakt minus 22,2 Grad Celsius.

Hinweise für Hauseigentümer

Die Feuerwehr in Dresden war am Mittwoch auch im Einsatz, um eigene Rettungsfahrzeuge aus den Schneemassen zu befreien. Generell sei sie jedoch nicht für die Schnee-Beräumung zuständig, erklärt Sprecher Michael Klahre. In Notfällen unterstütze sie jedoch Hauseigentümer bei der Beräumung von Eis und Schnee. Die Kosten dafür müssen die Eigentümer selbst bezahlen. Derartige Einsätze kosteten 600 Euro pro Stunde.

Die Landesdirektion Sachsen als Arbeitsschutzbehörde hat unterdessen alle Hauseigentümer gemahnt, beim Beräumen der Dächer von Eis und Schnee äußerte Vorsicht walten zu lassen. Die Dächer sollten nur angeleint betreten werden, betonte die Landesdirektion.

Rohrbrüche in Mittelsachsen

In Mittweida im Landkreis Mittelsachsen sind seit Dienstagabend 20 Haushalte von einem Wasserrohrbruch betroffen. Als Ursache vermutet René Roth vom Zweckverband "Kommunale Wasserver-/Abwasserentsorgung Mittleres Erzgebirgsvorland" Hainichen (ZWA) allerdings nicht die Kälte. Die Ursache müsse erst noch gefunden werden. Am späteren Mittwochnachmittag soll der Schaden behoben sein, hieß es auf Nachfrage von MDR SACHSEN.

Generell sollten die Leute überall prüfen, dass ihre Kellerfenster geschlossen und die Wasseruhren frostsicher sind.

Die vier betroffenen Häuser lägen an einer abschüssigen Nebenstraße, das herausgetretene Wasser sei in eine Hauptstraße gelaufen. Bauhofmitarbeiter hatten in der Nacht versucht, das Eis auf der Bahnhofstraße und Leisniger Straße mit Salzen aufzulösen, erklärte die Stadtverwaltung dazu. Mittlerweile ist die Bahnhofstraße wieder freigegeben worden.

Deutsche Bahn nur taut langsam auf - ICE-Strecke Erfurt-Leipzig-Halle weiter gesperrt

Widrige Wetterumstände erschweren den Räum- und Reparaturtrupps die Arbeit, auch Züge und Maschinen leiden unter den extremen Bedingungen.

Deutsche Bahn zur Wetterlage

Im Fernverkehr der Deutschen Bahn gibt es auch am Mittwoch weiterhin Verzögerungen und Einschränkungen. Die ICE-Schnellstrecke zwischen Erfurt, Leipzig und Halle bleibt vorerst weiter gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn hat die Strecke keine oberste Priorität. Wann sie von Schnee und Eis geräumt werde, stehe noch nicht fest. Laut einer Bahnsprecherin liege so viel Schnee, dass man nicht wisse, wo man anfangen solle. Im Regionalverkehr fahren dagegen wieder mehr Züge. Es gibt aber weiter Verspätungen.

Die Aussage der Bahn veranlasste Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, zum Hörer zu greifen und Bahnvorstand Lutz dazu zu bewegen, die Beräumung der Strecke schnellstmöglich zu veranlassen. Offenbar mit Erfolg, wie Kretschmer bei Twitter verkündete:

Ab Donnerstag Fernverkehr ab Dresden

"Ab Mittwoch kann Leipzig wieder mit einzelnen Zügen angefahren werden", teilte die Deutsche Bahn mit. Zudem würden Intercity-Züge mittlerweile wieder eingeschränkt zwischen Leipzig, Hannover und Norddeich Mole fahren. Der Schwerpunkt der Winterräumarbeiten konzentriere sich immer mehr auf die Verbindungen im Regional- und Güterverkehr.

Von diesem Donnerstag an soll der Fernverkehr zwischen Dresden und Frankfurt/Main wieder aufgenommen werden.

Lage auf Straßen entspannt sich

Die Verkehrslage auf Sachsens Straßen war am Mittwoch entspannter, als noch zu Wochenbeginn. "Die Räumdienste leisten ganze Arbeit. Die Fahrbahnen der Autobahnen und der meisten Bundes- und Staatsstraßen sind geräumt", sagte ein Sprecher des Verkehrswarndienstes. Er riet den Autofahrern aber, vor allem in den Höhenlagen vorsichtig zu fahren, weil es wegen der eisigen Temperaturen immer wieder zu glatten Straßen kommen könne.

Der Automobilclub (ADAC) rät angesichts der Frosttemperaturen dazu, sich auf längere Autofahrten gut vorzubereiten. Wichtig seien ein voller Tank, genügend Scheibenwischwasser sowie warme Winterkleidung, warmes Schuhwerk, warme Getränke und Snacks an Bord. Weil manche Autofahrer während des Lockdowns seltener Auto gefahren sind, lohne es sich, vor Fahrtantritt die Batterie zu kontrollieren. Und: Türschlossenteiser sollten niemals im Auto aufbewahrt werden.

Lkw mit Sommerreifen problematisch

Die meisten Autofahrer seien umsichtig unterwegs, so der Verkehrswarndienst. Die größten Probleme verursachten Lastwagenfahrer, betonte der Sprecher. Immer wieder stellten sich Laster quer und behinderten so den Verkehr und auch das Durchkommen der Rettungsfahrzeuge. Die meisten Rastanlagen entlang der Autobahnen sind derzeit überfüllt oder fast ausgelastet.

Es wäre allen geholfen, wenn die Lastwagen mit Winterreifen unterwegs wären. Leider ist das aber nicht immer der Fall.

Sprecher des Verkehrswarndienstes

Was ist mit Haustieren bei der Hundekälte?

Auch wenn Frauchen und Herrchen bei Frost bibbern, die meisten Hunde fühlen sich pudelwohl im Schnee, sagt Haustierexperte und Tierarzt Dr. Jörg-Peter Popp. In der Haustiersprechstunde von MDR SACHSEN erklärte er auch, wie Katzen diese frostigen Tage draußen gut überstehen und was Besitzer von Kaninchen und Kanarienvögeln jetzt beachten sollten.

Die Tierarztsprechstunde von MDR SACHSEN als Podcast können Sie hier abonnieren.

Folgen für Naturschutz und Grundwasser

Auch Naturschützer freuen sich über den Schnee und damit über Feuchtigkeit. Schnee trage dazu bei, den Grundwasserspiegel aufzufüllen und die Gewässer zu regenerieren, sagte Teichwirt Rico Voss aus Tharandt. "Dann können wir im Frühling mit ordentlichem Tauwasser starten. Das hat eine reinigende Wirkung für die Flüsse, Sediment wird befördert und Nährstoffe in Seen und Teiche eingetragen", sagte der Experte MDR SACHSEN. Zudem sei es für Jungpflanzen nur gut, dass sie vor der eisigen Kälte unter einer Schneeschicht geschützt bleiben.

Mehr Feuchtigkeit benötigt auch das Grundwasser. Laut Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Sachsen befinden sich die Grundwasserstände "weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau". Anfang der Woche unterschritten zwei Drittel der Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand um durchschnittlich 63 Zentimeter. In Sachsen werden 169 Messstellen regelmäßig ausgewertet.

Die aktuelle Analyse und Einordnung der Grundwasserstände für Sachsen finden Sie hier.

Quelle: MDR/ma/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.02.2021 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz
MDR SACHSENSPIEGEL | 10.02.2021 | 19:00 Uhr

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