Männelmacher Erzgebirgische Kunsthandwerker fordern zeitnahe Entscheidung zu Weihnachtsmärkten

Die Männelmacherinnen und Männelmacher aus dem Erzgebirge haben die Adventszeit fest im Blick. Sie fordern deshalb eine zeitnahe Aussage, ob sie mit Weihnachtsmärkten planen können. Wenn nicht, verkaufen sie wieder zunehmend online. Dass die Nachfrage nach Nussknackern, Bergmännern, Engeln, Räucherleuten und Pyramiden unverändert besteht, habe die Fachmesse Cadeaux am Wochenende in Leipzig bewiesen, heißt es vom Verband.

Festlich beleuchtet ist der Weihnachtsmarkt um das Rathaus in Chemnitz am 30.11.2019.
Wird es in diesem Jahr den Chemnitzer Weihnachtsmarkt geben? Die erzgebirgischen Männelmacher drängen auf klare Aussagen bis Anfang Oktober, ob sie mit Weihnachtsmärkten planen können. Bildrechte: imago images/Uwe Meinhold

Die erzgebirgischen Kunsthandwerker drängen auf verbindliche Aussagen zu den Weihnachtsmärkten in diesem Jahr. Frederic Günther, Geschäftsführer des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, sagte MDR SACHSEN, man habe sich an Kommunen und Marktveranstalter mit der Bitte gewandt, sich bis zum 1. Oktober zu positionieren. Im vergangenen Jahr hatten anfängliche Zusagen und spätere Absagen für Unmut in der Branche gesorgt. "Je eher wir Klarheit haben, desto eher können wir mit alternativen Vertriebskanälen planen", so Günther. "Weihnachtsmärkte mit 3G-Regel, zu denen nur Geimpfte, Genesene oder Getestete Zugang haben, lassen sich aus unserer Sicht nicht praktikabel umsetzen."

Umsatzrückgänge vor allem im Fachhandel

Coronabedingt waren die Umsätze der Hersteller im vergangenen Jahr um rund 12,5 Prozent gesunken. Pro Jahr erwirtschaften die Männelmacherinnen und Männelmacher im Erzgebirge durchschnittlich gut 50 Millionen Euro. Allein auf Sachsens Weihnachtsmärkten seien vor Corona in der Saison schätzungsweise fünf bis sechs Millionen Euro Umsatz mit Holzkunst aus dem Erzgebirge generiert worden, sagte Günther.

Härter als die Hersteller selbst, habe es den Fachhandel getroffen. Dort habe der Umsatzeinbruch bei durchschnittlich 25 Prozent gelegen. Einzelne Fachhandelspartner, die auf Tourismus in Metropolen angewiesen sind, hätten sogar 70 Prozent weniger erzgebirgische Volkskunst verkauft. Die Hersteller selbst hätten über Direktvertrieb oder Online-Shops allzu herbe Verluste abfedern können.

Sammler erzgebirgischer Volkskunst finden ihre Wege, um neue oder lange begehrte Stücke zu erwerben.

Frederic Günther Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V.

Spontankäufe von Touristen haben gefehlt

Was in der vorigen Adventszeit gefehlt habe, seien Touristen, die sich spontan beim Besuch in Sachsen erzgebirgisches Kunsthandwerk kauften. Allerdings habe man bei dieser Käuferschicht im Juli und August im Erzgebirge steigende Nachfrage registriert. Der Export, der etwa 15 Prozent vom Umsatz ausmache, habe meist geklappt. Allerdings gab es Verzögerungen durch fehlende Transportkapazitäten nach Japan und in die USA, zudem seien die Frachtkosten für die Hersteller markant gestiegen.

Cadeaux Leipzig bleibt wichtigste Messe der Branche

Am vergangenen Wochenende haben sich nach Günthers Angaben rund 20 Hersteller auf der Fachmesse für Geschenk- und Wohntrends, Cadeaux, in Leipzig präsentiert. Etwa genauso viele Hersteller seien nicht gekommen, weil sie bereits fürs bevorstehende Weihnachtsgeschäft ausverkauft seien. Wichtiger als die Herbst-Cadeaux ist für die Branche die Frühjahrausgabe im März, die ausgefallen war.

Der Verbandschef betont, dass diese Fachmesse für das Inlandsgeschäft auch künftig von Bedeutung sei. Das hätten die Kontakte zu Fachhändlerinnen und Fachhändlern erneut bewiesen, die sich in Leipzig aktuelle echt erzgebirgische Holzkunst anschauten und orderten. Frederic Günther zeigte sich erleichtert darüber, dass sich der große insolvente Händler Käthe Wohlfahrt (Rothenburg ob der Tauber) in Eigenverwaltung saniere und dabei weiter auf Holzkunst aus dem Erzgebirge setze.

Fachgeschäft für Weihnachtsartikel, Käthe Wohlfahrt Weihnachtsdorf
Bei Käthe Wohlfahrt im romantischen Rothenburg in Mittelfranken ist das ganze Jahr über Weihnachten. Für erzgebirgische Kunsthandwerker ist das Handelunternehmen ein wichtiger Partner, erreicht es doch eine internationale Käuferschicht. Bildrechte: imageBROKER/EgonxBömsch

Corona-Figuren wahrscheinlich vorübergehende Sortimentserweiterung

Figuren mit Bezug zu Corona, wie der Drosten-Räuchermann, Homeschooling-Osterhasen oder der Covidfighter-Nussknacker für den amerikanischen Markt, ergänzten mutmaßlich vorübergehend das Sortiment, so Günther auf Anfrage. Er betonte aber in diesem Zusammenhang, dass Karikaturen - etwa der Obrigkeit - traditionell schon immer ein fester Bestandteil erzgebirgischer Figuren gewesen seien.

Die Branche der Kunsthandwerker und Spielzeugmacher beschäftigt im Erzgebirge rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Verbandschef Günther verweist darauf, dass auch das Kunsthandwerk zunehmend unter Personalnot leide. Das treffe auch auf Verkaufspersonal für Weihnachtsmärkte zu.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 04. September 2021 | 08:00 Uhr

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