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Die Tankpreise in Tschechien lohnen sich nur für diejenigen, die in der Nähe der Grenze leben. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Hohe BenzinpreiseLohnt sich Tanken in Tschechien noch?

von Matthias Wetzel, MDR SACHSEN

Stand: 09. März 2022, 20:13 Uhr

Diesel und Super kosten weit über zwei Euro. Da überlegt man es sich genauer, wann und wo man tankt. Besonders in den Grenzregionen machen sich die Preisunterschiede an den Tanksäulen bemerkbar, wie MDR SACHSEN-Reporter Matthias Wetzel an der B174 diesseits und jenseits des Erzgebirgskamms herausgefunden hat. Oder doch nicht?

Sechs Autos stehen an der modernen Tankstelle kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze. Alle haben deutsche Nummernschilder. Eine junge Frau aus Chemnitz betankt gerade ihren Wagen. Sie ist die rund 50 Kilometer hierher gefahren zum Tanken.

Aber lohnt es sich denn überhaupt eine solche lange Fahrt, da ist doch der Spareffekt, wenn überhaupt, nur minimal? "Ja deutlich, 20 Cent pro Liter sind es auf jeden Fall", ist sich die junge Frau sicher. "Wenn man vernünftig fährt – hin und zurück – dann lohnt sich das trotzdem. Und man nimmt noch 20 Liter mit, das was erlaubt ist und dann ist das allemal gut."

Keine Preisersparnis für viele Sachsen in Tschechien

Ein sehr optimistischer Ansatz – allerdings ohne Grundlage. Denn kurz hinter der deutschen Grenze kostet der Liter Super gerade 2,02 Euro. In Chemnitz zur gleichen Zeit 2,18 Euro. Macht bei 60 Litern getanktem Benzin eine Preisersparnis von gerade mal 9,60 Euro. Die wird von den Fahrtkosten von etwa 15 Euro aufgefressen.

Was bleibt ist ein Minus in der Kasse und zwei Stunden verfahrene Lebenszeit - von der Umweltbilanz ganz zu schweigen. Vielen dämmert das allerdings erst an der tschechischen Zapfsäule, wie diesem Chemnitzer, der gerade beruflich in der Nähe war.

"Also es lohnt sich bald nicht mehr", räumt er ein. Er habe im Internet gelesen, dass der Diesel in Grenznähe bei 1,46 Euro pro Liter kosten würde. "Und jetzt fahre ich hier rein: 2,02 Euro", erzählt er. "Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich wegen den paar Cents nicht hergefahren."

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Nicht mehr deutsche Kunden an tschechischen Tankstellen

Die tschechische Tankstellenpächterin sagt, 85 bis 90 Prozent der Kunden kämen schon immer aus Deutschland. Und dieser Anteil sei in den vergangenen Tagen nicht gestiegen.

An der Shell-Tankstelle in Marienberg ein paar Autominuten weiter auf der deutschen Seite hat sich inzwischen eine Schlange gebildet – allerdings nicht an den Zapfsäulen, sondern an der Waschanlage. Eine Marienbergerin poliert ihren Wagen gerade auf Hochglanz. Zum Tanken fährt sie aber rüber nach Tschechien.

"Nein ich war nicht hier tanken, weil mir das zu teuer geworden ist", sagt sie. Sie sei auch vorher schon oft zum Tanken über die Grenze gefahren, nun würde sie aber gar nicht mehr in Deutschland tanken.

Menschen in Grenznähe profitieren

Für Menschen, die in der Nähe der tschechischen Grenze leben, stimmt die Rechnung nach wie vor. Ambitionierten Tanktouristen und Sparfüchsen empfiehlt es sich aber, vorher lieber den Taschenrechner zu zücken.

Benzinpreise in Polen deutlich niedrigerIn Polen wurde die Mehrwertsteuer auf Benzin zum 1. Februar von 23 Prozent auf acht Prozent vorübergehend gesenkt. Die Regelung gilt für sechs Monate. Ein Liter Super ist dadurch etwa 50 Cent bis 65 Cent günstiger als in Deutschland.

MDR (al)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | 09. März 2022 | 16:50 Uhr