Ermittlungen Wurden Arzneimittel in Chemnitzer Apotheke falsch dosiert?

Patienten sollen sich darauf verlassen, dass sie in der Apotheke das richtige Medikament bekommen, insbesondere, wenn es speziell für sie und ihre Diagnose hergestellt wird. In Chemnitz gibt es den Verdacht, dass Krebsmedikamente bei der Herstellung in einer Apotheke falsch dosiert wurden.

In einer Chemnitzer Apotheke ist es offenbar zu Unregelmäßigkeiten bei der Herstellung von Zytostatika gekommen. Die speziellen Infusionen werden speziell abgestimmt und dosiert für Krebspatienten hergestellt. Nur 30 Apotheken in Sachsen haben die Erlaubnis dafür.

Diese hohe Verantwortung für Patienten soll eine Chemnitzer Apotheke nicht ernst genug genommen haben. Ein anonymer Hinweis brachte den Stein ins Rollen. Die Landesdirektion, zu der die sächsische Apothekenaufsicht gehört, sei darauf aufmerksam geworden, sagt Ingolf Ulrich, einer der Stellvertretenden Pressesprecher. "Wir haben einen Hinweis aus der Mitarbeiterschaft bekommen. Ein sogenannter Whistleblower hat uns über die Unregelmäßigkeiten bei der Herstellung von Zytostatika informiert." Diesen Hinweisen sei man sofort nachgegangen. "Wir haben geklärt, um welche Apotheke es sich handelt, was zuerst noch nicht feststand." Danach habe man gemeinsam mit Staatsanwaltschaft und Polizei eine Durchsuchung der Apotheke vorgenommen.

Ein Mann mit dunkelblauem Sakko und blauem Hemd steht vor der Landesdirektion Sachsen (Ingolf Ulrich, Landesdirektion Sachsen).
Der Hinweis auf Unregelmäßigkeiten in der Chemnitzer Apotheke sei anonym bei der Landesdirektion eingegangen, sagt Sprecher Ingolf Ulrich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Falsch dosierte Medikamente

Laboruntersuchungen der mitgenommen Proben ergaben, dass ein Teil der Medikamente falsch dosiert war. In einigen Fällen war die Dosierung zu hoch, in anderen zu niedrig. Nun liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Dort wird wegen mehrerer möglicher Vergehen ermittelt, sagt Sprecher Jörg Wunderlich. "Es wird ermittelt, inwieweit der Beschuldigte möglicherweise Abrechnungsbetrug gegenüber den Krankenkassen begangen hat. Weiterhin wird untersucht, ob Verstöße hinsichtlich der Zytostatika-Herstellung gegen das Arzneimittelgesetz vorliegen." Wie viele Patienten falsch dosierte Krebsmedikamente bekommen haben, werde derzeit noch ermittelt. Die Herstellung der Infusionen für die betroffene Apotheke hat vorübergehend das Chemnitzer Klinikum übernommen.

Leipziger Apotheker: Jeder Patient erhält genau abgestimmte Dosis

Warum die Herstellung von Zytostatika extrem anspruchsvoll ist, erklärt der Leipziger Apotheker Tobias Großmann. "Die Wirkstoffe kommen entweder vom pharmazeutischen Großhandel oder im großen Umfang direkt von den Herstellern." Daraus werde eine individuelle Dosis für jeden einzelnen Patienten hergestellt. "Jeder Patient bekommt eine Dosierung, die sich nach seiner Körperoberfläche, dem Körpergewicht oder nach seinem Therapieschema richtet."

Ein Mann mit weißem Kittel und Mundschutz steht auf einem Laborgang und hält eine Medikamentenschachtel in der Hand.
Der Leipziger Apotheker Tobias Großmann weiß, wie individuell Zytostatika auf die Patienten angepasst werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zytostatika Zytostatika sind pharmazeutische Wirkstoffe, die die Zellteilung und das Zellwachstum hemmen. Sie schädigen vor allem schnell wachsende Zellen mit hohem Stoffwechselumsatz. Deshalb werden sie zur Krebstherapie eingesetzt. Zytostatika greifen auch gesundes Zellgewebe an. Das führt zu den typischen Nebenwirkungen, die in der Krebstherapie bekannt sind.
Quelle: www.gesundheit.de

Bei turnusmäßigen Kontrollen der Chemnitzer Apotheke durch die sächsische Apothekenaufsicht wurden in der Vergangenheit keine Verstöße festgestellt, sagt Landesdirektionssprecher Ingolf Ulrich. "Bei einer sogenannten Bilanzkontrolle Anfang August wurde auch geprüft, welche Wirkstoffe eingekauft wurden und welche Medikamente die Apotheke herausgegeben hat. Bei dieser Kontrolle konnten wir keine Unregelmäßigkeiten feststellen."

Quelle: MDR/tfr/mur

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 18. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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