Ermittlungen Tod eines Asylbewerbers in Chemnitz wirft Fragen auf

Der Tod des Asylbewerbers Bilal J. in Chemnitz wirft viele Fragen auf. Er wurde am 19. Mai tot in seinem Bett aufgefunden. Die Familie berichtet von einer vorangegangen Auseinandersetzung mit einer Kopfverletzung. Ob diese ursächlich für den Tod ist, wird derzeit von der Polizei ermittelt.

Polizei-Absperrband
Die Polizei ermittelt zu den Todesumständen von Bilal J. Der 31-Jährige war am 19. Mai tot in einer Asylbewerberunterkunft in Chemnitz aufgefunden worden. Bildrechte: imago/Eibner

Nach dem Tod eines 31 Jahre alten Asylbewerbers in Chemnitz ermittelt die Polizei. Der Libanese Bilal J. war am 19. Mai tot in seinem Bett in einer Asylbewerberunterkunft gefunden worden.

Nach Aussagen seiner Familie sei Bilal am Abend seines Todes in eine gewalttätige Auseinandersetzung verwickelt gewesen. Dabei habe er sich eine Kopfverletzung zugezogen. Hussein J., der Cousin von Bilal, ist sich sicher, dass diese Kopfverletzung zum Tod geführt hat.

Augenzeugen der Auseinandersetzung bislang nicht befragt

Einem Bericht der Taz zufolge, soll es auch Augenzeugen der Auseinandersetzung geben. Sie sollen dem Reporter der Zeitung auch einen mutmaßlichen Täter genannt haben. Dieser habe Bilal eine Flasche über den Kopf geschlagen.

Alle mutmaßlich Beteiligten - Augenzeugen und Angreifer - sind eigenen Aussagen der Taz gegenüber bislang nicht von der Polizei kontaktiert worden. "Die angebliche Auseinandersetzung und ihr Zeitpunkt sei Teil des laufenden Todesermittlungsverfahrens", so die Polizei. Weitere Auskünfte wollten die Ermittler auf Nachfrage dazu nicht geben.

Am Erbrochenen erstickt

Das Ergebnis des vorläufigen Obduktionsberichts gaben sie allerdings bekannt. Demnach sei Bilal J. durch das Einatmen von Erbrochenem gestorben. "Da dies verschiedene Ursachen haben kann, wurden seitens der Gerichtsmedizin Zusatzuntersuchungen veranlasst, deren Ergebnisse noch ausstehen", so die Polizei.

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exactly Mo 09.05.2022 08:00Uhr 21:24 min

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Fehlender Arzt verzögert Leichenschau

"Wir haben das Gefühl, dass die Polizei nicht wirklich motiviert ermittelt", sagt Hussein. So habe sein Cousin nach Feststellung des Todes am Mittag noch bis Mitternacht in seinem verschlossenen Zimmer gelegen. "Dies ist dem Umstand geschuldet, dass nur ein Arzt die Leichenschau durchführen und daraufhin den endgültigen Totenschein ausstellen darf", erklärt die Polizei auf Anfrage von MDR SACHSEN.

Tagsüber sei kein Arzt verfügbar gewesen. "Dieser höchst bedauerliche Umstand ist gewiss für die Angehörigen unverständlich, aber für uns als Polizei nicht abänderbar." Die Verzögerung habe aber keinen Einfluss auf die Obduktionsergebnisse.

Warum rief niemand einen Arzt?

Eine weitere Frage, die Bilals Cousin beschäftigt, ist, warum niemand in der Unterkunft einen Arzt zur Hilfe rief. "Ein Zeuge hat uns erzählt, dass mein Cousin bei einem der Security-Mitarbeiter nachts in der Unterkunft nach einem Arzt gefragt hat", sagt er. Ob das stimme, könne er allerdings nicht sagen.

"Nach den Informationen, die der Stadt vorliegen, ist der Bewohner nachts in die Einrichtung zurückgekommen und direkt in sein Zimmer gegangen, ohne jemanden nach einem Arzt zu fragen oder eine mögliche Verletzung anzuzeigen", teilte die Stadt Chemnitz auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. "Dies hätte der Sicherheitsdienst im Rahmen seiner Dokumentationspflicht in einem Bericht festgehalten."

Mitbewohner rief auch keinen Arzt

Bilals Mitbewohner, mit dem er sich am Abend noch unterhalten hatte, rief ebenfalls keinen Arzt. "Bilal hat ihm wohl gesagt, dass er schlafen und am nächsten Tag zum Arzt gehen will", sagt Hussein. Er wolle dem Mann keinen Vorwurf machen. "Ärzte sind in diesen Ländern sehr teuer und man ruft sie nicht so schnell", sagt er. Wann mit dem endgültigen Obduktionsergebnis zu rechnen ist, ist derzeit noch unklar.

MDR (al)

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