Auto-Enthusiastinnen Tuningtreffen in Chemnitz: Antonia, Maxi und Vanessa schrauben am Traum aus Blech

Erstes Vorurteil: Stärker, tiefer, schneller, breiter - so sind alle getunten Fahrzeuge. Zweites Vorurteil: Schrauben ist Männersache. Bei einem Tuningtreffen in Chemnitz konnten wir mit diesen Vorurteilen aufräumen.

Auf einer Ausstellungsfläche stehen getunte Fahrzeuge umringt von Besuchern.
Sehen und gesehen werden: Die Tuning-Szene ist groß - und nicht mehr allein von Männern dominiert. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

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Chemnitz hat am Wochenende ein Tuningtreffen mit mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erlebt. Alles, was Schrauberinnen und Schrauber aus normalen Fahrzeugen herausholen können, war zu sehen. Eingeladen hatte der "Fordschritt Society"-Tuningclub. Dessen Sprecherin Antonia Süß freut sich, dass so viele Teilnehmer zum Treffen gekommen sind. "Wir sind alle vernetzt über Social Media, auch über die Clubgrenzen hinweg." Außerdem stehe das Treffen unter dem Motto "Gemeinsam stark gegen Markenhass". Was Süß damit bezwecken will? "Dadurch ist jeder hier willkommen, ganz gleich welche Fahrzeugmarke sein Favorit ist."

Antonia Süß, Pressesprecherin des Tuningclubs "Fordschritt Society" an ihrem Auto.
Auch Antonia Süß lebt ihren eigenen automobilen Traum. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Süß ist selbst fasziniert von den individuell umgebauten Autos. "Wir wollen keine Fahrzeuge von der Stange und möchten unsere individuellen Intentionen verwirklichen."

Wir - das sind längst nicht mehr nur Männer. Auch Antonia Süß hat sich gerade einen Ford Mondeo MK 1 von 1994 gekauft, der nun Stück für Stück sein Aussehen nach ihren Vorstellungen verändern wird. "So ein Auto ist eigentlich nie fertig", sagt sie. Immer mehr Frauen seien in den vergangenen Jahren in den Tuningclubs eingetreten. "Das ist längst keine Männerdomäne mehr."

Vanessa: "Ich wollte schon als Kind so ein Fahrzeug"

Vanessa wurden die Schrauber-Gene schon in die Wiege gelegt: "Meine Eltern waren beide Schrauber und ich wusste schon mit sechs Jahren, dass ich beruflich etwas mit Autos machen will."

Die gelernte Kfz-Mechatronikerin aus Zwickau schraubt jetzt an ihrem Autotraum, einem VW Vento. "Ich habe das Auto schon getunt gekauft. Nun wird es Schritt für Schritt nach meinen Vorstellungen umgebaut", sagt die 23-Jährige. Hinterachse mit Scheibenbremsen, Gewindefahrwerk, neuer Lack - die Wunschliste ist lang.

Tunerin Vanessa sitzt vor ihrem getunten Auto auf dem Boden.
Vanessa kann als Kfz-Mechatronikerin ihren VW selbst tunen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

"Es wird irgendwann meinem eigenen Geschmack entsprechen und meiner Individualität", sagt sie. "Aber das ist auch eine Frage des Geldbeutels. Alles auf einmal zu machen, geht nicht." Dabei könne sie schon viel Geld sparen, weil sie die Umbauten selbst erledigen kann.

In der Tuning-Szene haben die Frauen längst einen festen Platz: "Ich hatte schon in der Ausbildung keinerlei Probleme. Und hier helfen wir uns alle - Anruf genügt."

Eine rote, glänzende Felge an einem tiefergelegten Fahrzeug.
Die auffälligen roten Felgen will Vanessa bald durch andere ersetzen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Maxi: "Nach jeder Tankfüllung streichle ich das Auto"

Maxi kommt ebenfalls aus dem Zwickauer Raum und hat zu ihrem schwarzen Passat ein ganz besonders emotionales Verhältnis. Meine Eltern hatten das gleiche Auto und ich wollte unbedingt auch so eines haben." Jetzt habe sie sich diesen Traum erfüllen können. "Ich verbinde einfach sehr viel mit genau diesem Auto."

Stolz sei sie auch, weil sie ihren Traum auch selbst finanziert. "Kauf, Versicherung, Steuern und nicht zuletzt der Sprit - das bezahle ich alles selbst", sagt die 19-Jährige Das Auto werde immer bei ihr bleiben. "Sollte der Motor, der schon 300.000 Kilometer gelaufen ist, irgendwann den Geist aufgeben, kommt ein neuer rein. Aber das Auto bleibt bei mir".

Tunerin Maxi neben ihrem schwarzen Auto.
Eine Liebe fürs Leben: Maxi wird sich nie von ihrem VW trennen - sagt sie selbst. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Sie streichle nach jeder Tankfüllung übers Armaturenbrett, sagt sie und lächelt: "Wieder mal ohne Probleme geschafft!" Tuning habe für sie nichts mit Prahlerei zu tun. "Natürlich hat mein Passat 19 Zoll Alufelgen, einen schwarzen Grill und ein paar Chromleisten bekommen. Eben so, wie er mir gefällt."

Aber sie muss nicht um jeden Preis auffallen. Dafür schwärmt sie vom Clubleben. "Es gibt nicht nur überall Hilfe. Wir treffen uns auch fast täglich in unserem Clubhaus." Das sei wie eine zweite Familie, sagt sie.

Ein Aufkleber auf einer Heckscheibe; "The Headquarter e,V.".
Die Tuning-Clubs in der Region sind miteinander vernetzt. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Der Treff in Chemnitz ist für die drei Tuning-Frauen kein PS-Vergleich gewesen. Die illegale Rennpiste gab es am Selgros-Parkplatz nicht. Für alle Beteiligten war der Sonntagsausflug ein Treff unter Freunden.

MDR (tfr)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport | 09. Mai 2022 | 06:30 Uhr

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