Nachwuchs Vietnamesen backen in Erzgebirgs-Bäckerei mehr als nur kleine Brötchen

Wenn man "zum Vietnamesen" geht, dann gibt es meist Reis mit Hühnerfleisch, Frühlingsrollen oder knusprige Ente. In Hohndorf backen in einer Traditionsbäckerei zukünftig zwei Vietnamesen Brötchen und Kuchen.

Ein Vietnamesischer Bäcker formt Brötchen auf einem Blech, eine Vietnamesin mit Korb steht dahinter.
Duc Hoang Dinh und Hieu Minh Pham (v. l.) haben eine Ausbildung in der Bäckerei Bauerfeind in Hohndorf begonnen. Bildrechte: ERZ-Foto/Georg Ulrich Dostmann

In der Bäckerei Bauerfeind in Hohndorf zwischen Lichtenstein und Oelsnitz im Erzgebirge absolvieren Hieu Minh Pham und Duc Hoang Dinh seit etwa einem Jahr ihre Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin beziehungsweise zum Bäcker. Die beiden 24 Jahre alten Azubis sind in der Bäckerei beliebt. Die Brüder Norman und Erik Bauerfeind, die die Bäckerei gemeinsam betreiben, freuen sich über das positive Auftreten, den Fokus auf die Arbeit und die Pünktlichkeit, die sie an den Tag legen. Das vietnamesische Paar lebt in einer kleinen Wohnung in Hohndorf, die sie mit Unterstützung ihrer Chefs bekommen haben. Auch bei der Einrichtung half ihr Ausbildungsbetrieb. Ihre Ausbildung dauert noch zwei Jahre.

Keine einheimischen Frühaufsteher zu finden

Die Brüder Bauerfeind konnten bisher keine einheimischen Bewerberinnen oder Bewerber mehr für ihre offenen Ausbildungsstellen finden. Sie mussten sich nach Alternativen umschauen. "Die Arbeitszeiten sind insbesondere für junge Menschen unattraktiv", erklärt Norman Bauerfeind. Durch Mundpropaganda erfuhren sie, dass die Handwerkskammer Chemnitz in Zusammenarbeit mit der Jacura Group aus Zwickau, die in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi eine deutsche Sprachschule namens "Trabi" betreibt, Auszubildende vermittelt. Der Geschäftsführer von "Trabi" schaltete daraufhin im Auftrag der Bäckerei eine Stellenanzeige in der vietnamesischen Schule. Hieu Minh Pham und Duc Hoang Dinh waren sofort begeistert.

In Deutschland bekommt man eine gute Ausbildung und einen fairen Lohn. Außerdem ist die Luft sehr sauber und wir wollten auch mal Schnee erleben.

Hieu Minh Pham Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin

Sie ist eigentlich studierte Hotelmanagerin, ihr Partner Duc Hoang Dinh studierte im Bereich Transport- und Kommunikationsmanagement. "Wir wollten ins Lebensmittelhandwerk wechseln, weil wir die Kommunikation mit den Menschen lieben und einer handwerklichen Tätigkeit nachgehen wollten", berichtet er.

Bürokratische Hürden und Corona-Schwierigkeiten

Ein halbes Jahr dauerte es, bis alle behördlichen Genehmigungen erteilt waren, sagt Norman Bauerfeind. "Um für die Facharbeiterprüfung zugelassen werden zu können, benötigen sie noch das Sprachzertifikat B2." Das hätten die beiden angehenden Azubis eigentlich vor dem Beginn der Ausbildung in Zwickau ablegen sollen. Wegen der Corona-Pandemie konnten sie jedoch erst später nach Deutschland fliegen. Daher müssen sie die Sprachausbildung nun an einer Abendschule nachholen.

Ein vietnamesischer Bäcker holt in einer Backstube Brötchen aus dem Ofen, eine Vietnamesin mit Korb steht dahinter.
In zwei Jahren werden die beiden Azubis ihre Abschlüsse als Bäcker und Bäckereifachverkäuferin in der Tasche haben. Bildrechte: ERZ-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Mit Reiselust zur Gesellen- und Meisterprüfung

In ihrer Freizeit schauen beide gern Fußball. Ihre Lieblingsmannschaften sind Manchester United und die deutsche Fußballnationalmannschaft. Außerdem reisen sie gern. In Europa haben sie bereits Brüssel, Brügge, Gent, Antwerpen, Wien und Prag erkundet. Ihre alltäglichen Erlebnisse hält Hieu Minh Pham in einem Videoblog fest.

Nach ihrer Ausbildung möchten sie weitere Erfahrungen in ihren Berufen sammeln und später einen Meisterabschluss absolvieren. Fern der Heimat wächst aber auch das Heimweh.

Wir haben unsere Angehörigen seit September 2020 nicht mehr gesehen und vermissen sie sehr. Deshalb hoffen wir, dass die Pandemie bald vorbei ist und wir sie wenigstens einmal im Jahr besuchen können.

Hieu Minh Pham Auszubildende zur Bäckereifachverkäuferin

Derzeit halten beide Kontakt zu ihrer Verwandschaft über Videotelefonate - regelmäßig nach ihren getanen Frühschichten in der Bäckerei.

 Quelle: MDR/Georg Ulrich Dostmann/tfr

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen