Fernbahnanbindung Bahnbündnis: Direktzüge zwischen Chemnitz und Berlin sofort möglich

Mitteldeutsche Regiobahn stellt neue Triebwagen vor
Würde man die MRB-Züge zwischen Chemnitz und Elsterwerda mit den Zügen der Deutschen Bahn von Elsterwerda nach Berlin und Rostock verknüpfen, könnten Chemnitzerinnen und Chemnitzer unkompliziert und umsteigefrei mit dem Zug in den Hauptstadt fahren. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die Bahninitiative Chemnitz hat ein Sofortkonzept für eine stündliche Direktverbindung zwischen Chemnitz und Berlin vorgelegt. Als Vorzugsvariante wird dabei die bestehende Strecke über Elsterwerda benannt. "Die Infrastruktur ist da, die durchgängigen Züge müssten nur bestellt werden", sagte der Sprecher des Bündnisses Sebastian Drechsler bei der Präsentation des Konzepts.

Bisher enden die Regionalzüge aus Berlin und Chemnitz jeweils in Elsterwerda, sodass Reisende zwischen beiden Großstädten dort umsteigen müssen. Aus Sicht des Bündnisses sollten beide Linien zusammengeführt und ohne große Mehrkosten eine Direktverbindung geschaffen werden. Allerdings haben die Züge zwischen Berlin und Elsterwerda mit fünf Doppelstockwagen wegen des viel höheren Fahrgastaufkommens erheblich mehr Platzkapazität, als die dreiteiligen Regionaltriebwagen zwischen Chemnitz und Elsterwerda.

Chemnitz seit 2006 ohne Fernverkehr

Bis 2006 bediente die Deutsche Bahn die Verbindung eigenwirtschaftlich mit Interregio-Zügen. Seither werden die Regionalverbindungen vom Verkehrsverbund Mittelsachsen, dem Verkehrsverbund Oberelbe und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg bestellt und bezahlt. Betreiber sind aktuell die Mitteldeutsche Regiobahn (Chemnitz - Elsterwerda) und die Deutsche Bahn (Elsterwerda - Berlin).

Ein Schnellzug steht in einem Bahnhof
Vor 15 Jahren, Ende Mai 2006, ist der letzte Interregio von Chemnitz nach Berlin gefahren. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die fehlende Anbindung von Chemnitz an den Fernverkehr der Eisenbahn ist seit Jahren ein Ärgernis in der Region. Immerhin handelt es sich um die mit 245.000 Einwohnern viertgrößte Stadt in Ostdeutschland und ein industrielles Ballungsgebiet. So monierte die Bahninitiative, zu der etwa der Fahrgastverband Pro Bahn und der Industrieverein Sachsen 1828 gehören, dass von Chemnitz aus kaum Städte außerhalb Sachsens auf direktem Weg per Zug erreichbar seien. An Brisanz gewinnt diese schlechte Bahnanbindung mit Blick auf 2025, wenn Chemnitz als Europas Kulturhauptstadt internationale Besucher anlocken will.

Geplant: Intercity über Dresden vom Land bezahlt

Inzwischen gibt es eine Finanzierungsvereinbarung zwischen dem Land und dem Verkehrsverbund Mittelsachsen, wonach ab Sommer 2022 wieder einzelne Fernzüge zwischen Berlin und dem Flughafen BER über Dresden nach Chemnitz rollen sollen - nach jetzigem Stand aber nur zweimal täglich in beide Richtungen.

Neuer Intercity für die Strecke Dresden - Rostock
Doppelstock-Intercitys, die die Deutsche Bahn gebraucht in Österreich gekauft hat, sollen von Rostock über Berlin und Dresden nach Chemnitz verlängert werden - allerdings nur zwei Mal am Tag und vom Freistaat bezahlt. Bildrechte: Deutsche Bahn AG

Besserer Anschluss an Mitte-Deutschland-Linie

Neben der Anbindung nach Berlin rückt das Bündnis mit seinem Konzept "Fernbahn 21" zwei weitere Schwachstellen in den Fokus. Zum einen geht es um eine Direktverbindung nach Erfurt.

Die Regionalzüge aus Thüringen enden bisher aus Kostengründen in Glauchau, sodass Reisende zwischen Thüringen und Chemnitz dort umsteigen müssen. Die Initiative plädiert deswegen dafür, diese Linie bis nach Chemnitz zu verlängern. Den Angaben nach würde das jährlich etwa 2,5 Millionen Euro kosten. Auch hier verkehrten in den 1990er-Jahren Interregio-Züge zwischen Chemnitz und Aachen.

Ein roter Nahverkehrszug
Die Regionalexpresse aus Göttingen und Erfurt enden derzeit in Glauchau, früher fuhren sie bis Chemnitz und ein Zugteil ab Gößnitz direkt nach Zwickau. Bildrechte: MDR/Andreas Metzmacher

Durchgehend zweigleisiger Ausbau Chemnitz - Leipzig

Zum anderen dringen die Bündnispartner auf einen vollständigen zweigleisigen Ausbau samt durchgehender Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig, um bestehende Nadelöhre zu beseitigen und mehr Verbindungen und mehr Güterverkehr auf der Strecke zu ermöglichen. Im Fernverkehr der Eisenbahn war diese Strecke bisher allerdings nie von besonderer Bedeutung.

Frühere Fernverbindungen von und nach Chemnitz (Auszug)
Züge Strecke Betreiber
Schnellzüge und Städteexpress "Fichtelberg" Karl-Marx-Stadt - Riesa - Berlin Deutsche Reichsbahn
Interregios Chemnitz - Riesa - Berlin - Rostock Deutsche Bahn AG
Vogtlandexpress Plauen - Chemnitz - Riesa - Berlin Vogtlandbahn
Interzonen-Züge Görlitz - Karl-Marx-Stadt - München/Stuttgart Deutsche Reichsbahn/Deutsche Bundesbahn
Interregios Görlitz - Chemnitz - Oberstdorf/Karlsruhe Deutsche Bahn AG
ICE (Diesel) und Intercity Dresden - Chemnitz - Nürnberg Deutsche Bahn AG
Schnellzug Dresden - Karl-Marx-Stadt - Katzhütte Deutsche Reichsbahn
Interzonen-Zug Karl-Marx-Stadt - Erfurt - Düsseldorf Deutsche Reichsbahn/Deutsche Bundesbahn
Interregios Chemnitz - Erfurt - Aachen Deutsche Bahn AG
Regionalexpress Chemnitz - Erfurt - Göttingen Deutsche Bahn AG
Saisonzug Karl-Marx-Stadt - Leipzig - Rostock Deutsche Reichsbahn
Eilzug Leipzig - Karl-Marx-Stadt - Cranzahl Deutsche Reichsbahn

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus Chemnitz | 11. Mai 2021 | 05:30 Uhr

5 Kommentare

Ritter Runkel vor 6 Wochen

Es sollte endlich von staatlicher Seite zurückgerudert werden, die Daseinsvorsorge gehört nur in öffentliche Hände bzw. öffentliche/gemeinwirtschaftliche/kommunale Betriebe. Man kann feststellen, Gewinne werden wieder einmal privatisiert und die Kosten sozialisiert. Man sollte diesem Privatisierungsspuk (einschließlich PPP) ein Ende setzen. Die Kosten (u. a. der Ausschreibungsaufwand, Vertragsgestaltung, ...) Sind extrem hoch und führen zu nichts. Vor 30 Jahren fuhren die Züge absolut korrekt! Die Bahn-Mitarbeiter verdienten ordentliches Geld, es war genügend Personal vorhanden, das Zugmaterial war störungsfrei, die Qualität an sich erheblich besser! Wo ist die gute Zeit geblieben? Keine Macht der Privatwirtschaft!

Ritter Runkel vor 6 Wochen

Die Bahninitiative Chemnitz stellt hierfür mich einen sinnlosen Forderungskatalog auf, weil generell entsprechende Maßnahmen für die Umsetzung fehlen.
Bei einer Rückkehr zu einer Staatsbahn würden sich die ganzen Forderungen von alleine erledigen, denn dann gilt Eisenbahnverkehr wieder als Daseinsvorsorge.

GEWY vor 6 Wochen

@lausbub, hier geht es nicht um ÖPNV und Nahverkehr, hier geht es um Regionalverkehr. damit können Sie ihren Betrag zu 90% in den Skat drücken. Was glauben Sie wohl wie RE/RB Strecken (über 200 km) funktionieren. Die RE5 Elsterwerda-Berlin hat einen Wagenlauf Elsterwerda-Rostock. RE1 Magdeburg-Brandenburg-Potsdam-Berlin-Frankfurt/O (3BL) RE3 Stralsund-Berlin-Wittenberg (358km). Oder Brandenburg-Potsdam-Berlin-Cottbus (mehr km wie C-B), Kiel-Lübeck-Hamburg u.v.a.m. Und was Ihren Hinweis auf Leipzig betrifft, muss ich Leipzig als Chemnitzer kennen? Was die Verkehrsverbünde betrifft gebe ich Ihnen recht. Aber nicht nur hier sitzt die Landesregierung Sachsen im Schlafwagen.

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Verkehrsunfall 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Samstagnachmittag verlor in Chemnitz ein SUV-Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug. Er prallte unter anderem gegen einen Lichtmast und einen Baum. Der Fahrer wurde aus dem Auto geschleudert und schwer verletzt.

20.06.2021 | 14:22 Uhr

So 20.06.2021 15:30Uhr 00:35 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/video-unfall-chemnitz-porsche-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr aus Sachsen