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Lügen und Verunglimpfungen ihrer Arbeit will sich eine Ärztin im Erzgebirge nicht mehr gefallen lassen. Sie geht gegen Lügen bei Telegram vor. Bildrechte: Colourbox.de

Falsche BehauptungÄrztin aus Oelsnitz wehrt sich gegen Impf-Lüge bei Telegram

von MDR SACHSEN

Stand: 17. Dezember 2021, 17:51 Uhr

Beim Messengerdienst Telegram kann jeder unkontrolliert alles behaupten. Nach dem Vorwurf, es habe zwei Tote nach ihrer Impfung gegeben, hat eine Ärztin im Erzgebirge jetzt Anzeige erstattet. Sie will sich die Lügen nicht mehr gefallen lassen.

Die Allgemeinmedizinerin Caroline Zießler aus Oelsnitz im Erzgebirge hat Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet, nachdem sie und ihre Praxis mit Falschmeldungen über den Nachrichtendienst Telegram verleumdet worden sind. Auf dem Messengerdienst Telegram sei die Nachricht verbreitet worden, dass in ihrer Praxis zwei Patienten nach deren Corona-Impfung gestorben sein sollen, sagte die Ärztin MDR SACHSEN. Sie sei fassungslos über diese Lügen.

Für Impfgegner ist das scheinbar ein gefundenes Fressen, solche Unwahrheiten zu verbreiten. Ob sie uns persönlich schaden wollen oder allgemein gegen die Corona-Impfung vorgehen - ich weiß es nicht.

Caroline Zießler | Ärztin aus Oelsnitz/Erzgebirge

Sie und ihre Mitarbeiterinnen seien schon in der Praxis, bei Telefonaten und selbst in der Stadt darauf angesprochen worden. "Daraufhin haben wir entschieden, eine Strafanzeige bei der Polizei zu stellen." Die Anzeige sei dort eingegangen und werde bearbeitet. Weitere Informationen dazu habe sie noch nicht.

Etwa 2.000 Menschen hat die Oelsnitzer Ärztin bereits gegen Corona geimpft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ärztekammer-Präsident: Bedrohungen nehmen zu

Der Präsident der sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendiek, sieht immer mehr ähnlich gelagerte Fälle. "Die Kolleginnen und Kollegen werden massiv bedrängt. Ihnen gehen per Brief, E-Mail oder per Social Media Beschuldigungen zu." Ihnen würden gefakte Strafanzeigen oder Mitteilungen zugestellt, dass sich das Land im Kriegsrecht befände. "Hier sehen wir, welche extremen Auswirkungen mittlerweile die Zerrissenheit in unserer Gesellschaft hat."

Zunehmende Verrohung

Die Landesärztekammer rät den Kolleginnen und Kollegen, in solchen Fällen Strafanzeige zu stellen. "Wir unterstützen sie dabei moralisch und beraten sie." Sammelklagen durch die Landesärztekammer zu stellen, sei leider nicht möglich.

Auch Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) und der Sprecher der Landesärztekammer, Knut Köhler, bestätigten eine zunehmende Verrohung und Aggressivität gegenüber Medizinern. Ärzte würden sich deshalb auf dem sächsischen Impfportal nicht mehr nennen lassen aus Sorge vor Attacken, sagte Köpping auf einer Pressekonferenz auf Nachfrage.

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Quelle: MDR/tfr/jh

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 17. Dezember 2021 | 14:30 Uhr