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Jury-EmpfehlungChemnitz im Freudentaumel - Sachsen-Metropole wird Kulturhauptstadt 2025

Stand: 29. Oktober 2020, 11:30 Uhr

Jahrelang hat Chemnitz auf diesen Moment hingearbeitet - am Mittwoch war es soweit: Sachsens drittgrößte Stadt setzt sich gegen seine Mitbewerber durch und wird Kulturhauptstadt Europas 2025. Es gab lautstarken Jubel und Freudentränen.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ist überwältigt - die Mühen der vergangenen Jahre wurden nun belohnt. Bildrechte: dpa

Chemnitz soll Deutschland als Europäische Kulturhauptstadt 2025 vertreten. Eine entsprechende Empfehlung verkündete die europäische Auswahljury am Mittwoch in Berlin. Chemnitz setzte sich damit in der Endrunde gegen die weiteren Bewerber Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg durch.

Am Mittwochabend wurde mit einem Feuerwerk auf dem Theaterplatz gefeiert. Zudem traten ein Chor sowie Tänzer und Musiker der Oper auf. Es erklang Beethovens "Ode an die Freude". Bildrechte: Harry Härtel

Ludwig: Chemnitz kann vielfältige Stadtgemeinschaft zeigen

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig zeigte sich im Interview unmittelbar nach der Entscheidung total überwältigt. "Dieser Titel ist für Chemnitz die große Chance, viel zu geben und viel zu bekommen", erklärte die scheidende Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig nach der Bekanntgabe. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang an die rechtsextremen Demonstrationen und Ausschreitungen, die die Stadt im August 2018 international in die Schlagzeilen gebracht hatten. Chemnitz könne durch den Titel zeigen, dass es nicht nur für "Bilder von Nazi-Aufmärschen" stehe, sondern "eine aktive, vielfältige Stadtgesellschaft im internationalen Austausch" sei, betonte Ludwig. "Der Titel wird der Stadt einen Schub geben."

Wir sind glücklich und überwältigt. Das wird der Stadt so gut tun.

Barbara Ludwig | Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz

Jury-Vorsitzende Sylvia Amann: Europa braucht gerade jetzt Solidarität

Die Entscheidung wurde per Livestream auf einer Pressekonferenz der Kulturstiftung der Länder übertragen. In Chemnitz verfolgten Verantwortliche und Kulturschaffende die Entscheidung bei einem Public Viewing in der Stadthalle und im Kraftverkehr Chemnitz. Die Anspannung war deutlich spürbar, bis die Vorsitzende der Jury, Sylvia Amann, den Zettel mit der Aufschrift "Chemnitz" in die Kamera hielt. In Chemnitz brach lautstarker Jubel aus. Den Beteiligten standen Freudentränen in den Augen. In den Armen liegen konnte sich aufgrund der Corona-Regeln leider niemand.

Die Jury-Vorsitzende Sylvia Amann forderte Chemnitz und auch die unterlegenen Bewerber auf, Kunst und Kultur in den Mittelpunkt zu stellen und als Teil der Lösung der aktuellen Probleme zu verstehen. "Europa braucht jetzt mehr denn je ein Klima der Offenheit und der Solidarität", sagte Amann. Kunst, Kultur und das Engagement auf städtischer Ebene könnten dies leisten.

20 Millionen Euro vom Freistaat

Bewertet wurden die Kandidaten anhand der 100-seitigen Bewerbungsbücher, der digitalen Stadtbesuche und der finalen digitalen Präsentationen der Städte. Der Titel Kulturhauptstadt ist zugleich ein großes Konjunkturprogramm für Stadt und Region. Der Freistaat Sachsen wird der Stadt Chemnitz bis 2025 insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Kretschmer: Macher-Mentalität der Chemnitzer war mitentscheidend

Als einer der ersten gratulierte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Der Titel sei für Chemnitz eine große Chance, sichtbarer und Impulsgeber zu werden. "Denn Chemnitz steht auch dafür, wie wichtig es ist, die Gefahr von Spaltungen zu überwinden und aktiv für unsere europäischen Werte und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzutreten", sagte Kretschmer.

Ich freue mich riesig für diese wunderbare Stadt und die hier lebenden Menschen. Ich bin mir sicher: Die Macher-Mentalität der Chemnitzer war mitentscheidend dafür, dass es am Ende geklappt hat.

Michael Kretschmer | Ministerpräsident von Sachsen

Klepsch: Lichtblick in schwierigen Zeiten

Die sächsische Kulturministerin Barbara Klepsch sieht im Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 für Chemnitz eine Riesenchance für ganz Sachsen. "Nicht nur die Stadt Chemnitz ist glücklich, sondern der gesamte Freistaat ist glücklich, die Region ist glücklich", sagte Klepsch nach der Bekanntgabe der Entscheidung, die sie gemeinsam mit der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig per Livestream in der Stadthalle verfolgt hatte.

Der Titel sei gerade in einer für Kunst- und Kulturschaffende schwierigen Zeit ein Lichtblick. Zugleich betonte sie, dass die Landesregierung ihre 20-Millionen-Zusage einhalten werde.

Kulturhauptstadt Europa 2025Zeitgleich mit Slowenien ist Deutschland berechtigt, für das Jahr 2025 eine Europäische Kulturhauptstadt zu bestimmen. In Slowenien ist unter anderem noch Ljubljana, die Partnerstadt von Chemnitz, im Rennen. Die Entscheidung soll im Dezember verkündet werden.

Am Mittwoch hat die Jury Chemnitz für die Ernennung zur deutschen "Kulturhauptstadt Europas 2025" empfohlen. Die Empfehlung der Jury muss von Bund und Ländern noch in eine formelle Ernennung umgewandelt werden.

Jüngste Europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit
dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden davor auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988).

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