Jubiläumsfeier Kulturfestival will jüdisches Leben in Chemnitz sichtbarer machen

Auf 135 Jahre blickt die Jüdische Gemeinde in Chemnitz in diesem Jahr zurück. Von den Nazis fast ausgelöscht, wächst sie heute wieder. Die "Tage der jüdischen Kultur" bringen ihre Kultur zum Klingen.

Auf einem Tisch sind eine Kippa, ide Tora, ein Chanukkaleuchter und ein Tallit zu sehen.
Zwei Wochen lang steht Chemnitz im Zeichen der jüdischen Kultur. Bildrechte: imago images/Shotshop

Am Sonnabend sind im Staatlichen Museum für Archäologie in Chemnitz (SMAC) die "30. Tage der jüdischen Kultur" eröffnet worden. Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch hat das Kulturfestival eröffnet. Bis zum 26. September 2021 sind mehr als fünfzig Veranstaltungen geplant. Das Festival nimmt in diesem Jahr zwei weitere Jubiläen in den Fokus: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland und die Gründung der jüdischen Gemeinde Chemnitz vor 135 Jahren.

Egmont Elschner, der Vorsitzende des Veranstaltervereins, hat ein breitgefächertes Programm vorbereitet: "Wir haben gerade im Bereich der Musik und der Konzerte noch mehr Angebote für junge Leute als in den Jahren zuvor." Dazu käme eine Ausstellung über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Chemnitz. "Und wir wollen das Ganze als Höhepunkt mit einer öffentlichen Laubhütte im Stadthallenpark feiern. Dort gibt es eine Woche lang von 14 bis 19 Uhr wechselnde Programmangebote. Wir sind damit in die Mitte der Stadt gerückt und erhoffen uns regen Zuspruch."

Egmont Elschner
Egmont Elschner vom Verein "Tage der Jüdischen Kultur in Chemnitz" will die Kulturtage in die Mitte der Stadt holen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Laubhüttenfest Fünf Tage nach Yom Kippur wird Sukkot gefeiert, das in der Bibel als das "Fest der Laubhütten" bezeichnet wird. Sukkot erinnert an den Auszug aus Ägypten im 13. Jahrhundert vor unserer Zeit. Außerdem wird für eine reiche Ernte gedankt. Während der fünf Tage zwischen Yom Kippur und Sukkot errichten Zehntausende von Haushalten und Geschäften Sukkot. Das sind Laubhütten, in denen man vorübergehend lebt und vor allem die täglichen Mahlzeiten einnimmt. Diese Laubhütten sind jenen Hütten nachgebildet, in denen die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste lebten. Nach dem eigentlichen Festtag wird das Laubhüttenfest gemäß der Thora für weitere sechs Halbfeiertage fortgesetzt.  Quelle: Botschaft des Staates Israel in Deutschland

Frag den Rabbi!

Neu im Programm ist eine Format mit dem Titel "Frag den Rabbi! Was Sie schon immer über das Judentum wissen wollten und sich nicht zu fragen wagten." Beim Tag der offenen Tür in der jüdischen Gemeinde können die Besucher am Sonntag dem Landesrabbiner Zsolt Balla alle Fragen zum Judentum stellen. Von "Ist Psychoanalyse koscher?" bis hin zu "Darf eine Jüdin künstliche Fingernägel in der Mikwe, im Badehaus, tragen?" kann die Fragenpalette reichen. Egmont Elschner ermuntert die Besucher, ihre Fragen loszuwerden: "Jüdische Kultur ist schließlich nicht einfach! Von den Ultraorthodoxen bis zu den Liberalen gibt es eine so unglaublich große Palette und verschiedene Auslegungen." Daher sei es nicht schlimm, wenn man nicht alles wisse. Doch einige Grundgedanken könne man so erfahren. "Und ich bekomme eben die Chance, auch mal einen Rabbi zu fragen, wie dies oder jenes ist im Judentum."

Zsolt Balla, Landesrabbiner in Sachsen, steht am Rande einer Pressekonferenz in der Synagoge.
Der sächsische Landesrabbiner Zsolt Balla wird die verschiedensten Fragen zum Judentum beantworten. Bildrechte: dpa

Vision für die Zeit zwischen den Festivals

Egmont Elschner will mit dem Kulturfestival die jüdische Kultur nicht nur ins Zentrum der Stadt holen. Er hat auch einen Wunsch für die restliche Zeit des Jahres zwischen den jährlich stattfindenden Festivals. "Ich wünsche mir, dass das jüdische Leben in der Stadt ganz selbstverständlich wird und dass man sich freut über die kulturelle Vielfalt, die wir in Chemnitz vorweisen können. Und ich wünsche mir, dass man genießt, dass es so viel Verschiedenes hier gibt."

Chemnitzer Synagoge
Die Chemnitzer Synagoge öffnet am Sonntag für einen Tag der offenen Tür. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/tfr/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 10. September 2021 | 14:30 Uhr

1 Kommentar

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Also ich denke jüdisches Leben sollte nicht nur in Chemnitz wieder sichtbar sein. Jüdisches Leben sollte in ganz Deutschland wieder sichtbar sein.

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