Urlaub zu Hause Spielend lernen - die Welt der Phänomenia in Stollberg

In den Sommerferien hatten wir die Mitmach-Ausstellung Phänomenia in Stollberg besucht. Und wir haben uns gedacht: Was im Sommer einen Ausflug wert war, kann auch in den Herbstferien ein lohnenswertes Ausflugsziel sein. Deshalb lesen Sie hier noch einmal unsere Reportage und lassen Sie sich zu einem Ausflug inspirieren.

Der Kopf eines Mannes schwebt über einem Silbertablett, das auf einem Tisch steht.
Bildrechte: MDR/Nora Kilényi

Eigentlich sind wir ja mittendrin in den hochverdienten Sommerferien und es gibt jetzt für die leidgeplagten Schülerinnen und Schüler viel Wichtigeres zu tun als lernen. Aber was, wenn die grauen Zellen in den kommenden Wochen gar nicht mehr gefordert werden und der Einstieg ins neue Schuljahr umso schwerer fällt? Das muss nicht sein, denn mit der Mitmachausstellung "Phänomenia" in Stollberg werden die grauen Zellen gefordert - und zwar so, dass kein Kind auch nur ansatzweise den Verdacht hegen könnte, dass es den Erkenntnisgewinn auch mühsam aus einem Lehrbuch hätte ziehen können.

Das Spiegelbild des Raumes wird durch dreieckige Spiegelelemente, die unterschiedlich ausgerichtet sind, verzerrt. 3 min
Bildrechte: Nora Kilényi
3 min

Di 10.08.2021 12:12Uhr 02:42 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/video-543662.html

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Video

Interaktive Ausstellung

Unter "interaktiv" erleben Ausstellungsbesucher ja heutzutage vielerorts jede Menge LED-Bildschirme, die mehr oder weniger zuverlässig auf das Herumdrücken mit den Fingern reagieren und daraufhin verschiedene Informationen preisgeben. Das findet man in der Phänomenia auch, aber ganz selten. Hauptsächlich geht es um Gegenstände, die man richtig anfassen, bewegen und ausprobieren kann. Da lässt sich zum Beispiel die Kraftersparnis eines Flaschenzuges austesten oder man kann sich selbst in eine Seifenblase einhüllen oder in der Welt der Sinnestäuschungen erkennen, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint.

uf einem kleinen Tisch sind acht farbig markierte Glocken mit Holzgriffen dran abgelegt. Darüber eine Anleitung. Werden die Glocken in der nach Farben sortierten Reihenfolge gespielt, erklingt eine bekannte Melodie.
Die Glocken nach Anleitung auf dem Zettel erklingen lassen und schon erklingen Lieder. Bildrechte: Nora Kilényi

Die Abwechslung macht's

Wen also die bunten Holzscheiben, die den Satz des Pythagoras verdeutlichen, doch zu sehr an Schule erinnern, dem bleiben neben der Mathematik noch sieben weitere Kategorien zum Erkunden übrig: Optik, Mechanik, Wasser/Luft, Magnetismus, Sinne, Schwingungen und der Weltraum. Wem das eine Quiz oder Experiment vielleicht zu simpel erscheint, weil es eher Kindergartenkinder anspricht, der wird gleich daneben durch wesentlich kniffligere Aufgaben beansprucht. Insgesamt 300 Exponate sind hier auf zwei Etagen verteilt. Wenn man die alle durchspielt, sind zwei bis drei Stunden wie im Flug vergangen.

Sieben silberfarbige Metallkugeln mit Ringen oben sind zu einem Kugelstoßpendel montiert.
Ein Kugelstoßpendel zum Ausprobieren physikalischer Kräfte Bildrechte: Nora Kilényi

Highlights

Publikumsrenner gibt es hier eine ganze Menge. Oft sind es aber die simplen Experimente, die Kindern als tolles Erlebnis haften bleiben, wie zum Beispiel das mit den Seifenblasen. Aufwendiger ist da eine tolle große Videowand, die durch Berührung mit der Hand steuerbar ist und viele Informationen über die Erde und das Weltall erklärt. Das 360-Grad-Planetarium mit Video-Ganzkuppelprojektionen wird vor allem bei Gruppenbuchungen gern vorgeführt.

Ein Mann und zwei Kinder buddeln in einem Kasten mit Sand herum. Der Sand leuchtet blau, grün und orange bis rot, je nach dem, ob der Sand zu einem Berg angehäuft wurde oder eher eine Mulde darstellt.
Florian Rau erklärt das neueste Exponat: eine von ihm selbst erbaute sogenannte "AR-Sandbox". Bildrechte: Nora Kilényi

Die pandemiebedingte Schließzeit hat Florian Rau von der "Phänomenia" genutzt, um ein neues Highlight zu entwickeln. Eigentlich ist es "nur" ein Sandkasten, in dem man mit den Händen Sand hin und her schieben und türmen kann. Aber über die Projektion eines Beamers von oben gestaltet sich durch das Buddeln und Schieben eine Landschaft. Die Farben werden wie auf einer topografischen Landkarte dargestellt. Sie ändern sich in Echtzeit, je nachdem, wie die kleinen und großen Landschaftsgestalter Berge und Täler formen. Überdies kann man Wettergott Petrus spielen und es virtuell regnen lassen. Florian Rau meint, gerade an diesem Exponat werde das Motto "Spielerisches Lernen" sehr gut umgesetzt. So könnten die Kinder ganz aktuell nach den schrecklichen Überschwemmungsbildern aus der Eifel zum Beispiel aufarbeiten und verstehen, was das für Folgen habe, wenn zu viel Wasser in so einem engen Flusstal sei. "Ich bin ganz begeistert, wie gut das Modell angenommen und von den Kindern hier Kreativität ausgelebt wird", sagt Florian Rau.

Ein weiteres neues Exponat musste nochmal zurück in die Werkstatt, um es noch robuster zu machen. Rau meint, es komme bald wieder zurück. Damit könnten Kinder spielerisch verschiedenen Lebensmitteln ihren Zuckergehalt zuordnen. Das würde auch zu ganz enormen Aha-Effekten bei den Kindern führen, so seine Erfahrung.

Spielerisches Lernen Lern- und Erlebniswelt "Phänomenia" in Stollberg

Eine Art Foyer, an der Tür links steht "Kasse". In der MItte beginnt eine Treppe, die mit "Rundgang Phänomenia"  beschriftet ist.
Im Erdgeschoss der "Phänomenia" befindet sich ein Bistro, die Kasse und ein kleiner Raum für Sonderausstellungen. Bildrechte: Nora Kilényi
Eine Art Foyer, an der Tür links steht "Kasse". In der MItte beginnt eine Treppe, die mit "Rundgang Phänomenia"  beschriftet ist.
Im Erdgeschoss der "Phänomenia" befindet sich ein Bistro, die Kasse und ein kleiner Raum für Sonderausstellungen. Bildrechte: Nora Kilényi
Die Etage einer Ausstellung. Die Wände sind teils, die Decke vollständig dunkelgrau gestrichen. Der Raum steht voll mit Stationen, an denen ganz verschiedenartige Exponate zu sehen sind.
In den oberen Etagen gibt es insgesamt vier Ausstellungsräume. Bildrechte: Nora Kilényi
Blick in eine Ausstellungsetage. Die Decke ist dunkelgrau gestrichen. Der Raum steht voll mit Stationen, an denen ganz verschiedenartige Exponate zu sehen sind.
Für Rollstuhlfahrer steht auch ein Fahrstuhl zur Verfügung. Bildrechte: Nora Kilényi
Das Spiegelbild des Raumes wird durch dreieckige Spiegelelemente, die unterschiedlich ausgerichtet sind, verzerrt.
Viele Sinnestäuschungen entstehen durch den Einsatz von Spiegeln. Bildrechte: Nora Kilényi
Der Kopf eines lächelnden Mannes befindet sich aufrecht auf einem Silbertablett, das wiederum auf einem dunklen Tisch steht.
Dieses Exponat ist ein beliebter Fotopunkt. Bildrechte: Nora Kilényi
Zwei Scheiben hängen an der Wand und sind gedreht worden. Dadurch entsteht der Anschein einer dreidimensionalen Form.
Die Scheiben, in Bewegung gebracht, sehen dreidimensional aus. Bildrechte: Nora Kilényi
uf einem kleinen Tisch sind acht farbig markierte Glocken mit Holzgriffen dran abgelegt. Darüber eine Anleitung. Werden die Glocken in der nach Farben sortierten Reihenfolge gespielt, erklingt eine bekannte Melodie.
Gleich mehrere Titel können mit HIlfe der Anleitung neben den Glocken ganz einfach gespielt werden. Bildrechte: Nora Kilényi
Ein Aufsteller weist auf den Bereich "Universum" mit dem Planetarium hin. Dahinter sind Besucher unscharf zu erkennen, die auf eine Videoleinwand schauen.
Im Weltraumbereich gibt es unter anderem eine interaktive LED-Wand und das Planetarium. Bildrechte: Nora Kilényi
Ein Modell von Neil Armstrong im Raumanzug, das den Moment seines ersten Schrittes auf den Mond darstellen soll.
Der kleine Schritt für einen Menschen ... Bildrechte: Nora Kilényi
In Neonfarben beleuchtete Ausstellungsstücke, unter anderem mit Raumschiffmotiven.
... und wer weiß, wohin die Reise in der Zukunft geht. Bildrechte: Nora Kilényi
Ein Mann und zwei Kinder buddeln in einem Kasten mit Sand herum. Der Sand leuchtet blau, grün und orange bis rot, je nach dem, ob der Sand zu einem Berg angehäuft wurde oder eher eine Mulde darstellt.
Hier lassen sich Berge und Täler in einer Sandbox formen. Danach kann man Wolken erzeugen und es regnen oder schneien lassen. Florian Rau (l.) hat diese Box gebaut. Bildrechte: Nora Kilényi
Zwei Kinder greifen in einen Kasten mit Sand, der rot, grün und blau beleuchtet ist, ähnlich wie bei einer topgraphischen Karte.
Kinder bleiben hier sehr lange und konzentriert bei der Sache. Bildrechte: Nora Kilényi
Die Innenansicht eines Burgkomplexes. Man kann drei Flügelseite und einen Turm erkennen. Der mittlere und der linke Flügel sind teilweise eingerüstet. Der linke Flügel hat viele sehr kleine Gitterfenster.
Die Ausstellung befindet sich im Nordflügel (hier rechts im Bild) von Schloss Hoheneck. Die anderen Gebäudeteile werden derzeit noch saniert. Bildrechte: Nora Kilényi
Eine Burg aus roten Backsteinen gebaut, die Hälfte eines Traktes ist außen bis hoch eingerüstet. Die sehr kleinen Fenster haben alle Gitter davor.
Von 1862 bis 2001 war Schloss Hoheneck Gefängnis. Zu DDR- Zeiten wurden hier unter anderem politisch verfolgte Frauen inhaftiert. Bildrechte: Nora Kilényi
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Ein roter Backsteinbau mit großen Gitterfenstern. Links unten ist hinter einem Podest eine größere Glaseingangstür, über der groß "Eingang" geschrieben steht.  Quelle: MDR
Die Ausstellung "Phänomenia" ist im Nordflügel von Schloss Hoheneck untergebracht. Bildrechte: Nora Kilényi

Fazit

Einen halben Tag Spiel, Spaß und Vergnügen und hinterher klüger rauskommen als man reingegangen ist: Ich denke, das ist das Optimum, das eine Ausstellung für Kinder leisten kann. Sie ist so umfangreich und spricht mehrere Altersgruppen an, so dass es sich auch lohnt, in regelmäßigen Abständen wieder vorbei zu schauen.

Wiederbelebung von Schloss Hoheneck Die Lern- und Erlebnisausstellung "Phänomenia" ist 2017 von Glauchau in den Nordflügel von Schloss Hoheneck umgezogen. Zuvor wurde der Trakt saniert und umgestaltet. Derzeit werden die beiden anderen Flügel des Schlosses umgebaut. Danach ist im Mittelteil der Einzug des Stollberger Kinder- und Jugendtheaters "Burattino" und die experimental-archäologische Ausstellung "Abora Science Center" geplant.

Seiner Geschichte wird das Schloss nach Abschluss der Sanierungsarbeiten jedoch mit der geplanten "Gedenkstätte Frauenzuchthaus Hoheneck" gerecht. Hier soll eine Dauerausstellung und ein Außenrundgang an die Schicksale politisch verfolgter und in Hoheneck inhaftierter Frauen erinnern.

Eine Burg aus roten Backsteinen gebaut, die Hälfte eines Traktes ist außen bis hoch eingerüstet. Die sehr kleinen Fenster haben alle Gitter davor.
Schloss Hoheneck entstand ursprünglich als Burg und wurde im Laufe der Zeit als Schloss umgebaut. 1862 wurde es abgetragen, wieder aufgebaut und erstmals als Gefängnis genutzt. Bildrechte: Nora Kilényi

Anreise

  • Mit dem Auto auf der A72 bis zur Abfahrt Stollberg-Nord fahren, zur Adresse "An der Stalburg 6", direkt neben dem Schloss befindet sich ein großer Parkplatz.
  • Mit der C11 kommt man von Chemnitz in 50 Minuten per Bahn bis nach Stollberg (Sachs), der Fußweg bis zum Schloss ist dann noch etwa 1,2 Kilometer lang.

Geeignet für

  • Familien, auch mit kleineren Kindern
  • Großeltern-Enkel-Ausflüge
  • Schulklassen / Workshops für Gruppen
  • Kindergeburtstage (können gebucht werden)

Daran sollte man denken

  • Zeit mitbringen

Verpflegung

  • Im Erdgeschoss gibt es ein Bistro.

Tipp

  • Besser man ist mit einem Fotoapparat bewaffnet. Die vielen kleinen und großen Wunder, die es hier zu entdecken gibt, glaubt einem möglicherweise sonst niemand, der nicht dabei gewesen ist.

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