18.10.2018 | 12:21 Uhr Brandanschlag auf türkisches Restaurant in Chemnitz

Nachdem in den vergangenen Wochen in Chemnitz ein jüdisches und zwei persische Restaurants angegriffen wurden, war in der Nacht zum Donnerstag ein türkisches Lokal Ziel eines Brandanschlages. Diesmal gibt es Zeugen.

Hinter einem Absperrband der Polizei ist die zerstörte Tür eines Restaurants zu sehen
Anwohner bemerkten das Feuer gegen 2.20 Uhr. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Unbekannte hatten in der Nacht zu Donnerstag in einem türkischen Restaurant in Chemnitz Feuer gelegt. 17 Anwohner in dem Mehrfamilienhaus mussten vorübergehend ihre Wohnungen verlassen, verletzt wurde aber niemand. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, weil ein fremdenfeindliches Motiv nicht auszuschließen ist. Wie die Polizei mitteilt, ging dem Feuer gegen 2.20 Uhr ein lauter Knall voraus. Kurz darauf drang Rauch aus dem Lokal. Aufgeschreckte Anwohner bemerkten drei Personen vor dem Restaurant, die davonliefen, in einen Pkw stiegen und damit in stadtauswärtige Richtung verschwanden. Die kurz darauf eintreffende Feuerwehr brachte das Feuer im Gastraum schnell unter Kontrolle. Die evakuierten Anwohner kamen bis zum Abschluss der Löscharbeiten in einem Bus der CVAG unter und konnten am frühen Donnerstagmorgen in ihre Wohnungen zurückkehren. Verletzt wurde niemand.

Polizei geht von Brandstiftung aus, Staatsschutz ermittelt

Erste Ermittlungen der Polizei haben bereits ergeben, dass das Feuer von Unbekannten gelegt worden ist. Zum genauen Hergang des Brandgeschehens laufen die Untersuchungen der Brandursachenermittler. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen werden durch das Dezernat Staatsschutz geführt, da sich gegenwärtig ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließen lässt. Die Ermittlungen laufen derzeit in alle Richtungen. Den entstandenen Sachschaden beziffert ein Sprecher der Polizei mittlerweile auf einen sechsstelligen Betrag.

Sachsens Innenminister Roland Wöller hat den Brandanschlag auf ein türkisches Lokal in Chemnitz als verabscheuungswürdige Tat verurteilt. Er sei froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen seien, sagte der CDU-Politiker Donnerstag in Dresden. Die Ermittlungen würden von Kollegen der "Task Force Gewalt" unterstützt.

Bei den Ermittlungen soll auch geprüft werden, ob es Zusammenhänge gibt in Bezug auf die Übergriffe und die Anschläge auf das jüdische Restaurant "Schalom" oder das persische Restaurant "Safran". Polizei und Justiz würden intensiv an den Ermittlungen arbeiten.

Zeugin sieht mögliche Täter

Eine Zeugin, die auch die Rettungskräfte alarmiert hat, konnte die möglichen Brandstifter sehen: "Ich habe einen lauten Knall wahrgenommen, habe aus dem Fenster geschaut und gesehen, dass drei Männer zu einem Auto gerannt sind. Es war ein kleines rotes Auto. Dann habe ich gesehen, dass es aus dem Restaurant gequalmt hat und habe sofort den Notruf gewählt. Der Rauch ist bis zum Dach des Hauses aufgestiegen, alles war vernebelt." Die Leute hätten sich alle Sorgen gemacht um ihre Kinder und ihre Tiere. Sie selbst fühle sich sehr unwohl. "Man denkt immer, es ist alles ganz weit weg. Und nun ist es so nahe. Der Schock sitzt noch tief."

Polizei sucht Zeugen

Blick in einen verrussten Wintergarten eines Restaurants mit deutlichen Brandspuren
Der Sachschaden wird auf mindestens 30.000 Euro geschätzt. Bildrechte: MDR/Mario Unger

Der Polizei ist zu den drei Personen, die von Anwohnern unmittelbar nach Ausbruch des Feuers vor dem Restaurant beobachtet wurden, Folgendes bekannt: Es soll sich bei dem Trio um Männer im Alter von etwa 25 Jahren handeln, die zwischen 1,70 Meter und 1,80 Meter groß sein sollen. Alle waren dunkel gekleidet. Einer der Männer trug ein Basecap, ein weiterer fiel den Zeugen durch seine muskulöse Statur auf. Bei dem Fluchtwagen soll es sich zudem um einen roten bis dunkelroten Pkw der Kompaktklasse handeln.

Die Chemnitzer Kriminalpolizei sucht weitere Zeugen. Wer hat im Zusammenhang mit dem Knall- und Brandgeschehen in der Straße der Nationen weitere Beobachtungen gemacht? Wer kann weitere Angaben zu den drei Männern, ihrer Identität, ihrem möglichen Aufenthaltsort und ihrem Auto machen? Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 0371 387-3448 entgegen.

Mehr Präsenz an gefährdeten Orten

Da dies bereits die vierte Attacke auf ein ausländisches Restaurant in Chemnitz innerhalb weniger Wochen ist, will die Polizei nun mehr Präsenz zeigen. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, sollen Streifen auf unbestimmte Zeit die Umgebung von Asylunterkünften und ausländischen Restaurants intensiv beobachten. Die Beamten werden deutlich sichtbar sein, hieß es.

Hintergrund Der Angriff auf das türkische Restaurant ist der vierte Angriff auf internationale Restaurants.

Das persische Restaurant "Safran" wurde am 7. Oktober von drei Unbekannte angegriffen. Der Wirt ist dabei schwer verletzt worden. Dem Angriff waren mehrere Attacken vorausgegangen. So wurden unter anderem Hakenkreuze an die Wände geschmiert und Scheiben eingeschlagen. In diesem Fall hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Das persische Restaurant "Schmetterling" wurde in der Nacht zum 22. September Ziel einer Attacke mit Steinen.

Das jüdische Restaurant "Shalom" wurde am 27. August angegriffen. Der Inhaber ist dabei ebenfalls verletzt worden.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.10.2018 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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