Globaler Klimastreik Zehntausende Teilnehmer bei "Fridays for Future" in Sachsen

In Sachsen haben sich am Freitag Zehntausende Menschen am globalen Klimastreik beteiligt. Die größten Demonstrationen gab es in Leipzig und Dresden. In Chemnitz haben rund 850 Menschen teilgenommen. Für viele war es gerade so kurz vor der Bundestagswahl ein großes Anliegen, ein Zeichen Richtung Politik zu senden.

Fridays for Future in Leipzig
Die größte Demonstration in Sachsen gab es in Leipzig. Bildrechte: dpa

In mehreren sächsischen Städten sind zwei Tage vor der Bundestagswahl die Klimaaktivistinnen und -aktivisten von "Fridays for Future" auf die Straße gegangen. In Leipzig demonstrierten laut Einschätzung der Veranstalter 15.000 Menschen am Nachmittag. Ursprünglich hatten die Organisatoren 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Bereits bei der Auftaktkundgebung zog sich die Menschenmenge vom Hauptbahnhof bis zum Augustusplatz.

Auch in Dresden mobilisierte "Fridays for Future" zu einer Großdemo. Statt der angemeldeten 4.000 Menschen seien "mindestens 10.000, wenn nicht mehr" gekommen, sagte Clara Hanitzsch von der Dresdner Ortsgruppe. "Uns freut sehr, dass die Demo wirklich sehr durchmischt ist. Es sind Menschen aller Altersgruppen da", sagte sie.

"Diskussion um Klimaschutz nicht ehrlich geführt"

Deutlich kleiner fiel der Demonstrationszug in Chemnitz aus. Hier wurden rund 850 Teilnehmer gezählt. Die Forderungen an die Politik sind dabei vielfältig. Viele sind sich einig, dass es mit dem Kohleausstieg allein nicht getan ist. "Es ist ein großes Feld und nicht mit einer einzigen Stellschraube erledigt", sagt beispielsweise Kristina Wittig. Sie ist gemeinsam mit ihren fünf Kindern gekommen. In die Bundespolitik setze sie keine großen Hoffnungen mehr. "Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt", sagt sie. "Aber die Diskussionen um den Klimaschutz im Wahlkampf wurden nicht mit der Ehrlichkeit geführt, die das Thema verdient hat." Neben dem Kohleausstieg und einem CO2-Preis ist ihr ein sozialer Ausgleich ganz wichtig.

Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
Kristina Wittig (Mitte) ist mit ihren fünf Kindern und Freunden zur "Fridays for Future"-Demonstration gekommen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Dass bei der U18-Wahl in Sachsen die AfD ganz vorn liegt, findet Wittig erschreckend. "Man merkt, wie sehr Jugendliche vom Elternhaus geprägt sind", sagt sie. "Es ist auch eine Bildungsaufgabe: Vielen sind die Zusammenhänge vom Klimawandel noch nicht klar." Ihre Kinder sind noch zu jung, um an der U18-Wahl teilzunehmen.

Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
Lily-Rose Dudda und Cäcela Lippold sind zum ersten Mal bei "Fridays for Future" dabei. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Auch Lily-Rose Dudda und Cäcela Lippold sind mit dem Ergebnis der U18-Wahl in Sachsen unzufrieden. Die beiden 15-jährigen Schülerinnen verstehen nicht, warum viele Jugendliche in Sachsen für die AfD gestimmt haben, während sich in anderen Ländern mit der Wahl der Grünen zeigt, dass Jugendlichen das Klima wichtig ist. Lily-Rose und Cäcela haben zwar erst vor kurzem angefangen, sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen. Sie sind sich aber sicher, dass etwas getan werden muss. "Wir wollen den Menschen klarmachen, dass wir die Erde retten müssen", sagen die beiden.

Impressionen der "Fridays for Future"-Demonstrationen in Sachsen

Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
In Chemnitz demonstrierten bei "Fridays for Future" bedrohte und ausgestorbene Tierarten gemeinsam fürs Klima. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
In Chemnitz demonstrierten bei "Fridays for Future" bedrohte und ausgestorbene Tierarten gemeinsam fürs Klima. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
Die "Omas gegen rechts" sind für ihre Kinder und Enkel bei der Demonstration in Chemnitz dabei. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
"Ich habe keine Lust, in 30 Jahren bei 60 Grad Außentemperatur nicht mehr rausgehen zu können", sagt Maria. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
Rund 850 Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlossen sich der Demonstration in Chemnitz an. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
Im Anschluss an die Demonstration konnte vor dem Karl-Marx-Monument noch mit Livebands gefeiert werden. Bildrechte: MDR/Anett Linke
Fridays for Future in Leipzig
In Leipzig demonstrierten laut Einschätzung der Veranstalter 15.000 Menschen am Freitagnachmittag. Ursprünglich hatten die Organisatoren 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Bildrechte: dpa
Fridays for Future in Leipzig
Bereits bei der Auftaktkundgebung zog sich die Menschenmenge in Leipzig vom Hauptbahnhof bis zum Augustusplatz. Bildrechte: dpa
Fridays for Future» in Leipzig - Teilnehmerinnen aus der Medizin
"Bei diesen Wahlen geht es darum, diejenigen abzuwählen, die Kohle bis 2038 verfeuern und Dörfer abreißen wollen", sagte Christoph Gerhards von der Wissenschaftsvereinigung Scientists for Future beim Leipziger Auftakt. Bildrechte: dpa
Fridays for Future in Leipzig - Traurige Weltkugel als Girlande
Die Aktivistinnen und Aktivisten fordern sozial gerechte und effektive Maßnahmen, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Bildrechte: dpa
Fridays for Future Demonstration Dresden 24.9.21
Auch in Dresden mobilisierte "Fridays for Future" zu einer Großdemo. Statt der angemeldeten 4.000 Menschen seien "mindestens 10.000, wenn nicht mehr" da, sagte Clara Hanitzsch von der Dresdner Ortsgruppe. Bildrechte: MDR/xcitepress
Konzert im Alaunpark
Zum Auftakt spielte die Band "Culcha Candela" im Dresdner Alaunpark. Bildrechte: MDR/xcitepress
Fridays for Future Demonstration Dresden 24.9.21
"Uns freut sehr, dass die Demo wirklich sehr durchmischt ist. Es sind Menschen aller Altersgruppen da", sagte Clara Hanitzsch von der Dresdner Ortsgruppe. Bildrechte: MDR/xcitepress
Fridays for Future Demostration in der Fußgängerzone von Pirna
In Pirna haben sich zum ersten Mal Menschen den globalen Klima-Protesten angeschlossen. Bildrechte: MDR/Daniel Förster
Fridays for Future Demostration in der Fußgängerzone von Pirna
Mit einem Infostand sowie einer Malaktion, dem Bemalen einer Klima-Tapete sowie dem Beschreiben des Fußweges mit Kreide, brachten die Aktivistinnen und Aktivisten in Pirna ihre Forderungen und Gedanken zum Ausdruck. Bildrechte: MDR/Daniel Förster
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"Omas gegen Rechts" für ihre Enkel im Einsatz

Damit sind sie nicht allein. Rund 850 Menschen aller Altersgruppen haben sich am Freitagnachmittag in Chemnitz am Roten Turm versammelt. Auch vier Mitglieder der "Omas gegen Rechts" sind dabei. "Wir machen das für unsere Kinder und Enkel", sagen sie. Es gebe zwar keinen richtigen oder falschen Zeitpunkt für so eine Demonstration, aber so kurz vor der Bundestagswahl sei es noch einmal besonders wichtig.

Die 20-jährige Theresia Pasler hofft ebenfalls, dass die Politik die Demonstrationen wahrnimmt. Für sie sind ein schnelles Umdenken in der Wirtschaft, der Kohleausstieg und die Investition in erneuerbare Energien sehr wichtig. "Es gibt schon sehr kluge Konzepte. Wir müssen nur loslegen", sagt sie. Es gebe allerdings zu wenige junge Menschen, die die Wahl beeinflussen können.

Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
Zum Ergebnis der U18-Wahl sagt Theresia Pasler: „Ich glaube, viele junge Menschen haben Angst vor der Zukunft und die AfD bietet sehr einfache Lösungen." Außerdem würde das Elternhaus eine große Rolle spielen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Lehrerin und Schülerinnen demonstrieren gemeinsam

Lehrerin Janine Heiland hat zwei ihrer Schülerinnen auf der Demonstration getroffen. "Aber ich hatte gehofft, viel mehr bekannte Gesichter von meiner Schule hier zu sehen", sagt sie. "Die Demo selbst wird nichts verändern. Aber immerhin: Je mehr kommen, desto mehr Aufmerksamkeit bekommen wir für unser Anliegen." Konsequent umweltfreundlich zu leben, fällt auch ihr im Alltag manchmal schwer. "Wenn jeder ein bisschen macht, ist schon viel gewonnen", so Heiland.

Fridays for Future Chemnitz 24.9.21
Janine Heiland hat ihre beiden Schülerinnen zufällig auf der Demonstration getroffen. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Angesprochen auf die U18-Wahl erklären sie, davon gar nichts gewusst zu haben. Die Schülerinnen hätten sich gern beteiligt und beklagen: "Die Aufklärung über die Wahlprogramme fehlt in der Schule völlig. Wir würden gern wählen, aber einige in unserem Alter sollten die Möglichkeit lieber nicht bekommen."

Lehrerin Heiland ist sich auch zwei Tage vor der Wahl noch unsicher, welche Partei ihre Stimme bekommen soll. "Ich bin sehr für Klimaschutz, habe ansonsten aber sehr konservative Werte", sagt sie. "Das geht bei den Parteiprogrammen sehr schlecht zusammen." Wünschen würde sie sich, dass die Politik anfangen würde, die Versprechungen zum Klimaschutz konkret umzusetzen und in der Wirtschaft etwas zu verändern.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 24. September 2021 | 19:00 Uhr

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