Staatsschutz ermittelt Gräber auf Jüdischem Friedhof in Chemnitz geschändet

Gräber auf Jüdischem Friedhof Chemnitz beschädigt
Auf dem Friedhof wurden die Grabsteine auf drei Kindergräbern umgestoßen. Bildrechte: MDR/Harry Härtel

Auf dem Jüdischen Friedhof in Chemnitz sind drei Gräber geschändet worden. Wie die Polizei mitteilte, standen die drei Steine an den Gräbern jüdischer Kinder. Unbekannte hätten sie umgestoßen. Der Staatsschutz der Polizei hat die Ermittlungen übernommen. Mögliche Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Sie ermittelt wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung.

Jüdische Gemeinde fordert mehr Sicherheit für Friedhof

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz, Ruth Röcher zeigte sich bestürzt und traurig. "Ich frage mich, wer macht sowas", sagte Röcher MDR SACHSEN.

Ruth Röcher
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir brauchen eine bessere Sicherheit am Friedhof. Über den Zaun kann fast jeder klettern.

Ruth Röcher Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz

Es gebe jetzt Gespräche mit dem Freistaat und dem Landeskriminalamt über einen höheren Zaun und andere Sicherheitsmaßnahmen. Die meisten der 80-100 Kindergräber seien schon einmal in der Zeit der Nationalsozialisten geschändet und die Grabsteine entwendet worden, so Röcher. Ein Handvoll sei geblieben und von diesen seien nun drei umgekippt worden: "Welchen Sinn hat das? Uns weh zu tun? Ich bin sprachlos".

Chemnitzer Bundestagsabgeordneter: Antisemitismusbeauftragter nicht genug

Auch der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete und Stadtrat der FDP, Frank Müller-Rosentritt, forderte die Landesregierung auf, konsequent gegen Antisemitismus zu handeln. "Als jüdisches Leben noch nicht so sichtbar war wie heute, waren Angriffe gegen jüdische Friedhöfe das vornehmliche Ziel von Antisemiten", teilte Müller-Rosentritt mit. Diese Gewalt sei nie verschwunden, sie stehe heute neben dem Terror, dem Jüdinnen und Juden zusätzlich ausgesetzt seien.

Frank Müller Rosentritt
Bildrechte: FDP, Landesverband Sachsen

Besonders widerlich ist jedoch, dass es sich bei den geschändeten Grabsteinen scheinbar um Kindergräber handelt.

Frank Müller-Rosentritt FDP-Bundestagsabgeordneter und Chemnitzer Stadtrat

Damit Jüdinnen und Juden sich in Sachsen sicher fühlen, brauche man ein konsequentes Vorgehen gegen jede Art von Antisemitismus, egal wie er sich äußere, so der Chemnitzer Stadtrat. Die Berufung eines Antisemitismusbeauftragten durch die Landesregierung reiche nicht aus.

Jüdische Gemeinde Chemnitz Die Jüdische Gemeinde in Chemnitz besteht seit 1875. Am 7. März 1899 wurde die Synagoge am Stephansplatz auf dem Kaßberg eingeweiht. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Gemeinde über 1.000 Mitglieder. Im Jahr 1923 war diese Zahl auf 3.500 angewachsen.

Im Zuge der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge am Stephansplatz vollständig zerstört. Es sollte 64 Jahre dauern, bis es in Chemnitz wieder eine Synagoge gab.

1942 wurden alle jüdischen Einwohner von Chemnitz in die Vernichtungslager deportiert. Im September 1945 begannen 57 zurückgekehrte Mitglieder mit dem Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde. Am 24. Mai 2002 wurde schließlich die neue Synagoge in der Stollberger Straße eingeweiht. 2010 zählte die Gemeinde etwa 700 Mitglieder.

Quelle: MDR/kb/al/nk

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