Unwetter Versicherungswirtschaft: Chemnitz bei Starkregen besonders gefährdet

Sirene
Die Stadt Chemnitz will prüfen, ob besonders hochwassergefährdete Gebiete mit zusätzlichen Warnsirenen ausgestattet werden sollen. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadt Chemnitz hat aufgrund ihrer geografischen Lage bundesweit die drittmeisten Gebäude, die bei unwetterartigem Regen hoch gefährdet sind. Fast jedes siebte Haus (13,5 Prozent) steht hier in einem Tal oder in der Nähe eines kleineren Gewässers und ist deshalb in die höchste Starkregengefährdungsklasse eingeordnet. Reichlich zwei Drittel aller Gebäude (68 Prozent) sind in der mittleren Gefährdungsklasse eingruppiert, nur etwa 18 Prozent in der niedrigsten. Das ergab eine Analyse des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Dabei wurden die 50 einwohnerstärksten Städte in Deutschland verglichen. Dresden landete auf dem 12. Platz mit 8,8 Prozent Häusern in der höchsten Starkregengefährdungsklasse, Leipzig auf dem 29. Platz mit 5,2 Prozent. Deutschlandweit liegen etwa zwölf Prozent der Häuser in der höchsten Gefährdungsklasse.

Insgesamt wurde Sachsen auf den 2. Platz der gefährdeten Bundesländer eingestuft. Thüringen ist laut dieser Einschätzung am meisten gefährdet. Dort liegen knapp ein Viertel der Häuser in der höchsten Gefährdungsklasse. "Neben der Intensität des Regens hat die Lage eines Gebäudes einen entscheidenden Einfluss auf das Ausmaß von Starkregenschäden", sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. 

"Wir waren in den letzten 19 Jahren dreimal von so genannten Jahrhunderthochwassern betroffen: 2002, 2010 und 2013", sagte Sven Schulze, Oberbürgermeister von Chemnitz, am Mittwoch in einer Stadtratssitzung. Das Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz solle nun zum Anlass genommen werden, das Hochwasserschutzkonzept der Stadt noch einmal zu überprüfen.

Der Freistaat Sachsen und die Stadtverwaltung haben in den letzten Jahren die Schutzvorkehrungen entlang besonders kritischer Bereiche der Flüsse Chemnitz, Würschnitz und Zwönitz erhöht. Auch kleinere Bäche wurden berücksichtigt. An der Würschnitz in Harthau sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen.

Starkregengefährdungsklassen nach GDV Gefährdungsklasse 1 - geringe Gefährdung
Gebäude liegt auf einer Kuppe oder am oberen Bereich eines Hangs

Gefährdungsklasse 2 - mittlere Gefährdung
Gebäude liegt in der Ebene oder im unteren/mitteleren Bereich eines Hangs, aber nicht in der Nähe eines Bachs

Gefährdungsklasse 3 - hohe Gefährdung
Gebäude liegt im Tal oder in der Nähe eines Bachs

Chemnitz prüft Nachrüstung von Sirenen

An den Flussläufen Würschnitz, Zwönitz und Chemnitz gibt es laut Angaben der Stadt zwölf modernisierte Sirenen mit Lautsprecherdurchsagen, die nach den letzten Hochwassern angeschafft wurden. Zusätzlich gibt es in verschiedenen Stadtteilen sechs Motorsirenen. "Nach der Situation in Westdeutschland überprüfen wir, ob wir gegebenenfalls an einigen Stellen noch analoge, klassische Sirenen oder Lautsprecherdurchsagen nachrüsten", so Pressesprecher Matthias Nowak. "Gleichzeitig gibt es Überlegungen, ob man vor allem für die Innenstadt die Anzeigen und Lautsprecher der CVAG für so etwas benutzen kann."

Es sei möglich, dass an einzelnen Stellen in der Stadt, die als gefährdet eingestuft werden, mehrere Sirenen nachgerüstet werden. Die Studie des GDV wolle sich die Stadt gemeinsam mit dem Katastrophenschutz und den zuständigen Ämtern anschauen. "Solche Daten fließen immer mit ein", sagt Nowak.

Aufteilung der Adressen der 50 einwohnerstärksten Städte in die Starkregengefährdungsklassen (SGK) / Ranking nach SGK 3
Rang Stadt SGK 1 SGK 2 SGK 3
3 Chemnitz 18,5% 68,0% 13,5%
6 Erfurt 11,9% 76,1% 12,0%
12 Dresden 21,6% 69,7% 8,8%
29 Leipzig 20,6% 74,1% 5,2%
33 Magdeburg 23,6% 71,5% 4,8%
49 Halle an der Saale 20,5% 76,9% 2,6%

Quelle: MDR/al/nk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 22. Juli 2021 | 16:30 Uhr

5 Kommentare

Sharis vor 3 Tagen

Es herrscht unter Experten weitgehend Einigkeit darüber, dass die weltweirt gehäuften Extremwetter-Ereignisse auf den Klimawandel zurückzuführen sind.

wwdd vor 3 Tagen

Das ist wie mit Corona, irgendwann interessieren die Übertreibungen niemanden mehr und man stumpft ab. Also ich habe hier in meiner Wohngegend in diesen Jahren nichts von einem Jahrhunderthochwasser mitbekommen.

Rockson da Silva vor 3 Tagen

Hochwasser gab es immer. Hört auf das immer aufs Klima zu schieben. Und ja auch in Zukunft wird es passieren. Mein Tipp lieber Politiker. Macht eure Hausaufgaben und sucht keine Ausreden.

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