Zug ans Meer Intercity fährt ab sofort von Chemnitz zur Ostsee

Nach mehr als 15 Jahren Pause hat Chemnitz ab sofort wieder Fernbahnanschluss. Zwei Mal am Tag pendelt ein IC-Zug zwischen Chemnitz und Warnemünde. Weil es sich um eine Verlängerung der bestehende IC-Linie Warnemünde - Dresden handelt, fahren die Züge den Umweg über Freiberg. Das Land Sachsen zahlt die Verlängerung. Innerhalb Sachsens gilt deshalb der Nahverkehrstarif. Die Bahninitiative Chemnitz freut sich über die nun endlich erfolgte Anbindung, äußert aber auch Kritik.

'Willkommen in Chemnitz' steht auf einer Anzeigetafel im Hauptbahnhof in Chemnitz vor einem Intercity (l) der Deutschen Bahn (DB).
Ab sofort kann man ohne Umsteigen mit der Bahn von Chemnitz aus ans Meer fahren. Bildrechte: dpa

Nach 16 Jahren hat Chemnitz wieder einen Anschluss an den Fernverkehr der Bahn. Am heutigen Sonntag um 6:26 Uhr startete die Intercity-Linie 17 vom Chemnitzer Hauptbahnhof über Berlin nach Rostock-Warnemünde.

Bahn-Kunden können somit ab sofort Sonntag zweimal täglich - um 6:26 Uhr und 8:26 Uhr - ohne umzusteigen nach Berlin fahren. Der IC braucht zweieinhalb Stunden zum Flughafen BER. Bis zum Berliner Hauptbahnhof sind drei Stunden Fahrt geplant. Unterwegs hält der Zug zwischen Chemnitz und Dresden in Freiberg. Bereits ab Chemnitz soll die mobile Imbissversorgung für Reisende öffnen, hieß es von der Deutschen Bahn auf Nachfrage.

Die Deutsche Bahn (DB) verlängert damit ihre bestehende Intercity-Verbindung zwischen Warnemünde und Dresden bis nach Chemnitz.

Fahrzeit bis Berlin bleibt fast gleich

Die Fahrzeit von Chemnitz nach Berlin verändert sich im Vergleich zum aktuellen Fahrplan nicht wesentlich. Zurzeit brauchen Fahrgäste ebenfalls drei Stunden bis Berlin Hauptbahnhof, müssen allerdings beim Umstieg in Leipzig eine Dreiviertelstunde warten. Von Berlin dauert es noch rund drei Stunden bis Warnemünde.

In der Gegenrichtung verkehren die Züge täglich ab Warnemünde um 13:52 Uhr und 15:52 Uhr über Rostock, ab Berlin 16:26 Uhr und 18:26 Uhr und erreichen Chemnitz gegen 19:30 Uhr beziehungsweise 21:30 Uhr.

Zahlreiche Passagiere stehen am Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" (BER) im Terminal 1 vor der Sicherheitskontrolle Schlange.
In Chemnitz in den Zug steigen und direkt im Terminal der Flughafens Berlin-Brandenburg aussteigen - das ist ab Juni möglich. Bildrechte: dpa

Doppelstock-IC im Einsatz

Eingesetzt werden Doppelstock-Intercity, wie sie bereits planmäßig zwischen Dresden und Warnemünde über Berlin im Einsatz sind. Genau genommen handelt es sich beim Chemnitz-Anschluss auch um eine Verlängerung der bisherigen IC-Linie.

Fotowettbewerb von erster Intercity-Fahrt

"Wir erwarten am Sonntag viele Fahrgäste", sagte Mathias Korda vom Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) vor dem Start des ersten IC. Anlässlich der ersten Intercityfahrt wird ein Fotowettbewerb veranstaltet. Schnappschüsse von der ersten Fahrt können an den VMS-Facebook-Kanal oder per Mail an presse@vms.de geschickt werden. "Wir suchen die schönsten aus und prämieren sie", so Korda.

Ein IC bei der Einfahrt in den Chemnitzer Hauptbahnhof am 3. März 2022 anlässlich der Bekanntgabe der Fernverkehrsverbindung.
2 Mal bot sich am Sonntag die Gelegenheit, den IC in Chemnitz bei seiner Abfahrt Richtung Berlin zu fotografieren. Bildrechte: VMS

Freistaat lässt sich Fernzug 2,5 Millionen Euro je Jahr kosten

Der Freistaat finanziert die neue Fernverbindung. Maximal 2,5 Millionen Euro darf sie laut Ausschreibung pro Jahr kosten. Innerhalb Sachsens muss deshalb auch der Nahverkehrstarif anerkannt werden. Der Vertrag läuft über 6,5 Jahre mit Option auf jährliche Verlängerung, maximal bis Juni 2032.

Aktuell ist der Fahrplan eher für Reisende aus Chemnitz heraus konzipiert. Aus dem Chemnitzer Rathaus hieß es deshalb auch mit Blick auf das Kulturhauptstadtjahr 2025, die Verbindung könne nur ein Anfang sein. Ziel sei es, dass auch Tagesgästen aus Berlin eine umsteigefreie Bahnverbindung angeboten werde.

'Willkommen in Chemnitz' steht auf einer Anzeigetafel im Hauptbahnhof in Chemnitz vor einem Intercity (l) der Deutschen Bahn (DB).
Bahnkunden-Verband und Bahninitiative Chemnitz sehen das neue Angebot der Bahn kritisch. Bildrechte: dpa

Bahnkunden-Verband zwiegespalten

Der Deutsche Bahnkunden-Verband sieht das Modell des bezahlten Fernverkehrs zwiespältig. Zwar begrüße man grundsätzlich das Angebot mit Blick auf die Reisenden, gleichzeitig könnte es jedoch eine bedenkliche Entwicklung einleiten, hieß es im vorigen Jahr. Man sehe die Gefahr, dass der Bund so auf Kosten der Länder spart. Fernverkehr muss die Deutsche Bahn eigentlich seit der Bahnreform eigenwirtschaftlich betreiben.

Bahninitiative Chemnitz: Angebot nicht ausreichend

Auch die Bahninitiative Chemnitz bezeichnet die neue IC-Anbindung als nicht ausreichend, vor allem mit Blick auf das Kulturhauptstadtjahr 2025. "Eine ganze Wirtschaftsregion mit einer Einwohnerzahl fast so groß wie München bekommt nach 16 Jahren auf dem Abstellgleis des Fernverkehrs erneut eine InterCity-Verbindung." Darüber freue man sich, heißt es von Sebastian Drechsler, Sprecher der Initiative.

Die Verbindung sei ein großes und wichtiges Symbol für Chemnitz und die Region, trage aber nur geringfügig zu einer besseren Anbindung bei, so Drechsler. Diese Fernverkehrsanbindung werde keine große Auswirkung auf die Erreichbarkeit der Stadt und Region Chemnitz für Menschen außerhalb der Region haben. Man fordere deshalb, "die Intercity-Verbindung bis 2025 langfristig auf einen Zweistundentakt zu erweitern."

Wir fordern (...), die Intercity-Verbindung bis 2025 langfristig auf einen Zweistundentakt zu erweitern.

Sebastian Drechsler Sprecher der Bahninitiative Chemnitz

2006 fuhr der letzte Fernzug von Chemnitz nach Berlin

Im Mai 2006 verließ der letzte planmäßige Fernzug Chemnitz in Richtung Berlin, damals zugleich auch der letzte Interregio der Deutschen Bahn. Im Fahrplanjahr 2004/05 benötigten Interregios zwischen Chemnitz und Berlin Zoologischer Garten - der heutige Berliner Hauptbahnhof war noch nicht eröffnet - über Riesa 2:51 Stunden. Im Jahresfahrplan 1989/90 war der Städteexpress "Sachsenring" der Deutschen Reichsbahn von Karl-Marx-Stadt zum Flughafen Schönefeld 3:15 Stunden unterwegs und benötigte weiter 25 Minuten bis zum Endbahnhof Berlin-Lichtenberg.

Zwischen 2005 und 2015 gab es ein Experiment der Vogtlandbahn, die mit einem Nahverkehrsdieseltriebwagen nach Berlin fuhr. Nach mehrfach geändertem Konzept und Unterbrechungen wurde das Angebot aus finanziellen Gründen erst auf Bus umgestellt und ist dann komplett eingestellt worden.

MDR (lam,ma,cnj)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 12. Juni 2022 | 06:00 Uhr

3 Kommentare

gorgch vor 17 Wochen

Die IC Bindung über Freiberg-Dresden -Berlin-Rostock finde ich vollkommen i.O.
Bin auch auf der Verbindung Chemnitz/Mittweida-Döbeln-Riesa-Elsterwerda unterwegs.Ab Mittweida ist das Fahrgastaufkommen max. 5 - 10 Fahrgäste tw. bis Elsterwerda ! Welcher IC soll in Mittweida und Döbeln halten max. in Riesa also noch weniger.Es sollte die Nutzungsfrequenz der Fahrstrecke im Vordergrund stehen und da steht Freiberg und Dresden eindeutig als Sieger da.Auch auf Grund der touristischen Angebote,Uni.standorten und Pendlerverkehr.
Eine Anbindung Richtung Zwickau - Plauen -Hof wäre zuprüfen und für mich sinnvoll.Nicht kurz und schnell sondern effektiv ist hier das Motto.

GEWY vor 17 Wochen

Warten wir mal den Donnerstag ab, wie die Fahrtroute sein wird. Warum der IC nicht weiter nach Zwickau-Plauen -Hof verlängert wird (Auslastung und Ersatz für einige RE3) bleibt wahrscheinlich ein Rätsel. Und wenn man nur Chemnitz - Berlin-Rostock bedienen will, warum dann nicht der RE 5 Rostock - Berlin- Elsterwerda über Riese- Döbeln verlängert wird, das nächste Rätsel.

Zeitgeist vor 17 Wochen

Vermutlich über Freiberg?
Die kurze Verbindung über Hochschulstadt Mittweida, Döbeln und Riesa gefällt wohl nicht.
Mehr Umweg war wohl nicht zu finden !

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