Interview Wanderwitz erwartet nach Anschlag mehr staatliche Härte

In der Silvesternacht ist auf das Wahlkreisbüro des ehemaligen Ostbeauftragten der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, in Zwönitz ein Anschlag verübt worden. Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz. Im Gespräch mit MDR SACHSEN zeigt sich der CDU-Politiker von der Einschätzung der Polizei verwundert und erwartet mehr staatliche Härte.

Marco Wanderwitz
Marco Wanderwitz ist über die Dimensionen von Hass, Bedrohungen und Sachbeschädigungen erschüttert. Bildrechte: dpa

Frage: Herr Wanderwitz, wie haben Sie reagiert, als Sie von dem Anschlag erfahren haben?

Marco Wanderwitz: Ich habe am Neujahrsmorgen davon erfahren. Leider muss ich sagen, schockiert mich inzwischen nichts dieser Art mehr. Im Grunde war es früher oder später fast zu erwarten. Erschütternd ist es dann gleichwohl immer wieder. Darauf legen es diese Horden ja auch an.

Ist es der erste Fall dieser Art in Zwönitz?

In dieser Dimension ja. Aber Bedrohungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen sind inzwischen seit Jahren an der Tagesordnung im Wahlkreis und im Netz. Leider. In den letzten Monaten ist es noch einmal schlimmer geworden.

Eine zersplitterte Schaufensterscheibe an einem Wahlkreisbüro
So fand Marco Wanderwitz das Wahlkreisbüro nach dem Anschlag vor. Bildrechte: privat

Was werden Sie jetzt unternehmen?

Was soll man anderes machen, als weitermachen…

Welchen Hintergrund vermuten Sie bei der Tat?

Die sogenannten Freien Sachsen, eine rechtsradikale Sammlungsbewegung, und ihre Freunde aus NPD und AfD, hetzen seit Langem intensiv. Auch im Wahlkampf wurde ich "begleitet", zum Beispiel bei Veranstaltungen. Wenn ich mir jetzt die Reaktionen im Netz anschaue, weiß ich, wo die geistigen Brandstifter und die Täter zu suchen sind.

Im Übrigen finde ich die polizeiliche Einschätzung, die von "unbekannter Pyrotechnik" spricht, sagen wir einmal, eigenartig. Solche Schäden richtet kein legal zu erwerbendes Feuerwerk an. Hier hantieren Leute mit Sprengstoffen. Einschlägige Waffenfunde gibt es ja auch bereits in der Region. Ich erwarte hier deutlich mehr staatliche Härte!

Ein Stehtisch an einem zersplittertem Fenster, daneben Glasscherben
Die Glasscherben beschädigten auch das Innere des Büros. Bildrechte: privat

Es gibt bereits zahlreiche Solidaritätsbekundungen, auch von Vertretern der Linken und der Grünen. Wie nehmen Sie die auf? Wie hat Ihre Partei reagiert?

Ich freue mich sehr über diese Unterstützung. Auch die parteiübergreifende. Demokraten müssen zusammenstehen, wenn die Demokratie in den Grundfesten angegriffen wird. Und genau diese Situation haben wir in den neuen Ländern, in Sachsen mehr, als in jedem anderen Bundesland.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: MDR/dk/tfr

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