Wirtschaftlichkeit Holzkraftwerk in Chemnitz wird nicht gebaut

 Schornstein des Heizkraftwerks Chemnitz auf dem Gelände des Energieversorgers Eins Energie
Eins Energie hat sich von den Plänen verabschiedet, ein Holzkraftwerk in Chemnitz zu errichten. Bildrechte: dpa

Das im Chemnitzer Stadtteil Siegmar geplante Holzkraftwerk des Energieversorgers eins Energie wird nicht gebaut. Das Unternehmen teilte mit, dass es sich aus wirtschaftlichen Gründen gegen den Bau entschieden habe. Konkret heißt es in einer Mitteilung: "Leider hat sich gezeigt, dass die eingegangenen Angebote für die Errichtungsleistungen der Anlagen- und Bautechnik auch nach intensiven Verhandlungen noch weit über den geplanten Kosten und dem wirtschaftlichen Maximalbudget liegen." Roland Warner, der Vorsitzende der Geschäftsführung, wird mit den Worten zitiert, dass die hohen Kosten wirtschaftlich auch den Kunden gegenüber nicht darstellbar seien.

Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass es sich um eine gute und sinnvolle Technologie handelt.

Roland Warner Vorsitzender der Geschäftsführung von eins Energie

Das Kraftwerk sollte 2023 in Betrieb gehen. Geplant waren eine Fernwärme-Leistung von 15 Megawatt und fünf Megawatt elektrische Leistung. Dafür sollten pro Jahr etwa 80.000 Tonnen Holzhackschnitzel und Schreddermaterial aus der Kompostierung von Baum- und Strauchschnitt und von Baufeldfreimachungen verbrannt werden. Das Brennmaterial sollte aus einem Umkreis von maximal 250 Kilometern zum Kraftwerk gebracht werden.

Bürgerinitiative erleichtert

Eine Bürgerinitiative hatte sich monatelang gegen das Bauvorhaben in ihrem Stadtteil gestemmt. Die Nachricht vom Ende des Projekts stimmt die Mitglieder zuversichtlich, sagt Matthias Taube, ein Sprecher der Initiative. "Wir haben uns natürlich riesig gefreut und mit Sekt angestoßen. Jetzt sind wir gespannt, ob nun eine bessere Lösung kommt."

Zugleich betonte Tauber, dass die Bürgerinitiative der Stadt bereits vor längerer Zeit die Unwirtschaftlichkeit eines solchen Kraftwerks vorgerechnet habe. "Viele Holzkraftwerke in unserer Umgebung sind nicht wirtschaftlich. In Zwickau wird eins abgebaut, in Siebenlehn ist ein mit Fördermitteln gebautes Kraftwerk stillgelegt worden." Selbst eins Energie habe am Hauptstandort vor acht bis zehn Jahren auch ein Holzkraftwerk bauen wollen, was damals schon aus wirtschaftlichen Gründen gescheitert sei. "Damals war es unwirtschaftlich. Jetzt haben wir es nach zehn Jahren noch einmal untersucht, heute ist es wieder unwirtschaftlich."

Holzkohlekraftwerk Lohbrügge in Hamburg, 2009
So ähnlich wie dieses Holzkraftwerk in Hamburg sollte der Neubau in Chemnitz aussehen. Bildrechte: dpa

Wir sind als Bürgerinitiative nicht gegen die Energiewende. Wir sind nicht dagegen, dass auf dem Grundstück der eins Energie erzeugt wird. Was wir nicht wollen, sind Abgase und Emissionen, die ganz Chemnitz überziehen.

Matthias Taube ein Sprecher der Bürgerinitiative

Energieunternehmen prüft Alternativen für Energieproduktion

Eins Energie will sich vom geplanten Standort nicht verabschieden. Am Ziel, grünere Energie für Chemnitz bereitzustellen und damit die Klimaziele der Stadt zu unterstützen, ändere sich nichts, sagt Geschäftsführer Roland Warner. "Wir halten in jedem Fall am Aufbau einer regenerativen Erzeugungseinheit am Standort Siegmar fest." Man prüfe im Rahmen des Gesamtprojektes Alternativen. "Welche das sind, ist noch nicht abschließend geklärt."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 03. Mai 2021 | 14:30 Uhr

7 Kommentare

AufmerksamerBeobachter vor 1 Wochen

Interessant waere noch zu wissen, wie die Versorgung erfolgt. Kesselwagen oder werden Rohrleitungen verlegt? In der Nähe, bei Annaberg, liegt doch eine Erdgastrasse aus der SU.

Chrisbob vor 1 Wochen

Das Unternehmen eins hat die vergangenen Jahre damit geworben, dass der regenerative Anteil der Fernwärme durch das Holz-HKW auf ca. 10 % steigen wird. Damit wird es jetzt nichts.
Ergebnis: Die Fernwärme in Chemnitz wird bis auf marginale Anteile (Low-Ex-Fernwärme auf dem Brühl mit Solarthermieunterstützung) nahezu vollständig fossil, d. h. klimaschädlich erzeugt.
Aber als "Klimaschützer" bei der Earth Hour 2021 wieder einmal für eine Stunde die Beleuchtung des Schornsteins ausstellen.
Denen ist in Sachen Greenwashing wirklich nichts zu billig.

Chrisbob vor 1 Wochen

Das Unternehmen eins hat die vergangenen Jahre damit geworben, dass der regenerative Anteil der Fernwärme durch das Holz-HKW auf ca. 10 % steigen wird. Damit wird es jetzt nichts.
Ergebnis: Die Fernwärme in Chemnitz wird bis auf marginale Anteile (Low-Ex-Fernwärme auf dem Brühl mit Solarthermieunterstützung) nahezu vollständig fossil, d. h. klimaschädlich erzeugt.
Aber als "Klimaschützer" bei der Earth Hour 2021 wieder einmal für eine Stunde die Beleuchtung des Schornsteins ausstellen.
Denen ist in Sachen Greenwashing wirklich nichts zu billig.

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