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Bildrechte: imago/Hanke

ProvenienzforschungBislang keine NS-Raubkunst in Grafiksammlung Chemnitz

von MDR SACHSEN

Stand: 14. Februar 2022, 18:06 Uhr

In einem großangelegten Projekt durchsuchen auch die Kunstsammlungen Chemnitz ihre Bestände nach zu Unrecht in der NS-Zeit erworbenen Kunstwerken jüdischer Vorbesitzer. Bei den Grafiken gibt es nur wenige Auffälligkeiten.

Die Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz haben bei Forschungen in ihrer grafischen Sammlung keine eindeutigen Fälle von NS-Raubkunst ausmachen können. Projektleiterin Jennifer Chrost hatte in den vergangenen zwei Jahren Zeichnungen, Grafiken und Bücher untersucht, die zwischen 1933 und 1945 in den Besitz der Sammlungen gelangt waren. Demnach wurden in dieser Zeit 377 Zeichnungen, 397 Grafiken und 36 Kunstmappen durch die Kunstsammlungen angekauft. Ein eindeutig unrechtmäßiger Erwerb - etwa weil die Notlage jüdischer Eigentümer direkt ausgenutzt worden wäre - ließ sich nach Ansicht Chrosts nicht nachweisen.

Allerdings ergaben ihre Recherchen nur für 52 Arbeiten einen eindeutig unbedenklichen Erwerb. Bei 333 Grafiken konnte der Weg zum Verkäufer oder der Verkäuferin der Arbeiten nicht genau nachverfolgt werden. 18 Arbeiten wurden als bedenklich eingestuft.

Weg einiger grafischer Arbeiten nicht eindeutig zu nachzuverfolgen

Zu den 18 bedenklichen Ankäufen gehören auch Blätter aus der Sammlung des Chemnitzer Bankiers Carl Heumann. Der jüdische Bankier war trotz seines Übertritts zum Protestantismus nicht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten geschützt. Er musste zahlreiche Repressalien über sich ergehen lassen. wurde 1945 bei einem der Bombenangriffe auf Chemnitz getötet.

Beispielhaft für den unklaren Status der Grafiken aus seiner Sammlung nannte Jennifer Chrost die Grafik "Flußlandschaft im Gebirge" des Dresdner Malers Ernst Ferdinand Oehme. Zu dieser Arbeit ist nach Aussage Chrosts nur bekannt, dass sie im Besitz Heumanns war und 1938 bei einer Auktion von den Kunstsammlungen Chemnitz gekauft wurden. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hatten 2021 drei Werke aus ihrer Sammlung an die Familie Heumann zurückgegeben.

MDR (tfr/mv)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | Sachsenspiegel | 14. Februar 2022 | 19:00 Uhr