Kritik am Vergabeverfahren Wasserstoffzentrum: Sachsen verschnupft über Scheuer-Entscheidung

Ursprünglich sollte das Nationale Wasserstoffzentrum zentral an einen Standort in Deutschland vergeben werden. Nun muss das Gesamtbudget von aktuell bis zu 290 Millionen Euro auf vier Orte verteilt werden. So hat es am Donnerstag Bundesverkehrsminister Scheuer verkündet. Chemnitz erhält davon bis zu 60 Millionen Euro. Beantragt waren allerdings 95 Millionen Euro.

Nationales Wasserstoffzentrum Chemnitz
Chemnitz wird einer der Standorte für Nationale Wasserstoffzentren. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Einen Tag nach der Entscheidung für den Standort des Nationalen Wasserstoffzentrums ist man in Sachsen nicht vollends zufrieden. Gehofft wurde auf einen Sieg für Chemnitz, nun ist man nur einer von vier neuen Standorten.

Mit 100 Millionen Euro wird der bayerische Standort Pfeffenhausen das größte Stück vom Kuchen abbekommen. Das bestätigte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am Donnerstag. Scheuer begründete die Entscheidung für mehrere Standorte damit, dass alle vier Konzepte gleichermaßen überzeugend gewesen seien. Das sieht man in Sachsen etwas anders.

"Chemnitz hatte die beste Bewerbung, das überzeugendste Konzept", so das Sächsische Wirtschaftsministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Daher hat uns die Netzwerklösung, welche Bundesminister Scheuer nun präsentierte, natürlich etwas überrascht." Auch wenn man sich mehr erhofft habe, gebe die Standortentscheidung Rückenwind.

Warum die Verkündung eine Woche später als geplant erfolgte, ob es eine Intervention aus Bayern gab und warum der bayerische Standort nun das meiste Geld bekommt, muss der Bund beantworten.

Sächsisches Wirtschaftsministerium

Unabhängiges Gutachten: Chemnitz auf Platz eins

Detlef Müller, SPD-Bundestagsabgeordneter für Chemnitz, weiß zu berichten, dass die Vergabe, aufgrund einer Intervention von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verschoben wurde. Und: "Söder wollte, dass nicht nur Chemnitz zum Zuge kommt, sondern dass alle Standorte partizipieren. Und das ist zu kritisieren." Es gebe ein unabhängiges Gutachten, nach dem Chemnitz als Standort für das Wasserstoffzentrum klar auf dem ersten Platz gelandet wäre.

Detlef Müller (SPD), Mitglied des Ausschusses für Verkehr
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Politik hat in dem Auswahlprozess, bei so einer technischen und wissenschaftlichen Sache, nichts zu suchen.

Detlef Müller SPD-Bundestagsabgeordneter für Chemnitz

Trotzdem freut sich Müller sehr über den Erfolg von Chemnitz. "Es ist ein Riesenerfolg für die Stadt, für die Region, weil wir wieder in den Fokus geraten, nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch Wissenschaft und Forschung herholen", sagt er.

Nationales Wasserstoffzentrum Chemnitz
Der Netzwerkverein HZwo, der das Bewerbungskonzept erstellt hat, forscht bereits am Standort Chemnitz mit der TU und des Frauenhofer-Instituts. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Treffen mit anderen Standorten geplant

Die zugesagten 60 Millionen Euro würden für die Pläne in Chemnitz zwar nicht ausreichen, sagt Müller. Trotzdem wolle man mit dem Aufbau anfangen. Müller setzt auch auf externe Investoren für den Standort.

Der Netzwerkverein HZwo, der das Bewerbungskonzept erstellt hatte, kündigte in einer Pressemitteilung ein Auftakttreffen mit den Standorten Duisburg, Pfeffenhausen sowie dem zusätzlichen Schiff- und Luftfahrtcluster in Norddeutschland an. Außerdem sei ein Treffen zwischen sächsischen Ministerien, der Stadt Chemnitz und dem Bündnis geplant.

Chemnitzer Pläne für das Wasserstoffzentrum Das in Chemnitz geplante Wasserstoffzentrum soll 37.000 Quadratmeter groß werden. Auf dem Technologie-Campus in direkter Nachbarschaft der TU Chemnitz, der Fraunhofer-Institute IWU und ENAS sowie Teststrecken für Straßen- und Schienenfahrzeuge soll das "Hydrogen and Mobility Innovation Center" (HIC) zukünftig die gesamte Wertschöpfungskette von der Brennstoffzelle bis zu Gesamtfahrzeugen abdecken.

Künftig sollen hier Unternehmen, ihre Innovationen zur Serienreife - und damit emissionsarme Züge auf die Schiene oder Autos auf die Straße bringen. Bis Ende des Jahres sollen eine Machbarkeitsstudie und die Konzeption fertiggestellt werden. 2024 soll das Wasserstoffzentrum dann in Betrieb gehen.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 03. September 2021 | 17:30 Uhr

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