von links nach rechts: Hellfried und Hella (die zwei Chemnitzer Mitfahrer) – er selbst mit Hut – und die zwei Volontäre Christian und Lucian aus Temeswar 4 min
Der Chemnitzer Rentner Werner Steffens (mit Hut) ist von der Kulturhauptstadt-Idee begeistert. Bildrechte: Werner Steffens
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Der Kulturhauptstadt-Titel für Chemnitz hat dazu geführt, dass sich Werner Steffens einen Lebenstraum erfüllt hat. 2023 reiste er nach Temeswar in Rumänien, die damalige Kulturhauptstadt. Ein Beitrag von Jacqueline Hene.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 24.06.2024 06:20Uhr 03:52 min

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Europäische Kulturhauptstadt 2025 Chemnitzer entdeckt Kulturhauptstadt-Feeling im rumänischen Temeswar

24. Juni 2024, 15:43 Uhr

In einem halben Jahr schon will Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt 2025 glänzen. Im Stadtbild zeugen etliche Baustellen davon. Die Stadt verändert sich und mit ihr auch die Menschen. MDR Kultur trifft Chemnitzer, die von der Kulturhauptstadt-Idee begeistert sind und sich einbringen. So wie Werner Steffens. Der Titel für Chemnitz hat dazu geführt, dass sich der Rentner einen Lebenstraum erfüllen konnte. 2023 ist er nach Rumänien gereist und hat Temeswar besucht, das zu dieser Zeit den Titel trug.

Werner Steffens öffnet die Tür in einem Hoodie mit dem Logo der "KHS Temeswar". Eine Erinnerung an zehn tolle Tage, die er Ende vorigen Jahres in der westrumänischen Stadt verbracht hat. "Da ist Glanz drin in der Stadt. Wenn die das, was sie jetzt aufgebaut haben, nur ein bisschen so behalten – viele Plastiken und Installationen –dann wird sich immer jemand dran erinnern, dass da Kulturhauptstadt war. Temeswar ist echt so wunderbar", schwärmt der Rentner.

Der Wunsch, einmal im Leben nach Temeswar zu reisen, reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Damals lebte Werner Steffens noch in Mainz und besuchte ein Konzert der rumänischen Rockband Phoenix. "Die CD, die sie damals verkauft haben, hieß Temeswar. Und die Musik war einfach spitze. Symphonieorchester plus Folk-Rock. Und da hab ich gedacht, da will ich hin, das will ich auch mal erleben", erinnert sich der 75-Jährige.

Temeswar, Rumänien, eine Säule auf einem begrünten Platz, im Hintergrund mehrere Gebäude
Ein Besuch in der westrümänische Stadt Temeswar war für den Chemnitzer Werner Steffens immer ein Traum. Bildrechte: imago images / imagebroker

Temeswar wurde 2023 Europäische Kulturhauptstadt

Fast 40 Jahre später, im Jahr 2023, ist Werner Steffens´ Sehnsuchtsort Temeswar Europäische Kulturhauptstadt (KHS). Und seine neue Heimatstadt Chemnitz auf dem Weg dorthin. "Also, jetzt oder nie", sagte sich der Rentner und reiste mit Mitte 70 das erste Mal nach Rumänien.

Weil´s zusammen mehr Spaß macht, sucht sich Steffens zwei Mitfahrer. Das Chemnitzer Kulturhauptstadt-Büro hilft dem Trio zudem bei der Planung der Reise, stellt auf kurzem Weg Kontakt zum Temeswarer Freiwilligenteam her. Und so fühlen sich die Abenteurer vom Moment der Ankunft an willkommen.

Neuen Personen stehen und hocken nebeneinander vor einem Backsteingebäude.
Werner Steffens (mit Hut) im Kreise seiner neuen rumänischen Freunde in Temeswar. Bildrechte: Werner Steffens

"Das war ein total herzlicher Empfang und ein traumhaftes Zusammensein. So, wie ich mir wünsche, dass man sich begegnet. Und die Stadt selber, es war Ende der Kulturhauptstadt-Epoche und wir hatten den Eindruck, das war alles noch total am Blühen", sagt Steffens. Die Chemnitzer werden herumgeführt: Revolutionsmuseum, Innenstadtsynagoge. Konzerte. Und dann entdeckt Werner Steffens auf einem Spaziergang sein persönliches Highlight: einen circa 15 Meter hohen, begehbaren Turm aus Gerüstbaustahl, mitten im Zentrum. "Da hab´ ich gedacht, die stellen was auf die Beine", erinnert er sich.

Das war ein total herzlicher Empfang und ein traumhaftes Zusammensein. So, wie ich mir wünsche, dass man sich begegnet.

Werner Steffens

Ideen für Chemnitz als Kulturhauptstadt 2025

Immer wieder drängt sich Steffens der Gedanke auf, ob Chemnitz da überhaupt mithalten kann. "Im ersten Moment hab ich gedacht: ohje. Chemnitz ist für mich schwer zu erleben. Das Leben in der Stadt ist für die, die zu Fuß durchgehen und die Stadt genießen wollen, schon ´ne harte Nuss. Die großen Straßen, die leeren Plätze. Ein Flanieren wird einem da total schwer gemacht", so der Rentner.

Das Wegleitesystem in Temeswar aber bringt ihn auf eine Idee. Man könnte die oft weit verstreut liegenden Sehenswürdigkeiten von Chemnitz optisch miteinander verbinden. "Ich denke, dass man da mit Form und Farbe einiges machen. Dass die Leute sagen, ach, wenn ich jetzt diesen Fußstapfen nachgehe, die am Boden gemalt sind oder diesen Farben an den Laternenpfahlen, dann bleibt´s interessant", erläutert Steffens.

Stadtbild von Chemnitz mit der Chemnitzer Oper und der St. Petri-Kirche bei schönem Sonnenuntergang.
Die Sehenswürdigkeiten in Chemnitz liegen verstreut in der Stad – es gibt viele leere Plätze und große Straßen. Bildrechte: IMAGO/Pond5

Zurück in Chemnitz bringt er diese Idee im "Team Generation" ein. Ein Beteiligungsportal der KHS, das die Perspektiven junger und alter Chemnitzer aufgreift. Steffens freut sich auf 2025 in Chemnitz, will mittun und ist neugierig, was das Jahr bringt. Aber auch Rumänien lässt ihn nicht mehr los. Er will nochmal hin. Möglich, dass Steffens dann ein zweites Mal Phoenix, live in concert, erlebt. Die rumänische Band aus Temeswar gibt es nach vier Jahrzehnten nämlich immer noch.

Redaktionelle Bearbeitung: lig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Juni 2024 | 06:20 Uhr

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