Großeinsatz der Polizei Kundgebung gegen Corona-Politik in Chemnitz weitgehend friedlich

Eine Kette aus Einsatzfahrzeugen und Politisten versperrt im Schneetreiben eine Straße
Die Polizei war mit einem Großaufgebot von 450 Beamten vor Ort. Bildrechte: MDR

In Chemnitz haben am Sonnabend mindestens 1.000 Menschen gegen die Corona-Politik von Bund und Land demonstriert. Die Polizei sperrte die Kundgebungsfläche vor dem Karl-Marx-Monument vor Veranstaltungsbeginn mit einem Großaufgebot ab. Etwa 500 Demonstranten waren mit einem Autokorso von Zwickau nach Chemnitz gekommen. Die Polizei wies weitere Teilnehmer mit Verweis auf die erreichte zulässige Teilnehmerzahl ab.

Aufgerufen zu der angemeldeten Kundgebung hatte die Bürgerbewegung "Chemnitz steht auf". Sie versteht sich als parteiunabhängig und keiner politischen Ausrichtung verpflichtet. Günter Brötzmann vom Organisationsteam wehrt sich gegen jede politische Vereinnahmung. "Wir sind kein Verein und erst recht keine Partei, sondern ein Zusammenschluss von Menschen aus den verschiedensten Bereichen." Vom Pfarrer über den Fahrlehrer und Mitarbeiter beim Gericht sei alles vertreten. "Wir haben Befürchtungen, weiterhin stigmatisiert zu werden." Natürlich engagierten sich auch konservative Menschen bei "Chemnitz steht auf", aber es gehe ihnen darum, wieder eine Diskussion zuzulassen.

Aufruf in sozialen Netzwerken

Obwohl der Kundgebungsaufruf auch von offenbar rechten Gruppen in sozialen Netzwerken verbreitet wurde, waren Teilnehmer der Szene nur vereinzelt auf dem Areal auszumachen. Das Altersspektrum der Teilnehmer reichte von jungen Familien mit Kindern bis zu älteren Menschen. Teilnehmer der Demonstration sagten einem MDR-Reporter, dass es ihnen um die Zukunft ihrer Kinder und die Angst um die eigene Existenz gehe. Eine Demonstrantin sagte, sie zweifle keinesfalls an Corona, dafür aber an der Wirksamkeit der Maßnahmen gegen die Pandemie. "Wir brauchen eine breitere Diskussion darüber, wie wir die Pandemie besiegen. Oder besser, wie wir damit leben können." Ein anderer Kundgebungsteilnehmer ergänzte, dass er die Salamitaktik bei den Corona-Maßnahmen ablehne. "Wir starren schon zu lange nur auf die Zahlen. Die Politik muss mit den Menschen reden, die alle nach Wegen suchen, mit Corona fertig zu werden."

Eine Frau und ein Kind mit Schildern auf dem Rücken: Lasst unsere Alten nicht allein sterben, Ich will wieder mit meinen freunden spielen.
Viele Demonstranten brachten mit Schildern ihrem Unmut zum Ausdruck. Bildrechte: MDR

Polizei: friedlicher, aber nicht störungsfreier Verlauf

Die Polizeidirektion Chemnitz teilte nach der Kundgebung mit, dass die Veranstaltung friedlich verlaufen ist. Nach Angaben der Beamten wurden am Sonnabendnachmittag 24 Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen Verstößen gegen die Sächsische Corona-Schutz-Verordnung erstattet. Als Grund dafür wurden das Nichttragen des Mund-Nasen-Schutzes und die Nichteinhaltung der Ausgangsbeschränkungen angegeben. Außerdem wurde eine Strafanzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte gestellt. Zwei weitere ergingen gegen Personen, die ein gefälschtes Attest zur Befreiung vom Mund-Nasen-Schutz vorgewiesen hatten. Die Beamten verhinderten außerdem Übergriffe mehrerer Personen auf eine spontane Gegendemonstration mit etwa 30 Teilnehmern. Die Polizei war mit 450 Beamten vor Ort

Polizisten sperren mit Fahrzeugen den Zugang zu einer Demonstration
Die Polizei sprach nach der Kundgebung von einem friedlichen, aber nicht störungsfreien Verlauf. Bildrechte: MDR

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 06.02.2021 | 19:00 Uhr

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