Bundeshaushalt Chemnitz erhält weitere 12,5 Millionen Euro für Wasserstoff-Kompetenzzentrum

Chemnitz soll einer von insgesamt vier Standorten für ein nationales Wasserstoff-Kompetenzzentrum werden. Im vergangenen Jahr sind dafür Fördermittel verteilt worden. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat die Verteilung der Gelder nachträglich geändert. Chemnitz erhält nun eine deutlich höhere Summe.

Zapfpistole einer Wasserstofftankstelle
Am nationalen Wasserstoffzentrum in Chemnitz sollen künftig Innovationen für Straßen- und Schienenfahrzeuge für den Weltmarkt zur Serienreife gebracht werden. Bildrechte: IMAGO/photothek

Chemnitz als ein Standort des Nationalen Innovations- und Technologiezentrum Wasserstoff (NITW) erhält dieses Jahr 12,5 Millionen Euro mehr Fördermittel als bislang vorgesehen. Wie das sächsische Wirtschaftsministerium mitteilte, ist die Erhöhung am Donnerstag in seiner sogenannten Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses des Bundestages beschlossen worden. Insgesamt fließen damit 72,5 Millionen Euro für die Wasserstoff-Forschung vom Bund nach Chemnitz.

Die Erhöhung sei durch beharrliches Nachfragen möglich gemacht worden, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) in einer entsprechenden Mitteilung. Sein Dank gelte dem Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider, und dem Chemnitzer Bundestagsabgeordneten Detlef Müller (beide SPD), die sich für Chemnitz eingesetzt hatten.

Sächsische Abgeordnete begrüßen Fördermittelvergabe

Chemnitz bringe für die Ansiedlung des bundesweiten Wasserstoffzentrums die besten Voraussetzungen mit, sagte der Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion im Bundestag, Torsten Herbst. Die Stadt sei völlig zurecht von der Bundesregierung als Standort ausgewählt worden. Umso erfreulicher sei es, dass zusätzliche Fördermittel bereitgestellt werden. "Der Bundestag hat damit auf Antrag der Ampel-Koalition einen Beitrag geleistet, die Region Südwestsachsen zu einem echten Zukunftsstandort zu entwickeln", erklärte Herbst.

Torsten Herbst, MdB, FDP-Obmann im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur
Torsten Herbst ist seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Bildrechte: imago images/Metodi Popow

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Berichterstatterin im Haushaltsausschuss, Paula Piechotta, sagte, man brauche die Wasserstofftechnik für die Dekarbonisierung der Industrie und des Schiffs- und Flugverkehrs. "Ich freue mich, dass Chemnitz als gleichberechtigter Standort jetzt gestärkt wird und wir damit teilweise fragwürdige Standortentscheidungen aus der letzten Legislatur heilen können."

Paula Piechotta
Paula Piechotta (Bündnis 90/Die Grünen) bei einer Rede im Bundestag Bildrechte: dpa

Korrektur der Fördersumme nach Kritik an Scheuers Vergabe-Praxis

Bei der Fördermittelvergabe waren Chemnitz zunächst 60 Millionen Euro zugesprochen worden, wie die Stadt mitteilte. 95 Millionen Euro waren demnach beantragt. Das sächsische Wirtschaftsministerium kritisierte am Freitag wiederholt, dass der ehemalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Großteil der Fördermittel kurz vor der Bundestagswahl ins bayerische Pfeffenhausen verschoben habe. Chemnitz, Pfeffenhausen und Duisburg sowie ein Konsortium in Norddeutschland wurden im vergangenen Jahr als Standorte eines NITW ausgewählt.

Vier Forschungsstandorte mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Die unterschiedlichen Standorte sollen jeweils zu verschiedenen Schwerpunkten forschen und unterschiedliche Bedürfnisse der Industrie aufgreifen. In Chemnitz liegt der Fokus auf Wasserstoffanwendungen für Straße und Schiene sowie auf dem Aufbau einer wettbewerbsfähigen Zulieferindustrie.

Mehr zum Thema:

Ein riesiges H und eine riesige 2 schwimmen in einem Meer. 45 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (ms)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten | 20. Mai 2022 | 10:30 Uhr

3 Kommentare

Freies Moria vor 11 Wochen

@Eulenspiegel: Windstrom ist eine direkte Umsetzung von Energie aus der Umwelt in Strom.
"Wasserstoff" ist dagegen wie eine chemische Batterie - man nutzt andere Energiequellen um die Batterie zu laden, also Wasserstoff zu erzeugen, und dann verbrennt man den Wasserstoff um die Batterie zu entladen.
Wasserstoff hat also einen grundsätzlichen Nachteil von mindestens einer zusätzlichen Energieumwandlung bis zur Nutzung - es wird IMMER teurer sein, egal wie weit Sie in die Zukunft blicken.

Eulenspiegel vor 11 Wochen

Hallo Freies Moria
Sie sind ja ganz schön rückwärtsgewandt.
Nur ein Beispiel:
Vor 25 Jahren war der Windstrom eine gute und umweltfreundliche Energiequelle. Nur leider unbezahlbar also absolut nicht Wettbewerbsfähig.
Heute ist der Windstrom so ziemlich das preiswerteste was es auf dem Markt gibt.
Es ist alles in Bewegung. Auch die Preise. Das war schon immer so.

Freies Moria vor 11 Wochen

"wettbewerbsfähig" ist das Zauberwort bei Wasserstoff.
Autos die 80000 Euro kosten, Tankstellen die nach Millioneninvestitionen nur mit einem Solarpark nebendran funktionieren (oder einem dicken Stromkabel, welches täglich teurer wird), all das wird Wasserstoff nicht massentauglich machen. Und der Schienenbetrieb alleine erst recht nicht.

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Besondere Meisterbriefe in Chemnitz übergeben 1 min
Besondere Meisterbriefe in Chemnitz übergeben Bildrechte: mdr
1 min 09.08.2022 | 17:05 Uhr

Besondere Meisterbriefe vergeben: In Chemnitz wurden am Dienstag Handwerker geehrt, die vor 50 Jahren und länger ihren Meister gemacht haben. Unter den Ehrenmeistern sind viele traditionelle Berufe.

Di 09.08.2022 17:01Uhr 00:50 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/chemnitz-stollberg/video-handwerk-meisterbrief-chemnitz-ehrung-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mehr aus Sachsen