Pflegeausbildung Motivierter Pflege-Nachwuchs in Chemnitz bekommt moderne Technik

In der Pflege- und im Gesundheitsbereich herrscht Personalmangel, nicht erst seit der Corona-Pandemie. Ausländische Pflegekräfte werden rekrutiert, die Ausbildung soll besser werden, über die Bezahlung wird immer weider gestritten. Im Chemnitzer BSZ wird mit dem "Care Unit" jetzt die Ausbildung wirklichkeitsnäher gestaltet. Die Schülerinnen und Schüler bewerten das als zusätzliche Motivation für ihre Arbeit.

Eine Lehrerin erklärt Pflegeschülern an einem Krankenbett die Funktion eines Gerätes, das sie in der Hand hält.
Der Patient in der "Care-Unit" ist nur eine Puppe. Die verlangt jedoch eine sehr wirklichkeitsnahe Behandlung von den Pflegeschülerinnen und -Schülern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ich wusste ich schon früh, dass ich etwas im Sozialbereich machen will. Außerdem ist meine Mutter selbst Krankenschwester. Dadurch ist das jetzt mein Lieblingsberuf." Der "Lieblingsberuf", von dem der Schüler am Beruflichen Schulzentrum für Gesundheit und Sozialwesen in Chemnitz spricht, heißt Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. Fünf dieser Nachwuchsfachkräfte haben MDR SACHSEN erzählt, warum sie ausgerechnet in diesem Beruf arbeiten wollen, über den seit Monaten so viel diskutiert wird.

Drei junge Frauen und zwei junge Männer in weißen Kitteln stehen hinter einer lebensgroßen Frauenpuppe in einem Rollstuhl.
Die zukünftigen Pflegefachfrauen und -männer sind begeistert von dem Beruf, bei dem sie für andere Menschen da sein wollen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Durch Praktikum zum Traumberuf

Für eine der Schülerinnen war ein Praktikum entscheidend für ihre Berufswahl. "Seitdem kann ich mir nichts Besseres vorstellen, als alten und kranken Menschen zu helfen, sie zu unterstützen und bis zu ihren letzten Lebenstagen an ihrer Seite zu stehen. Mir selbst gibt das viel Kraft, anderen Menschen zu helfen." Ihre Mitschülerin ergänzt, dass auch für sie ein Schülerpraktikum den Ausschlag gegeben habe. "Ich war in dem Altenheim, in dem auch meine Mutter arbeitet." Dann habe sie eine Ausbildung zur Sozialassistentin begonnen. "Bei den Praktika ist mir klar geworden, dass ich in die Pflege gehen will." Einer ihrer Mitschüler sagt, dass er schon früh gewusst habe, keinen Bürojob zu wollen.

Ich brauche die Abwechslung. Im Pflegeheim oder im Krankenhaus sieht man das: viele verschiedene Menschen, verschiedene Krankheitsbilder. Das ist super interessant.

Berufsschüler und künftiger Pflegefachmann

Gleichzeitig sieht der junge Mann aber auch, dass viele Vorurteile gegenüber Pflegeberufe hegen. "Man wir schnell abgestempelt: Pfleger, das sei nur Po putzen und Fäkalien wegmachen. Dabei ist das viel mehr. Die Interaktion mit den Menschen, der medizinische Bereich. Das ist viel umfassender, als allgemein bekannt", erzählt er.

Drei junge Frauen und zwei junge Männer in weißen Kitteln stehen um ein Krankenbett, in dem eine lebensgroße Puppe liegt.
Noch ein Ausbildungsjahr, dann werden diese jungen Menschen in den Pflegealltag wechseln. Sie sind sich sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Anderer Blick auf wertvollen Beruf in Berufsorientierung

Dem pflichtet auch der Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums, Mario Friedrich, bei. "Der Schlüssel liegt dabei, diesen Beruf auch anders darzustellen. In der Berufsorientierung kann man sehr viel tun. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, auf diesen sehr schönen und wertvollen Beruf aufmerksam zu machen." Das Selbstverständnis merke man auch bei den BSZ-Schülerinnen und -Schülern.

Dazu diene auch die neue "Care-Unit", eine Ausbildungs-Station, an der sehr lebensnah der künftige Alltag in den Pflegeberufen geübt werden kann. "Sie ist natürlich primär für unsere Schüler da. Aber auch zur Berufsorientierung haben wir sie den Oberschulen angeboten." Hier habe man andere Möglichkeiten, den Beruf praxisnaher darzustellen, als im Krankenhaus oder Pflegeheim mit echten Menschen.

Was ist eine Care-Unit? - Die Care-Unit umfasst mehrere Räume und bietet neben Puppen mit Sensorik und modernen medizinischen Geräten auch zwei Pflegebetten, wie sie den Schülerinnen und Schülern in der Praxis begegnen.

- An zwei täuschend echt wirkenden Dummys können sie pflegerische Tätigkeiten trainieren, etwa Verbände anzulegen, Puls- und Blutdruckmessungen, Katheterlegen, Blutnahmen und Infusionen.

- Die Reaktionen, die die lebensgroßen Puppen nachahmen können, umfassen auch Hustenreiz und Erbrechen.

Lebensnahe Ausbildung mit modernen Lernbedingungen

Schulleiter Mario Friedrich ist froh über die Ausstattung seiner Schule. "Seit der Zusammenfassung der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung waren wir auch gefordert, solche Räume neu zu denken." Die Technik bezeichnet er als "absolut zeitgerecht", die aktuell zur modernsten in Berufsschulen gehöre.

Mario Friedrich, Direktor des Beruflichen Schulzentrums für Gesundheit und Sozialwesen Chemnitz
Schulleiter Mario Friedrich ist froh, dass das BSZ jetzt eine moderne und lebensnahe Ausbildung anbieten kann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich glaube, gerade diese Berufsgruppe hat es verdient, einen solchen Raum für die Ausbildung zu bekommen. Man merkt das den Schülerinnen und Schülern auch an, dass sie sehr froh darüber sind.

Für den Ausbau und die technische Einrichtung der Räume hat die Stadt Chemnitz 220.000 Euro bezahlt. "Ich glaube, dass wir damit als Berufsschulzentrum sehr gut aufgestellt sind und es wenig Vergleichbares gibt", meint Schulleiter Friedrich. In dem Beruflichen Schulzentrum für Gesundheit und Sozialwesen lernen 870 Schülerinnen und Schüler in acht Ausbildungsrichtungen und vier Fachbereichen. Sie werden von rund 60 Lehrkräften unterrichtet.

Dummy-Puppen lindern Berührungsängste

Die Schülerinnen und Schüler sind sich einig, dass ihnen die Care-Unit helfen wird, sich spezifischer auf ihre künftige Arbeit im Krankenhaus oder Pflegeheim vorzubereiten. Eine Schülerin sagt: "Es macht sehr viel Spaß, weil man, bevor man praktisch an Menschen übt, schon einmal an einer Puppe geübt hat und dann die Berührungsängste nicht mehr so groß sind." Eine andere ergänzt, dass allein die Blutabnahme und das Messen des Blutdrucks an dieser Puppe sehr realistisch sei. "Das alles ist schon aufregend."

Eine Pflegeschülerin mit FFP2-Maske und Brille im Portrait
Diese Schülerin lobt die realistischen Möglichkeiten, die durch die Dummies in die Ausbildung eingebaut werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (tfr/dt)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hier ab vier | 01. Februar 2022 | 16:20 Uhr

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