23.06.2020 | 18:30 Uhr Protest gegen geplante Kaufhof-Schließung in Chemnitz

Nach der Ankündigung der angeschlagenen Warenhauskette Galeria-Karstadt-Kaufhof, auch die Chemnitzer Filiale im Oktober zu schließen, herrschte in der Stadt Bestürzung. Jetzt regt sich erster Widerstand.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Ludwig steht mit zwei weiteren Frauen und zwei Männern vor dem Kaufhof in Chemnitz. Davor haben sich Pressefotografen postiert.
Pressegespräch an ungewöhnlichem Ort. Der Kaufhof im Hintergrund soll im Oktober geschlossen werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Stadt Chemnitz, der Betriebsrat der Kaufhof-Filiale und die Gewerkschaft Verdi wollen gemeinsam für die Rettung des Warenhauses in der Stadt kämpfen. Bei einem gemeinsamen Pressegespräch auf dem Neumarkt - direkt vor der Chemnitzer Kaufhof-Filiale - bekräftigte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig den politischen Willen zum Erhalt des Kaufhauses in der Stadt.

Oberbürgermeisterin Ludwig: Die Stadt ist attraktiv

Ludwig betonte, dass es bisher keine Signale über schlechte Umsätze des Chemnitzer Kaufhofs gegeben habe. Die Stadt habe ihrerseits viel dafür getan, dass innerstädtische Umfeld zu beleben. Jetzt sei man auch im Gespräch mit dem Eigentümer des Hauses. "Natürlich versuche ich auch alle einzuschalten, die etwas dafür tun können. Das ist einerseits die Landesregierung. Wir werden auch im deutschen Städtetag eine Konferenz haben, um zu sehen, inwieweit das Thema Hilfen irgendwo auf die Tagesordnung kommt."

Betriebsratschef sieht Chancen für eine Rettung

Der Betriebsratschef der Chemnitzer Kaufhof-Filiale, Christian Wehner, sieht noch eine Chance für die Rettung des Standortes. "Wenn wir die nicht mehr sehen würden, dann stünden wir wahrscheinlich hier nicht mehr da. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt."

Betriebsrat ruft zu einer Menschenkette auf

Für Freitag 17 Uhr haben die Mitarbeiter des Kaufhauses die Chemnitzer und Gäste der Stadt zu einer Menschenkette für den Erhalt des Hauses aufgerufen. An den Kassen des Kaufhofs werden bereits Unterschriften von Kunden gesammelt, die sich für den Erhalt des Standortes aussprechen. Auch damit soll der Druck auf die Geschäftsleitung erhöht werden.

Der Chemnitzer Kaufhof Der Chemnitzer Kaufhof wurde am 18. Oktober 2001 eröffnet. Der Entwurf für das 120 Millionen Mark teure Einkaufszentrum stammt von dem deutsch-amerikanischen Architekten Helmut Jahn. Es war das weltweit erste Warenhaus mit vollständig verglaster Fassade. Die Verkaufsfläche beträgt rund 20.000 Quadratmeter. Quelle: baunetz.de

Gemeinsame Erklärung von Betriebsrat, Gewerkschaft und Stadt

Bereits am Montag hatte sich die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig mit Vertretern des Kafhof-Betreibsrates und Gewerkschaftern getroffen. Sie veröffentlichten im Anschluss eine gemeinsame Erklärung: "Die Entscheidung zur Schließung der Galeria Karstadt Kaufhof in Chemnitz ist für uns nicht nachvollziehbar. Sie ist intransparent und es gibt viele gute Argumente, warum der Chemnitzer Standort stark und zukunftsfähig ist. Deshalb werden wir gemeinsam für den Erhalt kämpfen." Das Haus habe ein Einzugsgebiet von rund einer halben Million Menschen aus Chemnitz und der Region. Zudem gäbe es eine Regionalbahnanbindung direkt am Eingang des Kaufhauses. Abschließend heißt es in der Erklärung: "Gemeinsam werden wir diese Entscheidung nicht einfach so hinnehmen und gemeinsam mit der sächsischen Landesregierung alles tun, um den Standort zu erhalten."

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Ludwig steht mit zwei weiteren Frauen und zwei Männern vor dem Kaufhof in Chemnitz.
Die Stadt, der Kaufhof-Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi setzen sich für den Erhalt des Standortes ein. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Die Warenhauskette Galeria-Karstadt-Kaufhof will im Oktober deutschlandweit 62 ihrer 172 Filialen schließen, um das angeschlagene Unternehmen zu sanieren. Etwa 5.000 der 28.000 Stellen sollen bei dem Konzern wegfallen. In Chemnitz sind 120 Arbeitsplätze betroffen.

Quelle: MDR/tfr/maw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 23.06.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

Mehr aus Chemnitz und Stollberg

Mehr aus Sachsen