Gefährliche Körperverletzung Prozess wegen Angriff auf jüdisches Restaurant in Chemnitz begonnen

Vor drei Jahren ist am Rande rechtsextremer Ausschreitungen in Chemnitz auch ein jüdisches Restaurant attackiert worden. Der Wirt erlitt dabei Verletzungen. Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Im Prozess nach einem Angriff in Chemnitz vor drei Jahren haben am Mittwoch mehrere Zeugen ausgesagt. Bei der Attacke auf das jüdische Restaurant "Schalom" war der Wirt des Restaurants durch Steine an der Schulter verletzt worden. Dem mutmaßlichen Täter aus Niedersachsen werden gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch im besonders schweren Fall und Sachbeschädigung vorgeworfen, teilte das Amtsgericht Chemnitz mit. Zudem entstand ein Sachschaden von 500 Euro.

Laut Aussage judenfeindliche Beleidigungen

Bei seiner Zeugenaussage vor Gericht sagte der Restaurantbetreiber aus, er sei am Abend des 27. August 2018 routinemäßig vor sein Restaurant gegangen, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist. Kurz darauf habe er einen dumpfen Schlag an der Schulter gespürt. Um ihn herum habe es geknallt. Zuvor habe er eine Gruppe dunkel gekleideter Menschen, "eine schwarze Masse", wahrgenommen, einige Angreifer hätten direkt vor dem "Schalom" auf der Straße gestanden. "Gefühlt waren es hundert Leute, real zwischen zehn bis zwölf Personen", sagte der Besitzer. Sie hätten "Judensau" und "Verschwinde!" gerufen. Einige von ihnen seien vermummt gewesen. Er könne sich noch an Augen erinnern, die voller Hass gewesen seien, sagte der Wirt. Eine Zeugin, die zum Zeitpunkt des Angriffs in dem jüdischen Restaurant saß, berichtete ebenfalls von einem lauten Knall. Als sie nachschauen wollte, was los ist, habe der Wirt sie wieder reingeschoben und gesagt: "Geh rein, das ist kein Spaß."

Eine Menora steht im Fenster des jüdischen Restaurants Schalom im Zentrum von Chemnitz.
Das jüdische Restaurant "Schalom" bewirtet seit mehr als 20 Jahren in Chemnitz Gäste mit koscheren Gerichten. Bildrechte: dpa

Gericht plant mit einem Prozesstag

Das Gericht hat bisher nur einen Prozesstag vorgesehen. Laut Sprecherin Birgit Feuring könnte demnach noch am Mittwoch das Urteil fallen. Bei dem Angriff auf das "Schalom" sollen der Beschuldigte sowie weitere Angreifer mindestens fünf faustgroße Schottersteine und eine Bierflasche auf den Wirt geworfen haben, der eine Verletzung an der Schulter erlitt. Andere Beteiligte des Angriffs konnten laut Generalstaatsanwaltschaft damals nicht gefasst werden. Auf die Spur des Niedersachsen waren die Ermittler gekommen, weil der 30-Jährige vorbestraft ist und ein DNA-Abgleich Übereinstimmung brachte.

Keine Anklage wegen Beleidigung

Da dem Beschuldigten die antisemitische Beleidigung nicht zweifelsfrei zugeordnet werden konnte, hatte die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft dazu keine Anklage erhoben. Es werde aber von einer rechtsextremen Tatmotivation ausgegangen, hieß es. Dem Beschuldigten droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Rechtsextreme Aufmärsche nach gewaltsamem Tod eines Chemnitzers

Der Angriff hatte sich am Rande rechtsextremer Aufmärsche 2018 ereignet, die Chemnitz bundesweit in die Schlagzeilen brachten. Auslöser war der gewaltsame Tod eines 35-Jährigen auf einem Stadtfest. Wegen des tödlichen Angriffs wurde 2019 ein Syrer zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Der Wirt des "Schalom" ist alteingesessener Chemnitzer. Sein Restaurant wurde auch zuvor schon mehrfach attackiert, beschmiert und einmal einen Schweinekopf davor abgelegt. Das Schwein gilt als nicht koscher und ist deshalb in der jüdischen Küche tabu.

Quelle: MDR/lam/kh/epd/afp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 08. September 2021 | 13:30 Uhr

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