Prozessauftakt Verabredung zum Mord: Zwei Männer aus Chemnitz angeklagt

Das Landgericht in Chemnitz.
Am ersten Verhandlungstag beim Prozess gegen zwei Männer wegen Verabredung zum Mord äußerte sich einer der beiden zu den Tatvorwürfen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Am Montag hat vor dem Landgericht Chemnitz gegen zwei Männer wegen der Verabredung zum Mord begonnen. Den 27 und 36 alten Männern wird vorgeworfen, sich im Internet zur Vergewaltigung und Tötung eines Teenagers verabredet zu haben. Sie sollen sich in einem Facebook-Chat den Plan gefasst haben, einen Jungen in eine Chemnitzer Fabrikruine zu locken, zu missbrauchen und zu töten.

Einer der Angeklagten äußert sich

Der 36-Jährige Angeklagte äußerte sich zum Prozessauftakt. "Der Chat, so wie ihn der Staatsanwalt beschrieben hat, hat stattgefunden", räumte er ein. Der Beschuldigte, der viele Jahre als Kinder- und Heilerziehungspfleger gearbeitet und in seiner Freizeit Jugendliche im Fußball trainiert hat, habe aber das Ganze nie in die Tat umsetzen wollen. Stattdessen habe er potenzielle Gefährder aufdecken wollen. "Ich wollte selbst Polizei spielen", erklärte er.

Ein Mann hält sich eine rote Mappe vor das Gesicht.
Einer der Angeklagten äußerte sich am ersten Verhandlungstag zu den Anklagepunkten der Staatsanwaltschaft. Bildrechte: MDR SACHSEN

Nach Angaben des Landgerichts Chemnitz hatte er sich auf Facebook in einem Fake-Profil als Jugendlicher ausgegeben und dazu ein Foto von einem halbnackten, auf einem Bett liegenden Jungen gestellt. Er habe an dem Tag der Verabredung im Juni 2019 die Polizei informieren und zusammen mit den Beamten zu dem Treff erscheinen wollen, sagte der 36-Jährige.

Facebook meldete verdächtigen Chat

Facebook brachte die Ermittler durch einen Hinweis an das Bundeskriminalamt auf die Spur der Angeklagten. Bei einer Durchsuchung fanden die Beamten auf dem Computer des 36-Jährigen zudem viele kinderpornografische Bilddateien. Der 36-Jährige verteidigte sich damit, dass ihm die Bilder unaufgefordert zugeschickt worden und automatisch gespeichert worden seien. Er selbst finde die Bilder "abartig" und bezeichnete sich als asexuell.

Polizisten gingen von Planung eines Verbrechens aus

Laut Staatsanwaltschaft wurde bei ihm unter anderem auch eine rechtsmedizinische Dissertation der Universität Münster über Tötungen durch Erdrosseln und Erwürgen gefunden. Polizisten sagten vor Gericht aus, dass sie nach Bekanntwerden des Chats davon ausgegangen seien, dass es sich um eine ernsthafte Planung eines Verbrechens gehandelt habe. Der zweite Angeklagte, ein 27 Jahre alter Berufskraftfahrer, schwieg zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen. Er wolle sich erst zu einem späteren Zeitpunkt dazu äußern, sagte er.

Prozess, Saal innen
Ein Urteil in dem Prozess um eine Verabredung zum Mord wird Ende Mai erwartet. Bildrechte: MDR SACHSEN

Das Gericht plant für den Prozess drei weitere Verhandlungstage. Sollte die Tat als versuchter Mord gewertet werden, drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen. Ein Urteil wird für den 28. Mai erwartet.

Quelle: MDR/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 10. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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