Prozessauftakt Ehefrau zehn Jahre nach Tod eines Chemnitzers vor Gericht

Im September 2011 wurde in Chemnitz ein Frührentner getötet. Die mutmaßlichen Täter, seine Frau und ihr Geliebter, tauchten unter. Während der Komplize 2013 gefasst und ein Jahr später verurteilt wurde, konnte sich die Frau fast zehn Jahre verstecken, bevor sie in Schweden aufflog. Jetzt muss sich auch die gebürtige Tunesierin vor Gericht verantworten.

Das Landgericht Chemnitz
Sieben Jahre nach der Verurteilung ihres Komplizen beginnt am Landgericht Chemnitz der Prozess gegen die tatverdächtige Frau. Bildrechte: MDR/haertelpress

Am Landgericht Chemnitz hat am Montagnachmittag ein Prozess gegen eine 38 Jahre alte Frau begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der gebürtigen Tunesierin Totschlag vor, vor zehn Jahren ihren deutschen Ehemann getötet zu haben. Das Gericht hat zunächst neun Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll im Dezember fallen. Die Angeklagte äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu Anschuldigungen.

Angst vor Scheidung und Abschiebung?

Die Tat hatte sich nach Gerichtsangaben am Abend des 28. September 2011 ereignet. Damals sollen die Angeklagte und ihr damaliger Geliebter in der Wohnung des Ehepaars im Chemnitzer Stadtteil Bernsdorf mit zwei Messern etwa 50 Mal auf das Opfer eingestochen haben. Der 51 Jahre alte Frührentner starb laut Gericht unmittelbar nach der Tat.

Polizisten stehen 2011 in einem abgesperrten Hinterhof eines Wohnhauses in Chemnitz-Bernsdorf
Um den Anschein eines Raubürfalls zu erwecken, hatten die Tatverdächtigen die Balkontür der Wohnung aufgehebelt. Bildrechte: MDR/haertelpress

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann sterben musste, weil er von der Liebesbeziehung seiner Frau erfahren hatte und sich von ihr scheiden lassen wollte. Damit hätte die Tunesierin wahrscheinlich ihren Aufenthaltsstatus in Deutschland verloren, was sie offensichtlich verhindern wollte. Die Frau versuchte zunächst, die Tat als Raubmord darzustellen, verwickelte sich aber in Widersprüche. Kurze Zeit später tauchten sie und ihr Komplize unter und wurden daraufhin mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Komplize seit sieben Jahren im Gefängnis

Der algerische Aslybewerber Ahmed I. bei seinem Prozess 2014 am Landgericht Chemnitz
Mittäter Ahmet I. erhielt 2014 eine Gefängnisstrafe von neun Jahren. Bildrechte: MDR/haertelpress

Der gesuchte Mann, ein zur Tatzeit 41 Jahre alter algerischer Asylbewerber, war 2013 in der norwegischen Hauptstadt Oslo wegen Drogenhandels verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert worden. Ende 2014 verurteilte ihn das Landgericht Chemnitz in einem Indizienprozess wegen Totschlags zu neun Jahren Haft, obwohl er seine Unschuld beteuerte. Nach Ansicht der Richterin handelte er aus Liebe zu der Frau und hätte ohne sie das Opfer nicht getötet.

Fast zehn Jahre auf der Flucht

Ein 2012 veröffentlichtes Fahndungsfoto der gebürtigen Algerierin Hayet K.
2012 veröffentlichte die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung nach der tatverdächtigen Hayet K. Bildrechte: MDR/haertelpress

Die weiter flüchtige Ehefrau wurde erst im März dieses Jahres in Schweden gefasst. Dort lebte sie unter einer falschen Identität, die aufflog, als sie in Stockholm ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern lassen wollte. Am 8. April lieferten die Behörden sie nach Deutschland aus.

In dem Prozess droht ihr eine Haftstrafe zwischen fünf Jahren und lebenslänglich. Die Staatsanwaltschaft hat die 38-Jährige nach eigenen Angaben wegen Totschlags angeklagt, weil sie keine Mordmerkmale erfüllt sieht. Dazu zählen niedere Beweggründe, wie beispielsweise Habgier oder Heimtücke. Im Prozess ist auch ihr Komplize als Zeuge geladen. Er muss aussagen, weil er bereits rechtskräftig verurteilt wurde und sich deshalb nicht mehr selbst belasten kann. Damit entfällt sein Zeugnisverweigerungsrecht.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz | 20. September 2021 | 08:30 Uhr

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